Licht aus in Budapest: Donau-Niedrigwasser zwingt zum Energiesparen
Licht aus in Budapest :
Donau-Niedrigwasser zwingt zum Energiesparen
06.08.2026, 14:09Lesezeit: 2 Min.

Ungarn muss Strom sparen und schaltet Lichter in der Hauptstadt aus. Das einzige Atomkraftwerk des Landes ist auf Kühlung aus der Donau angewiesen. Doch das Wasser im Fluss ist knapp.
Budapest liegt im Dunkeln: Um in der Energiekrise Strom zu sparen, hat Ungarn die Beleuchtung für seine Wahrzeichen wie das neugotische Parlamentsgebäude, die Budaer Burg und die berühmte Kettenbrücke abgeschaltet. Die anhaltende Hitzewelle und der historisch niedrige Wasserstand der Donau zwingen das Land zu diesem Schritt. Der Grund: Das einzige Atomkraftwerk des Landes ist für die Kühlung auf den Fluss angewiesen. Wegen des Wassermangels musste es am Wochenende abgeschaltet werden – erstmals seit Jahrzehnten. Ausbleibende Regenfälle und die Hitze haben ähnlich wie am Rhein auch an der Donau für Rekordtiefstände gesorgt. Die Temperaturen kletterten am Donnerstag in Ungarn auf mehr als 40 Grad.

Während Touristen enttäuscht auf die Sparmaßnahmen reagieren, zeigen viele Einheimische Verständnis für die Entscheidung. „Ich bin sehr enttäuscht, denn man kommt vielleicht einmal im Leben nach Budapest“, sagte die deutsche Touristin Silke Schneiders. „Ich bin gestern auf den Hügel gestiegen und habe gewartet, dass das Gebäude beleuchtet wird. Aber es passierte einfach nicht.“ Andere Besucher sehen es gelassener. „Klar ist das Mist, aber ich kann wertschätzen, was ich hier habe. Also keine große Sache“, meinte der Tourist Benjamin Thomas Tucker.
Menschen tappen im Dunkeln
Das Problem ist nicht auf Ungarn beschränkt. Auch in der rumänischen Hauptstadt Bukarest wurde die Straßenbeleuchtung gedimmt und die Beleuchtung von Wahrzeichen gestoppt. „Es scheint, wir sind wegen schlechter Entscheidungen an diesem Punkt angelangt, angesichts der Klimakrise, die wir seit Jahrzehnten erleben“, sagte der 25-jährige Mircea in Bukarest.

Doch während die Menschen im Dunkeln tappen, gibt es einen überraschenden Gewinner der Sparmaßnahmen: die Eintagsfliege. Die Insekten, die nach dem Schlüpfen nur wenige Stunden leben, schwärmen derzeit zu Hunderttausenden über der Donau. „Die Lichtverschmutzung ist für Eintagsfliegen gefährlich, da sie von den Lampen am Flussufer angezogen werden“, erklärte György Kriska, Professor an der Eötvös-Lorand-Universität (ELTE) in Budapest. „Das Abschalten der Lichter ist der beste Weg, sie zu schützen.“ Die Lichter der Stadt und die Schatten der Brücken irritieren die Tiere sonst bei ihrem Paarungsflug. Die Folge: Statt ihre Eier über dem Wasser abzulegen, stürzen sie am Ufer ab.