Malaria-Mücken infizieren Menschen bis zu 32 Kilometer vom Flughafen entfernt


Stand: 15.09.2026, 18:58 Uhr

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Zwei neue Malaria-Fälle in Frankfurt-Schwanheim zeigen: Eingeschleppte Mücken machen am Flughafenzaun nicht Halt. Europäische Daten belegen, dass ein Drittel aller Fälle seit 2000 allein zwischen 2018 und 2022 auftrat.

Frankfurt – Die beiden neuen Malaria-Fälle in Schwanheim wirken auf den ersten Blick ungewöhnlich: Die Erkrankten arbeiten nicht am Frankfurter Flughafen, leben aber in dessen Nähe. Ein Blick auf frühere Fälle in Europa zeigt jedoch, dass eingeschleppte Malaria-Mücken offenbar mehrere Kilometer vom Flughafen entfernt Menschen infizieren können.

Eine 2024 veröffentlichte europäische Untersuchung unter Beteiligung des Robert Koch-Instituts (RKI) erfasste 145 Fälle von Flughafen- oder Gepäckmalaria zwischen 1969 und Anfang 2024 in neun europäischen Ländern. 105 wurden als Flughafenmalaria eingestuft. Frankreich verzeichnete mit 52 die meisten Fälle, gefolgt von Belgien mit 19 und Deutschland mit neun. Bei Fällen mit entsprechenden Ortsangaben betrug die durchschnittliche Entfernung zum Flughafen 4,3 Kilometer, die Spannweite reichte von einem bis 32 Kilometer.

Besonders deutliche Parallelen zu Frankfurt weist ein Fall aus Belgien auf. Im September 2020 erkrankte ein Ehepaar an Malaria tropica. Die beiden hatten Belgien seit mehr als 50 Jahren nicht verlassen und lebten rund fünf Kilometer vom Brüsseler Flughafen und dem Militärflughafen Melsbroek entfernt. Beide starben.

Genetische Untersuchungen ergaben, dass die Malariaerreger der beiden Patienten praktisch identisch waren. Die Forscher hielten es für wahrscheinlich, dass sogar dieselbe aus Afrika eingeschleppte Mücke beide Menschen bei einer unterbrochenen Blutmahlzeit gestochen hatte. Die Erreger ließen sich am ehesten Zentralafrika, insbesondere Gabun oder Kamerun, zuordnen. Bereits 1994 in Frankreich erkrankten rund um den Pariser Flughafen Charles de Gaulle sechs Menschen. Vier arbeiteten am Flughafen, zwei lebten in einer sieben Kilometer entfernten Gemeinde. Die Ermittler vermuteten, dass Mücken in Autos von Flughafenbeschäftigten transportiert worden waren. Einer starb. Insgesamt fünf Fälle mit Weitertransport per Auto sind bekannt; die Betroffenen befanden sich sieben bis 13 Kilometer vom Flughafen entfernt.

Vorfälle bleiben äußerst selten

Auch Genf erlebte 1989 eine ungewöhnliche Häufung: Innerhalb weniger Wochen erkrankten fünf Menschen an Malaria tropica, obwohl sie keine Tropenreise hinter sich hatten. Alle lebten höchstens zwei Kilometer vom Flughafen entfernt. Bis zur richtigen Diagnose vergingen teilweise 31 Tage.

Aus Großbritannien sind sogar zwei Erkrankungen bei Menschen dokumentiert, die zehn beziehungsweise 15 Kilometer vom Flughafen Gatwick entfernt lebten. Damals wurde Flughafenmalaria wegen der großen Entfernung allerdings verworfen. Andere Fälle zeigen, dass selbst noch größere Distanzen grundsätzlich vorkommen: Die europäische Untersuchung von 2024 nennt bei Flughafenmalaria bis zu 32 Kilometer Entfernung.

Auch die Häufung mehrerer Erkrankungen ist kein Frankfurter Sonderfall. 1995 erkrankten am Brüsseler Flughafen sechs Menschen – drei Beschäftigte und drei Besucher, einer starb. Als mögliche Verstecke für eingeschleppte Mücken identifizierten die Forscher Frachträume, Gepäck und Fahrwerksschächte.

Insgesamt bleibt Flughafenmalaria in Europa ein seltenes Phänomen. Die Auswertung zeigt allerdings eine auffällige Entwicklung: Rund ein Drittel aller seit dem Jahr 2000 erfassten Fälle trat allein zwischen 2018 und 2022 auf. Zudem ereigneten sich 83 der 105 bekannten Fälle von Flughafenmalaria zwischen Juni und September.

Die Autoren der Studie sehen deshalb Handlungsbedarf. Sie empfehlen eine bessere Überwachung und eine Überprüfung, wie wirksam bestehende Maßnahmen zur Bekämpfung von Mücken in Flugzeugen tatsächlich umgesetzt werden. Die europäischen Erfahrungen zeigen jedenfalls: Der Flughafenzaun bildet für eine eingeschleppte Mücke keine epidemiologische Grenze.