Mayr von der Landwirtschaftskammer: "Wir brauchen jetzt diese Preissteigerungen"


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Mayr von der Landwirtschaftskammer: "Wir brauchen jetzt diese Preissteigerungen"

Lorenz Mayr von der Landwirtschaftskammer NÖ sieht im "ZiB 2"-Interview die Bauern als Hauptbetroffene des Klimawandels. Er fordert wegen der Dürre kurzfristige Hilfen

Oliver Mark

Wien – "Guten Abend, Herr Wolf." Nachdem Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) auch am Mittwoch nicht ins Studio der ZiB 2 kommen konnte oder wollte, kommen die Begrüßungsworte von seinem Parteifreund Lorenz Mayr, seines Zeichens Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Zu besprechen gibt es genug, denn: Die Dürre führt in der Landwirtschaft zu massiven Ernteausfällen. Alleine beim Getreide sind es im Schnitt 20 Prozent, in der Ostregion sogar noch viel mehr. Es geht um Existenzen.

Mayr sprach im Interview mit Armin Wolf von "70 bis 80 Prozent" weniger Ertrag. Die größten Sorgenkinder sind aber die "Kulturen, die jetzt draußen sind". So drohen bei Mais, Kürbis oder Soja Einbußen von 70 bis 80 Prozent. Sogar Totalausfälle seien möglich. Und trotzdem: Die Lebensmittelversorgung in Österreich steht auf soliden Beinen, betonte er. Den Preis für Missernten werden aber auch die Konsumentinnen und Konsumenten zahlen – in Form von höheren Lebensmittelpreisen. Die Ausfälle, etwa bei Erdäpfeln im Bereich von zwei Dritteln, müssten kompensiert werden. "Wir brauchen jetzt diese Preissteigerungen", sagte Mayr.

500 Millionen Euro?

Unter der Dürre leiden alle landwirtschaftlichen Bereiche. Aufgrund des Wassermangels müssten die Kühe von den Almen geholt werden. Da bei vielen Betrieben das notwendige Futter fehle, müssten die Tiere frühzeitig zu den Schlachthöfen. Österreichs Milchbauern fordern eine Dürre-Ausgleichszahlung von 300 Euro pro Kuh aus dem Katastrophenfonds. Bei 1,8 Millionen Kühen in Österreich wären das mehr als 500 Millionen Euro, rechnet Armin Wolf vor und fragt: "Wo soll die Regierung die hernehmen?" Konkret auf die Summe möchte Mayr nicht eingehen, er spricht nur allgemein von "Dürrepaketen", die es zu schnüren gelte.

Die Bäuerinnen und Bauern sind die Hauptbetroffenen des Klimawandels, sagte Mayr. Die Landwirtschaft versuche, sich anzupassen, indem etwa "klimaangepasste Sorten" angebaut werden. Es werde notwendig werden, Wasser in die trockenen Regionen zu bringen. "Denn der Osten ist für zwei Drittel der Getreideversorgung" sowie für "70 bis 80 Prozent der Gemüseversorgung" in Österreich zuständig. Die schnelle Antwort auf die Krise seien Dürrekredite, um die Liquidität der Betriebe zu sichern, langfristig müsse die Wasserinfrastruktur ausgebaut werden.

Wo bleibt der Druck für Klimaschutz?

Armin Wolf konfrontiert Mayr damit, dass seine Partei, die ÖVP, sowie der Bauernbund bei Klimaschutzmaßnahmen ordentlich auf der Bremse stehen, obwohl der Klimawandel selbst als große Herausforderung gesehen wird. "Wir sind die Hauptbetroffenen", betonte Mayr und sprach von Verhandlungen mit der Politik über finanzielle Hilfen. "Das hat aber wenig mit dem Klimaschutz zu tun", wandte Wolf ein und fragte, ob nicht die Landwirtschaftskammer und der Bauernbund gemeinsam mit den Grünen Druck für mehr Klimaschutz machen müssten? Dass Mayr kein "Ja, natürlich" über die Lippen kam, ist schade, war aber klar.

Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, sitzt im Studio der
Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, warnt vor massiven Ernteausfällen durch Hitze und Dürre.

Wolf brachte noch Maßnahmen wie Renaturierung, Agrardiesel oder Dieselprivileg ins Spiel, was Mayr mit dem Hinweis auf die schweren Geräte wie Traktoren oder Mähdrescher abschmetterte, die hohen Energieaufwand verursachen. "Da brauchen wir diesen Diesel." Mayr wollte lieber davon reden, dass die Betriebe bei Photovoltaik und der "Elektrifizierung" große Schritte gegangen seien. "Und wirklich. Ich sehe uns Bäuerinnen und Bauern hier als große Chance und als große Lösung im Kampf gegen den Klimawandel." Denn: Sie seien für die Versorgung der Österreicherinnen und Österreicher mit Lebensmitteln verantwortlich. "Wir sind die ersten Hauptbetroffenen, die den Klimawandel spüren."

Na dann, auf die Barrikaden, könnte man meinen. Aber: Bis die Landwirtschaftskammer und der Bauernbund die Bäuerinnen und Bauern mit ihren Traktoren vor das Parlament schicken, um von der ÖVP mehr Maßnahmen für Klimaschutz zu fordern, dürfte es wohl noch dauern. Obwohl man im selben Boot sitzt. (Oliver Mark, 6.8.2026)

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