Bern bangt am Sonntag vor «Smash Imperialism»-Demo


Ein Jahr nach heftigen Ausschreitungen bei Pro-Palästina-Kundgebung

«Smash Imperialism»: Bern bangt am Sonntag vor unbewilligter Demo

Am Jahrestag der eskalierten Pro-Palästina-Demonstration rufen dieselben linksradikalen Kreise für diesen Sonntagnachmittag erneut zum Protest in Bern auf. Die unbewilligte Kundgebung weckt böse Erinnerungen – Polizei und Gewerbe sind alarmiert.

Publiziert: 13:46 Uhr

Es war eine Nacht der Zerstörung, deren Spuren erst seit Kurzem verschwunden sind. Vor dem traditionsreichen Restaurant Della Casa im Berner Stadtzentrum zündeten Demonstrierende am 11. Oktober 2025 Tische und Stühle an – beinahe hätte das 500-jährige Gebäude gebrannt, während Mitarbeitende im Innern eingeschlossen waren. «Schreiner, Maler, Gipser – ich musste diverse Handwerker aufbieten», sagte Wirt Tobias Burkhalter gegenüber SRF. Auch kam es damals zu antisemitischen Äusserungen.

Genau ein Jahr später ist die Lage wieder angespannt. Unter dem Motto «Smash Imperialism» rufen dieselben Kreise für Sonntagnachmittag zur Besammlung an verschiedenen Orten in der Stadt auf – pünktlich zum Jahrestag der Eskalation. Unter anderem ist der Rosengarten um 15 Uhr ein Treffpunkt.

Was kommt auf Bern zu?

Die Demonstration ist nicht bewilligt. «Wir wissen nicht, was genau auf uns zukommt», wird der Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried (GFL) von SRF zitiert. Die Kantonspolizei sei aber gut vorbereitet und werde alles dafür tun, dass die Demo dieses Mal nicht eskaliere.

Wie heftig die Ausschreitungen vor einem Jahr waren, zeigen die Zahlen: Die Polizei hielt am Tag der Demonstration 536 Personen an. Mithilfe von Videoaufnahmen wurden später 101 Straftäterinnen und Straftäter identifiziert, gegen 75 von ihnen wurde Anzeige eingereicht – unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Körperverletzung. Urteile sind bisher keine gefallen. Beim Grossteil der Identifizierten handelt es sich um Männer aus der Schweiz im Alter zwischen 16 und 65 Jahren.

Kritik an der Polizei

Umstritten bleibt der damalige Polizeieinsatz: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte ihn scharf und hielt in einem Bericht fest, die Polizei habe ungerechtfertigt und unverhältnismässig Gewalt angewendet.

Die Ereignisse vom Herbst 2025 hatten bis ins Bundeshaus politische Folgen. National- und Ständerat entschieden, dass vorläufige Festnahmen künftig bis zu 48 statt 24 Stunden dauern können; zudem sollen Organisatoren von Demos für Sachschäden zur Kasse gebeten werden können.

Für Wirt Burkhalter bleibt bis Sonntagabend nur das bange Warten – und die Hoffnung, nicht schon wieder Handwerker aufbieten zu müssen.