Lüneburg liefert Werder Bremen guten Kampf – Ex-HSV-Profi sorgt für Emotionen
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Bundesligist SV Werder Bremen hat durch ein 3:0 (1:0) beim Oberligisten Lüneburger SK Hansa am mit 29.330 Zuschauern ausverkauften Millerntor die zweite Runde im DFB-Pokal erreicht. Der verdiente Sieg der Werderaner gegen den tapfer kämpfenden Außenseiter ging maßgeblich auf das Konto von Mittelfeldspieler Jens Stage.
Nach einer Ecke von Olivier Deman besorgte Stage per präzisem Kopfball in die rechte Ecke den frühen Führungstreffer (11. Minute). Vor dem zweiten Treffer holte Stage einen berechtigten Foulelfmeter heraus und gab damit dem ansonsten blassen Niclas Füllkrug bei seinem Comeback in Grün-Weiß die Gelegenheit zu seinem ersten Saisontor für Werder (53.). Wenige Minuten später wurde Füllkrug ausgewechselt.
Niclas Füllkrug trifft per Strafstoß
Sportlich war das Aufeinandertreffen beider Teams insgesamt zu ungleich, um wirkliche Spannung zu erzeugen. Der defensiv sehr ordentliche Lüneburger SK Hansa war offensiv so gut wie nicht existent, konnte Werders Tor fast gar nicht in Gefahr bringen. Den auch von Lüneburgs Oberbürgermeisterin auf der Haupttribüne, Claudia Kalisch (Grüne), frenetisch bejubelten ersten Torschuss der Lüneburger, der knapp am Kasten von Bremens Torwart Alexander Schlager vorbeistrich, gab Nevio Scheuer erst in der 74. Spielminute ab.
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Werder hingegen kontrollierte die Partie total, zeigte allerdings vor allem in der ersten Halbzeit eine offensiv einfallslose Leistung. Für einen Vier-Klasse-Unterschied beider Teams erspielte sich die Mannschaft von Daniel Thioune in den ersten 45 Minuten erstaunlich wenig Torchancen, wurde erst in der zweiten Hälfte zwingender.
HSV-Ultras im Weserstadion statt am Millerntor
Einige Geschichten bot die Partie dann aber doch. Zum einen vermeldete die „Bild“-Zeitung vor der Partie, die Polizei Hamburg habe die Anreise über 100 gewaltbereiter HSV-Anhänger am S-Bahnhof Klein Flottbek verhindert. Die entspannte Sicherheitslage am Millerntor wurde nach Abendblatt-Informationen zudem deshalb möglich, weil Teile der HSV-Ultra-Szene im Zuge ihrer Fanfreundschaft mit Hannover 96 kurioserweise zeitgleich im Weserstadion weilten. Sie unterstützten dort den „kleinen HSV“ bei seinem ungefährdeten Kantersieg beim bremischen Oberligisten SV Hemelingen.
Somit blieb am Millerntor alles friedlich. In die große Fußball-Fan-Party beider Fanlager – bei denen die etwas über 20.000 Bremer Fans die Gegengerade und die Südtribüne einnahmen, während die gut 8000 ganz in Weiß gewandeten Lüneburger Anhänger ihr Team von der Nord- und Haupttribüne anfeuerten – mischten sich aber viele Pfiffe aus dem Lüneburger Lager. Ex-HSV-Profi Ludovit Reis, nach seinen jüngst gewählten sehr positiven Worten über Werder Bremen im Internet von HSV-Anhängern teils wüst beschimpft, bekam den Unmut des HSV-affinen Lüneburger Anhangs bei jeder Ballberührung zu spüren.
Reis sorgt für Emotionen am Millerntor
Fast hätte er darauf noch vor dem ersten Pfiff eine Antwort gehabt, als er nach 24 Sekunden bereits über den Lüneburger Kasten schoss. Danach spielte Reis solide, ohne sonderlich groß aufzufallen. In der 76. Minute allerdings emotionalisierte der Mittelfeldspieler das gesamte Stadion, als er per abgefälschtem Torschuss aus 14 Metern zum 3:0-Endstand traf und vor den Bremer Fans auf der Gegengerade gelassen jubelte, während Lüneburgs Fans ihr Pfeifkonzert gegen Reis deutlich intensivierten. Zum versöhnlichen Abschluss verabschiedeten sie ihre Mannschaft aber mit verdienten Standing Ovations.
Torwart Exner: „Gänsehaut beim Einlaufen“
„Wir hatten schon Gänsehaut beim Einlaufen“, hob Lüneburgs Torwart Arne Exner nach dem Abpfiff die „großartige Atmosphäre“ hervor. Sportlich könne der LSK zudem erhobenen Hauptes aus der Partie gehen. „Man hat ja beim Spiel SC St. Tonis gegen Eintracht Frankfurt gesehen, mit was für einem hohen Ergebnis ein Oberligist gegen einen Proficlub baden gehen kann (0:11, die Redaktion). Wir hatten uns fest vorgenommen, dass uns das nicht passiert. Und wenn der Schuss von Nevio um 1:2 reinfliegt, hätte vielleicht nochmal die Hütte gebrannt und Werder hätte wackelige Knie bekommen.“
Auch Lüneburgs Trainer Tarek Gibbah war sehr zufrieden mit dem Auftritt seines Teams. „Was wir defensiv gespielt haben, das war schon wirklich richtig gut. Offensiv hätten wir manchmal einen Tick mutiger sein können, aber insgesamt war das eine starke Leistung von uns. Wir gehen heute Abend nochmal los mit der Mannschaft und lassen den Abend schön ausklingen. Beim Feiern haben unsere Jungs übrigens statt Oberliga- sogar Champions-League-Niveau.“
Lüneburgs Oberbürgermeisterin Kalisch: „Halbe Stadt am Millerntor“
Den amtlichen Feiersegen erteilte Lüneburgs Oberbürgermeisterin Kalisch, die den Lüneburger Stolz auf die Leistung des Teams unmittelbar nach dem Abpfiff in eine Pressemitteilung kleidete: „Wir haben uns auf ein Fußball-Fest gefreut und der LSK hat Lüneburg ein Fußball-Fest geschenkt. Gefühlt war die halbe Stadt am Millerntor, was für eine großartige Atmosphäre. Der LSK hat sich phantastisch gegen den Bundesligisten präsentiert! Danke an den ganzen Verein für diesen Nachmittag.“