Mainzer Defensive offen wie ein Scheunentor – Zieht Fischer Konsequenzen?


Mainz kassiert zehn Gegentore in drei Spielen – was macht Fischer?

Stand: 11.10.2026, 13:46 Uhr

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Nach einer 2:4-Niederlage gegen Bayer Leverkusen wächst der Druck auf die Mainzer Abwehr. Aber auch Kapitän Amiri könnte hinten mehr helfen.

Mainz – Nach dem Schlusspfiff ist Urs Fischer zum Schiedsrichterteam um Max Burda gestiefelt, hat allen Dreien fair die Hand gereicht und ist ohne Murren umgedreht. Das war nach dem 3:4 (2:2) des FSV Mainz 05 gegen Bayer Leverkusen deshalb bemerkenswert, weil sich der 05-Trainer gemeinsam mit der gesamten Bank beim Leverkusener Führungstor zum 3:2 noch mächtig echauffiert hatte.

Fußball, Männer: Bundesliga, FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen, 5. Spieltag, Mewa Arena, Trainer Urs Fischer (1. FSV Mainz 05). (zu dpa: „Mainzer Gegentor-Flut: «Nicht das, was wir uns vorstellen“»)

Echt genervt: Urs Fischer, Trainer von Mainz 05. © Torsten Silz/dpa

Vor Jarell Quansahs Treffer (55.) hatte Stürmer Patrick Schick den Ball mit der Hand berührt. Versehentlich, nachdem er von dessen Bauch abgeprallt war. Der Videoassistent beschied nach intensiver Untersuchung: Das geschah im Rahmen des Erlaubten. Der Treffer zählt.

Urs Fischer verhält sich vorbildlich

Fischer wurde hinterher gefragt, warum er die Unparteiischen nicht, wie es die meisten Kollegen vermutlich getan hätten, mit klassischer Trainer-Nörgelei belästigt habe. Der Schweizer entgegnete, nach einer solch schwachen Abwehrleistung seiner Mannschaft zieme es sich, sich besser mit den eigenen Nachlässigkeiten auseinanderzusetzen, als woanders Schuldige zu suchen. Eine fürwahr vorbildliche Haltung, an der manch einer in der Branche sich getrost orientieren kann.

Nach null Gegentoren aus den ersten beiden Partien haben die Rheinhessen zehn Treffer binnen drei Spielen kassiert. Das ist gerade für ein Team, das sich in erster Linie über eine intensive Verteidigungshaltung versteht, natürlich zu viel. Und das sorgt bei Fischer für ein Maß an Genervtheit, das man bei dem stoischen Schweizer in Mainz bisher so noch nicht erlebt hat.

Fischer ist so mutig, die jungen Fabio Gruber und Kacper Potulski immer wieder gemeinsam in der Dreierkette aufzubieten. Den Oldtimern Stefan Bell und Danny da Costa bleibt in Abwesenheit des verletzten Dominik Kohr nur die Bank. Jetzt stellt sich die Frage: Dürfen Gruber und Teenager Potulski als Zukunftsbegabungen auch weiter die Gegenwart managen, weil junge Burschen halt Fehler machen und Vertrauen brauchen? Oder entscheidet sich Fischer für eine personelle Neuausrichtung?

„Man muss manchmal einen Schritt zurück machen, um Schritte nach vorn zu kommen“, sagte er Samstagabend. Klingt verdächtig nach grundsätzlichen Überlegungen. Der Dritte im Abwehrbunde, Routinier Stefan Posch, hält eine vertiefte Besprechung der Probleme für sinnvoll. Denn man habe sich „gefühlt zu kindlich angestellt“, beschied der Österreicher. Mit „kindlich“ dürfte er eher nicht sich gemeint haben. Er ist ja schon 29. Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, Posch zentral als Abwehrchef zu platzieren, dort, wo bisher der 24-jährige Gruber mit Licht und Schatten verteidigt hat.

Noch einmal selbstkritisch in sich gehen könnte eventuell auch Nadiem Amiri. Der Kapitän und Nationalspieler, beim 1:1 in den Niederlanden neulich deutscher Startelfspieler, ist im Spiel nach vorn eine Mainzer Klasse für sich. Fast wäre ihm sogar das 3:2 gelungen. Aber seine Dreierkette hinter ihm könnte von Mittelfeldmann Amiri mehr Unterstützung gut gebrauchen. Eine Sache, die auch thematisiert werden sollte, ehe es am nächsten Samstag zu Schalke 04 nach Gelsenkirchen geht.

Fischer ist es leid, früh nach dem Anpfiff oder nach der Pause hinter Rückständen herlaufen zu müssen. „Wir haben zweimal den Beginn der Halbzeiten verschlafen“, ärgerte er sich nach einer Begegnung, bei der es nach neun Minuten bereits 0:2 und trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs nach 65 Minuten wieder 2:4 gestanden hatte. In Mönchengladbach war es im letzten Spiel vor der Länderspielpause noch gut gegangen. Gegen Eintracht Frankfurt (1:3) nicht.

Mainz 05 muss in Aggressivität und Intensität wieder zu sich finden. Sonst wird es ein Spieljahr, das der Qualität des besten 05-Kaders der Vereinsgeschichte nicht gerecht wird.