Wir brauchen mehr Klopp und weniger Nagelsmann“: Reiche fordert Aufbruch – während die Rentenreform ins Wanken gerät
„Mehr Klopp, weniger Nagelsmann“: Reiche dringt auf konsequenten Reformkurs
Stand: 25.09.2026, 22:11 Uhr
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Wirtschaftsforscher verdoppeln Wachstumsprognose auf 1,4 Prozent – doch Ministerin Reiche warnt: Ohne Reformen bleibt der Aufschwung ein Strohfeuer.
Berlin – Im Zuge ihrer Herbstprognose hoben führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumserwartung für das laufende Jahr am Donnerstag (24. September) deutlich an. Waren sie im Frühjahr noch von einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent ausgegangen, bezifferten sie es nun mit bis zu 1,4 Prozent auf mehr als das Doppelte. Für 2027 erwarten die Institute statt 0,9 Prozent ein Wachstum von 1,1 Prozent, für 2028 aber nur noch eine Zunahme des BIP von 0,4 Prozent.

Maßgeblich dafür verantwortlich seien die Ausgaben der Regierung für Verteidigung, Infrastruktur und Klima sowie ein starker Anstieg bei Exporten, hauptsächlich im verarbeitenden Gewerbe. Impulse hätten aber auch der weltweite KI-Boom und Probleme bei Wettbewerbern aus der Golfregion wegen des Iran-Kriegs gegeben. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nahm die zuversichtliche Herbstprognose nun zum Anlass, zu einer konsequenten Durchsetzung des von der schwarz-roten Regierungskoalition vereinbarten Reformkurses aufzurufen.
Ministerin Reiche will „dauerhaften, selbsttragenden Aufschwung“ nach positiver Konjunkturprognose
Der Rheinischen Post sagte Reiche, dass es hierzulande „dringend mehr private Investitionen“ benötige. „Deshalb müssen wir neben den staatlichen Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung und Klimaschutz auch die notwendigen Reformen voranbringen“, so die CDU-Politikerin weiter. Konkret nannte Reiche dabei die sozialen Sicherungssysteme, den Arbeitsmarkt und die Energiepreise.
„Die gute Nachricht ist: Wir kommen aus der Stagnationsphase raus“, sagte Reiche weiter. Die Wirtschaft wachse, die Auftragsbestände nähmen zu und die Stimmung in den Unternehmen verbessere sich. Das Wachstum beruhe allerdings vor allem auf zwei Faktoren, sagte sie. „Der Export zieht an, insbesondere in Europa, und die beiden großen Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung entfalten ihre Wirkung.“ Jetzt komme es darauf an, „aus diesen Impulsen einen dauerhaften, selbsttragenden Aufschwung zu machen“, so Reiche weiter.
Deutschland habe „schon oft bewiesen, dass es gestärkt aus Krisen hervorgehen kann“, betonte die CDU‑Politikerin. Ihr Bild für 2030 sei „ein Deutschland, das wieder zur Wachstumslokomotive Europas wird“. Sie wolle, dass in Deutschland „wieder eine Aufbruchstimmung entsteht, die Mut macht, zu investieren und Neues zu wagen“. „Oder, um es mit Blick auf den neuen Bundestrainer zu sagen: Wir brauchen mehr Klopp und weniger Nagelsmann.“
Wirtschaftsverbände warnen vor ausgebliebenen Investitionen von Unternehmensseite
Immer wieder wird das mangelnde Tempo bei der Umsetzung der anvisierten Reformen angeprangert. Vermutlich deshalb sah sich Kanzleramtschefin Nina Warken (CDU) jüngst bei einem Treffen mit den Wirtschaftsverbänden DIHK, BDA und BDI veranlasst, dies zu verteidigen – ebenso wie die Stabilität der Reformen. Es gibt keine Absage an diese Reformen“, machte die CDU-Politikerin der Tagesschau zufolge in Berlin deutlich. Sie seien auch nicht neu zu justieren. Deutschland brauche mutige und umfassende Reformen, die jetzt schnell umgesetzt würden.
Unterdessen machten die Wirtschaftsverbände ihrer Ungeduld Raum. DIHK-Präsident Peter Adrian bemängelte, Unternehmen hielten sich weiter mit Investitionen zurück. Das sei auf fehlendes Vertrauen in die Bedingungen des Wirtschaftsstandorts Deutschland zurückzuführen. Die Bundesregierung müsse den Reformkurs endlich in Gang setzen und dabei schneller und vor allem mutiger in Richtung „wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik“ werden.
Reformpläne besonders bei der Rente gerieten zuletzt immer mehr ins Wanken
Die Reformpläne der Bundesregierung waren zuletzt von mehreren Seiten angegriffen worden, vor allem der Koalitionspartner SPD forderte eine Kurskorrektur. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Rentenreform, die eigentlich auf Grundlage der 33 Vorschläge der Rentenkommission durchgeführt werden sollte, vorgebracht kurz vor der parlamentarischen Sommerpause. Dazu gehören der Einstieg in die Aktienrente, ein höheres Renteneintrittsalter und die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren („Rente mit 63“).
Vor allem die Abschaffung der Rente mit 63 zog zuletzt Zweifel und Kritik auf sich. Am Dienstagabend (22. September) kamen Spitzenvertreter der Regierungskoalition in einem laut ARD als vertraulich eingestuften Treffen wegen eines „enormen Gesprächs- und Aussprachebedarfs“ zusammen, wie der Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei (CDU) der Tagesschau sagte. Auf die Rentenreform angesprochen, machte Frei deutlich, es blieben „einzelne Fragen offen, die ausformuliert werden müssen“. (Verwendete Quellen: Rheinische Post, Tagesschau) (fh)