SPD-Ergebnis in Mecklenburg-Vopommern: Wo Schwesigs Anti-Blau-Kurs verfing – und wo nicht


Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt: Wo es für Schwesig einen AfD-Dämpfer gab

Stand: 21.09.2026, 14:05 Uhr

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Die SPD muss sich in Mecklenburg-Vorpommern der AfD geschlagen geben. Daten zeigen, wo Schwesigs Kurs verfing und wo nicht.

Schwerin – Manuela Schwesig zeigte sich zufrieden. „Was für eine Aufholjagd“, sagte die Ministerpräsidentin hörbar erleichtert auf der SPD-Wahlparty in Schwerin. Zwar wurden die Sozialdemokraten bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern nur zweitstärkste Kraft. Doch dass eine Alleinregierung der AfD nicht zustande kommt, verbuchte Schwesig trotz der Verluste ihrer Partei als großen Erfolg.

Manuela Schwesig spricht bei der Wahlparty der SPD in der Orangerie im Schweriner Schloss.

Manuela Schwesig kann nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern voraussichtlich Ministerpräsidentin bleiben.  © Bernd Wüstneck/dpa

Als „die Frau gegen Blau“ machte es sich die oft in Rot gekleidete Schwesig im Wahlkampf zum Hauptziel, die AfD zu stoppen und eine absolute Mehrheit zu verhindern. Das ist aus ihrer Sicht „gelungen“ – trotz einer „Landtagswahl in schwierigen Zeiten, mit ziemlich viel Gegenwind aus dem Bund, einer erstarkten, in Teilen rechtsextremistischen AfD“, wie sie sagte.

Warum reichte es für Schwesigs SPD bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern nicht zum Sieg?

Dennoch hat es für die SPD nicht ganz zum Sieg bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern gereicht. Die Datenanalysen von Infratest dimap und der Forschungsgruppe Wahlen machen deutlich, wieso sich die SPD am Ende der AfD geschlagen geben musste.

So zeigt sich, dass Schwesig mit ihrer Anti-AfD-Kampagne in erster Linie Wählerinnen und Wähler von der CDU, den Linken und der FDP abgezogen, aber dennoch viele an die AfD verloren hat. Demnach sind etwa 48.000 Stimmen von der SPD zur AfD gewandert. Dazu verlor Schwesig noch 12.000 Stimmen an das BSW.

Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Wahlverhalten nach Beruf, Alter und Geschlecht

Die Alternative für Deutschland hat hingegen bei Arbeiterinnen und Arbeitern deutlich zulegen können und kommt auf eine deutlich höhere Zustimmung als die SPD. Auch bei den Angestellten und Selbstständigen holte die AfD die meisten Stimmen, wie ein Blick auf die Tabelle zeigt (erster Wert: Infratest, zweiter Wert: FG Wahlen):

TätigkeitAfDSPD
Arbeiter/Arbeiterinnen52 % / 44 %27 % / 35 %
Angestellte43 % / 36 %29 % / 36 %
Selbstständige47 % / 39 %19 % / 27 %

Die Datenanalysen zeigen auch, dass die Älteren das AfD-Ergebnis ein wenig ausbremsen – wie schon in Sachsen-Anhalt. Infratest dimap und die Forschungsgruppe Wahlen teilen die Altersgruppen zwar unterschiedlich ein, die Tendenz ist aber in beiden Fällen eindeutig. Hier ein Blick auf die Zahlen, zuerst Infratest, danach FG‑Wahlen:

AltersgruppeAfDSPD
16 bis 24 Jahre36 %22 %
25 bis 34 Jahre32 %24 %
35 bis 44 Jahre46 %28 %
45 bis 59 Jahre47 %29 %
60 bis 69 Jahre41 %37 %
70 und älter26 %52 %
AltersgruppeAfDSPD
Bis 29 Jahre37 %22 %
30 bis 44 Jahre43 %28 %
45 bis 59 Jahre45 %31 %
Ab 60 Jahre32 %47 %

In allen Gruppen sieht man jedoch eines deutlich: Das Wahlverhalten von Männern und Frauen unterscheidet sich voneinander. Auch in Mecklenburg-Vorpommern erweist sich, dass die AfD bei Männern besser abschneidet als bei Frauen, bei denen die SPD stärkste Kraft wird. Allerdings konnte die Partei von Spitzenkandidat Leif-Erik Holm im Vergleich zur Landtagswahl 2021 bei beiden Geschlechtern stark zulegen (erster Wert: Infratest, zweiter Wert: FG Wahlen):

GeschlechtAfDSPD
Frauen33 % /33 %40 % / 39 %
Männer44 % /44 %30 % / 31 %

Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Schwesigs Abgrenzungskurs ist Dilemma für Bundes-SPD

Doch was bedeutet das Ergebnis der MV-Wahl 2026 für die SPD? Immerhin setzte Schwesig im Wahlkampf auch auf eine Abgrenzung zur Bundespolitik. Damit stellt sie die Bundes-SPD vor ein Dilemma, denn ihre Beliebtheit resultiert aus ihrer Distanz zur unbeliebten Bundesregierung und deren Reformkurs. Ko-Parteichef Lars Klingbeil meldete bereits Nachbesserungsbedarf beim Reformkurs an. Ob das reicht? Die Parteilinke würde Schwesig sicher gerne weiter oben sehen. Nicht auszuschließen ist, dass Schwesig ⁠beim regulären Parteitag Ende 2027 nach der Macht ​greift – und sich zur Kanzlerkandidatin erklärt. (Quellen: Infratest dimap, FG Wahlen, dpa, AFP, Reuters) (cs)