Männer duschen sich nicht mehr vor einem Date. Sie betreiben jetzt "Pheromone-Maxxing"
Dating
Männer duschen sich nicht mehr vor einem Date. Sie betreiben jetzt "Pheromone-Maxxing"
Ein neuer Dating-Trend unter Männern soll mehr Erfolg bei Frauen versprechen. Das beinhaltet nicht zu duschen und auch kein Deo aufzutragen
Kevin Recher
Wenn man sich für ein Date vorbereitet, gehören zu den üblichen Schritten, eine Dusche, frisches Gewand, Zähne putzen und ein bisschen Parfum. Das macht man so – für sich, aber auch für sein gegenüber. Man will sich ja von seiner besten Seite zeigen. Aber das sehen einige Männer jetzt nicht mehr so. Die verzichten komplett darauf und betreiben sogenanntes "Pheromone-Maxxing".
Diese neue Dating-Strategie, die derzeit auf diversen Social-Media-Plattformen kursiert, empfiehlt nämlich genau das. Junge Männer verzichten bewusst auf Körperpflege, um ihren natürlichen Geruch möglichst unverfälscht zur Geltung zu bringen. Manche lassen das Deo weg, andere die Dusche. Die besonders ambitionierten Vertreter des Trends tragen sogar ungewaschene Kleidung. Je mehr man nach sich selbst riecht, desto besser.
Die Theorie dahinter: Der männliche Körper produziert Pheromone, also chemische Signalstoffe, die andere Menschen, in dem Fall Frauen, unterbewusst wahrnehmen und die sexuelle Anziehung steigern sollen. Je stärker der natürliche Körpergeruch, so die krude Logik der Maxxer, desto stärker die Wirkung. Wer sich also duscht, wäscht nicht nur Schweiß ab, sondern gleich einen Teil seines biologischen Dating-Vorteils.
Begehrenswerter durch Schweiß
Das ist natürlich nicht wissenschaftlich belegt. Bei Tieren können die Pheromone Paarungsverhalten, Revierverhalten oder andere Reaktionen innerhalb einer Art auslösen. Beim Menschen ist die Sache aber weitaus komplexer. Zwar gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass Körpergerüche soziale und emotionale Informationen transportieren können. Einen einzelnen Stoff, der beim Menschen eindeutig als Sexualpheromon identifiziert wurde, gibt es allerdings bis heute nicht.
Woher der Mythos kommt, dass "schweißelnde" Männer, gut beim anderen Geschlecht ankommen? Das könnte von einer Studie aus den 1990ern stammen. In der „Sweaty T-Shirt Study" trugen Männer mehrere Nächte lang T-Shirts, die anschließend von Frauen bewertet wurden. Die ursprüngliche Untersuchung deutete darauf hin, dass Frauen den Geruch bestimmter Männer bevorzugen könnten. Spätere Studien konnten diese Ergebnisse jedoch nicht bestätigen.
Denn Schweiß ist nicht automatisch ein Aphrodisiakum. Der typische Achselgeruch entsteht unter anderem dadurch, dass Bakterien auf der Haut Bestandteile des Schweißes und anderer Sekrete abbauen. Dabei entstehen verschiedene Duftstoffe. Wie diese wahrgenommen werden, hängt von zahlreichen Faktoren ab.
Alles wird verbessert
Pheromone-Maxxing ist ein neuer Ableger des Looksmaxxing. Bei dieser Online-Bewegung versuchen vor allem junge Männer, ihre Attraktivität systematisch zu optimieren: sei es durch Muskelaufbau, intensive Hautpflege, gesunde Ernährung, Frisuren oder verschiedene Tricks zur Veränderung des eigenen Erscheinungsbilds. Und jetzt eben der Körpergeruch.
NDer eigene "Musk", also Körperduft, soll nicht länger etwas sein, das man versteckt, sondern etwas, das man beim Dating bewusst einsetzt. Ganz neu ist die Vorstellung allerdings nicht. Die Parfumindustrie verkauft seit Jahrzehnten Produkte, die mit angeblichen "Pheromonen" eine erhöhte sexuelle Anziehung versprechen. Neu ist aber die Ausprägung: in manchen Fällen trinken die "Pheromone-Maxxer" ihren eigenen Urin. Warum? Dadurch würden bestimmte Stoffe oder "Toxine" wieder in den Körper gelangen und anschließend über Schweiß und Körpergeruch abgegeben, wodurch man angeblich mehr Pheromone ausstoße.
Dass die Dusche und das Deo beim Dating im Weg stehen – das hätte man sich wohl auch nie gedacht. (Kevin Recher, 1.9.2026)
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