"Wie beim Fußballtrainer": Söder äußert sich zu Merz' verunglücktem Kabinettswechsel
"Das ist wie beim Fußballtrainer"
Söder äußert sich zu Merz' verunglücktem Kabinettswechsel
Von dpa, reuters, t-online, job
26.07.2026 - 16:46 UhrLesedauer: 4 Min.
Chaos bei der Regierungsumbildung? Markus Söder verteidigt im Sommerinterview den Bundeskanzler, spricht sich für eine bayerische Bundespräsidentin aus – und äußert sich zur eigenen Zukunft.
CSU-Chef Markus Söder sieht die Verantwortung für die aktuellen Probleme bei der Umbildung des Bundeskabinetts nicht bei Kanzler Friedrich Merz (CDU). "Wenn man mit jemandem am Abend ausmacht, dass er kommt, und dann in der Früh um 4.00 Uhr hört, dass es nicht klappt, das macht es manchmal nicht leichter. Da liegt also die Verantwortung sicher nicht beim Bundeskanzler", sagte der bayerische Ministerpräsident im ZDF-Sommerinterview. Das hätte sich "der Kollege" vorher überlegen sollen.
Söder reagierte damit auf die Vorgänge rund um die Besetzung des Verkehrsministeriums. Merz möchte im Zuge der Neuaufstellung des Kabinetts seinen Parteifreund Patrick Schnieder als Verkehrsminister entlassen. Das teilte Schnieder selbst einigen Bundestagsabgeordneten Freitagfrüh bereits per SMS mit. Doch ist es bisher nicht dazu gekommen, der als Nachfolger vorgesehene CDU-Finanzexperte Fritz Güntzler sagte dem Kanzler kurzfristig ab. An Merz' Vorgehen hatte es in der Union energische Kritik gegeben, Unionspolitiker zeigten sich wegen des "Chaos" entsetzt und kritisierten auch den Umgang mit Schnieder.
Söder nannte Merz' Entscheidung "angemessen", das Kabinett nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) größer umzubauen. "Der Bundeskanzler muss Entscheidungen treffen, die sind gar nicht leicht", sagte Söder. "Das ist wie beim Fußballtrainer, der muss ein- und auswechseln." Die bisher bekannten Personalwechsel – Nina Warken wird neue Kanzleramtschefin, Carsten Linnemann Gesundheitsminister und Thorsten Frei Unionsfraktionschef – nannte Söder "sehr gut".
Söder widerspricht Kretschmer bei AfD
Markus Söder lehnte im Sommerinterview weiterhin jegliche Zusammenarbeit mit der AfD ab und widersprach damit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Der hatte angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse im Osten Deutschlands eine Bereitschaft zu Gesprächen mit allen Parteien gefordert.
Söder sagte nun, dies "würde zu einer massiven Spaltung der Union führen am Ende". Die Union dürfe nicht "eine Art Steigbügelhalter" werden und der AfD den Weg zur Macht ebnen. "Ich beteilige mich da nicht dran. Ich bin da dagegen, grundlegend. Ich glaube, wir müssen Politik für Demokratie, Politik in der Mitte machen. Und deswegen gehört die AfD nicht dazu." Die AfD habe "sehr brutal" erklärt, sie wolle die Union aus dem Amt jagen, die Union sei der Hauptfeind, sagte Söder. "Da passieren Sachen und Worte fallen, die sind jenseits dessen, was demokratische Kultur ist."
Kretschmer hatte hingegen dem "Handelsblatt" gesagt: "Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt." Söder sagte auf Nachfrage, er vermute, dass Aussagen wie die von Kretschmer viele Menschen verunsichern würden. Mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im Osten Deutschlands warb Söder dafür, dass die CDU dort weiter ohne die AfD regiere.
Söder: Aigner "sehr gute"Bundespräsidentin
Söder bezeichnete im Sommerinterview die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als "sehr gute Kandidatin" für das Amt der Bundespräsidentin. "Sie würde auch für Deutschland was bringen." Söder betonte, dass er weiter davon ausgehe, dass das Amt künftig erstmals von einer Frau besetzt werde. Daran ändere auch die Ernennung von Nina Warken zur Kanzleramtschefin nichts. Warken übernehme eine zwar wichtige, aber nicht sehr sichtbare Aufgabe.
Auch in der CDU gebe es mögliche Bewerberinnen, räumte Söder ein. "Wir werden einen Vorschlag machen, der muss dann aber auch mit der SPD besprochen werden." Es habe ihn gefreut, dass die SPD schon positiv auf den Namen Aigner reagiert habe.
Söder will 2028 erneut antreten
Bayerns Ministerpräsident äußerte sich im Sommerinterview auch zu seiner eigenen politischen Zukunft und wies Kritik an seiner Person zurück. Auf die Frage, ob er 2028 erneut als Spitzenkandidat der CSU bei der Landtagswahl antrete, sagte Söder: "Wenn die Partei und die Wähler das wollen, ja gerne."
Söder bestritt den Eindruck, dass die CSU eine herbe Schlappe bei den Kommunalwahlen habe einstecken müssen. Es stimme, dass man in einigen Landkreisen verloren habe. Aber die CSU habe insgesamt das gleiche Ergebnis wie bei den letzten Wahlen erzielt und einige Städte überraschend dazugewonnen, sagte Söder. Die CSU sei wahrscheinlich derzeit die stärkste politische Kraft im demokratischen Spektrum überhaupt.
Söder räumte zwar Verunsicherung ein, sagte aber auch, er selbst werde als der Einzige gesehen, "der auch in Bayern das Ganze wirklich so stark zusammenhalten kann". Das tue er "mit einem klaren Rückgrat und einer klaren Kontur".
Nach den Kommunalwahlen hatte es deutliche Kritik an Söder auch aus den eigenen Reihen gegeben. Es gibt zudem ein von der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) angestoßenes Volksbegehren in Bayern, um die Amtszeit von Ministerpräsidenten auf zwei Amtszeiten zu begrenzen. Söder ist schon seit 2018 im Amt. Sollte das Volksbegehren erfolgreich sein, käme es nach der bayerischen Landesverfassung zu einem verbindlichen Volksentscheid. Söder hatte sich früher selbst für eine Amtszeitbegrenzung ausgesprochen – tut das jetzt allerdings nicht mehr.