Baumann bei Maischberger: AfD will Sachsen-Anhalt allein regieren – CDU-Mann rechnet mit dem Programm ab
Maischberger-Gast Bernd Baumann: AfD will Sachsen-Anhalt allein regieren – und hat einen Plan
Stand: 19.08.2026, 08:27 Uhr
Kommentare
AfD-Mann Baumann bei Maischberger: Absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt als Ziel – CDU-Vertreter Liminski rechnet mit dem Programm ab.
Berlin – In Sachsen-Anhalt wird in drei Wochen ein neuer Landtag gewählt. Laut Umfragen dürfte die AfD stärkste Partei in dem Bundesland werden, deutlich vor der CDU. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund verspricht, das Land zu reformieren: weniger Ausländer, mehr Wirtschaftsunternehmen, Schluss mit Schulpflicht und öffentlich-rechtlichem Fernsehen. Viel Geld will er in die Hand nehmen. Woher, verrät er nur zu einem sehr kleinen Teil. Und reden will Siegmund, mit allen.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.
Klingt alles so einfach, wäre da nicht die CDU. Die hat auf einem Parteitag eine „Brandmauer“ gegen die AfD und die Linkspartei beschlossen. Laut Umfragen kommt Letztere bei den Wahlen am 6. September jedoch wahrscheinlich auf den dritten Platz. Sollten SPD, Grüne und BSW an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, würde dies für die AfD eine absolute Mehrheit bedeuten, sie könnte allein regieren.

Und das will sie auch, sagt der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, am Dienstagabend bei Sandra Maischberger im Ersten.
„Das wäre ja noch schlimmer, als mit der CDU zu koalieren“
Wie das geht, ist Baumann auch klar: „Die Mehrheit der Bürger will ja, dass wir regieren. Sie sind ja verzweifelt. Wir sind in Sachsen-Anhalt doppelt so stark wie die CDU.“ Baumann fordert einen Politikwechsel, „wirklich weg vom links-grünen Mainstream zu einer neuen Politik, die wirklich die Migrationspolitik macht, die erfolgreich ist, eine Industriepolitik, eine Energiepolitik, eine Bildungspolitik - 40 Prozent der jungen Leute können nicht mehr lesen und schreiben.“ Regieren könne man „natürlich zur Not auch mit der CDU, wenn's irgendwo vernünftig ist. In Sachsen-Anhalt ist es jetzt nicht vernünftig, das kann eigentlich nicht funktionieren.“
„Warum nicht?“ wirft Maischberger ein. „Die CDU hat sich in Sachsen-Anhalt so festgelegt auf Brandmauer. Wir müssen, wenn wir an die Regierung kommen, stabile Verhältnisse haben. Wir wollen das Land wirklich im Kern umbauen, so wie die Bevölkerung das auch will. Das geht natürlich nicht mit einer CDU, die vom Konrad-Adenauer-Haus dann gesteuert wird und wo wir nichts umsetzen können von dem, was wir versprochen haben, so wie das dem Merz passiert ist als Kanzler, als er mit der SPD regierte. Es kann aber sein, das einzelne CDU-Leute, die es wirklich ehrlich meinen, je nachdem wie es ausgeht - und uns fehlen noch ein paar Köpfe -, dass die dann rausgehen und sagen, wir kommen jetzt zu Euch. Und das wäre eine Möglichkeit, eventuell eine Regierung zu bilden.“
Wie es denn mit dem BSW wäre, will Maischberger wissen. Dessen Gründerin Sarah Wagenknecht kann sich vorstellen, dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zur Wahl zu verhelfen, indem sich ihre Partei im dritten Wahlgang enthält. Baumann: „Das wäre ja noch schlimmer, als mit der CDU zu koalieren, die dann gar nicht wollen würde, dass diese neue Regierung von Ulrich Siegmund funktioniert. Das BSW ist ja sozusagen noch instabiler. Wenn das Land Sachsen-Anhalt sich ändern soll, und es scheint ja so zu sein, dass die Bürger den Mut haben, das kann funktionieren, dann brauchen wir die absolute Mehrheit, dann zeigen wir, wie es geht in Deutschland.“
„Schauen Sie sich mal finanziell dieses Programm an“
Auch zu Gast an diesem Abend ist Nathanael Liminski von der CDU. Er ist Staatskanzleichef in Nordrhein-Westfalen, hat also mit den Wahlen in Ostdeutschland erst einmal gar nichts zu tun. Mit Baumann ist er sich in fast keinem Punkt einig. Doch auch ihm ist klar: Eine Koalition mit der AfD kommt für die CDU nicht in Frage.
„Die AfD behauptet von sich selber, auch Uli Siegmund, er sei derjenige, der nachher macht, was er vorher ankündigt. Schauen Sie sich mal finanziell dieses Programm an: Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle hat errechnet, dass alleine, wenn man sehr niedrig ansetzt, Mehrausgaben von 1,6 Milliarden Euro in diesem Programm sind, bei einem Landeshaushalt von 16 Milliarden.“

Was die Brandmauer der CDU angeht, mag sie Baumann nicht wirklich kritisieren. Kein Wunder, sagen doch Experten, sie sei einer der Gründe für den aktuellen Erfolg der AfD. Liminski verteidigt zumindest die politische Abschottung der CDU: „Die Ablehnung ist inhaltlich, programmatisch und im Stil begründet. Aber die Brandmauer ist aus meiner Sicht im Begriff völlig überdehnt und völlig überbewertet. Im Übrigen ist eine Brandmauer auch nur ein Instrument, um einen Brand einzudämmen oder kurzzeitig aufzuhalten. Es muss uns aber darum gehen, den Brandherd zu löschen. Und deswegen bin ich der Meinung, wir brauchen die inhaltliche Auseinandersetzung.“
In Sachsen-Anhalt gebe es vielleicht die Möglichkeit, eine AfD-Regierung zu verhindern. Das sei auch Sache der Linken, die sich genau überlegen müsse, was sie dazu beitrage. Liminski: „Das ist nicht nur eine Aufgabe der CDU. Und wenn die CDU aber die Aufgabe bekommt, dann, glaube ich, hat die CDU schon einmal gezeigt, dass sie an der Stelle sehr genau darauf achtet, andere auch zu einem richtigen Arbeitsprogramm für das Land zu bringen.“
Baumann antwortet: „Das ist ja fast schon eine Einladung der Linken. Ich stelle mir vor, ihr Parteigründer Konrad Adenauer hätte mit den Linken paktiert, wie Sie es in den Ländern ja machen. Konrad Adenauer wäre heute auf unserer Seite.“ Nun antwortet auch das Studiopublikum. Ein großer Teil lacht.