Mercedes 280 SL seit 30 Jahren in Familienbesitz – nur 8000 Kilometer gefahren


Stand: 09.08.2026, 17:00 Uhr

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Thomas Wollschläger holt seinen Mercedes 280 SL nur bei gutem Wetter aus der Garage

Thomas Wollschläger holt seinen Mercedes 280 SL nur bei gutem Wetter aus der Garage. © Markus Liesegang

Thomas Wollschläger aus Hamm fährt seinen Mercedes 280 SL seit bald 30 Jahren. In dieser Zeit legte das Cabrio gerade einmal 8000 Kilometer zurück.

Hamm – „Das ist ein echtes Hammer Auto“, sagt Thomas Wollschläger über seinen Mercedes 280 SL. Gekauft hat ihn 1980 der Hammer Möbelhändler Hübner (Rüther & Hübner) bei Scheffel & Geisthoff. „Ich habe ihn vor bald 30 Jahren von seinem Sohn übernommen“, erzählt der Chauffeur der ersten Stunde bei „Hamm Erfahren“.

Thomas Wollschläger packt ein - per Hand. Das Stoffverdeck des Mercedes 280 SL verschwindet unter einem Blech

Thomas Wollschläger packt ein – per Hand. Das Stoffverdeck des Mercedes 280 SL verschwindet unter einem Blech. © Markus Liesegang

Fast alles an dem Cabrio in Gold Metallic ist original. „Den Auspuff habe ich durch einen aus Edelstahl ersetzt“, berichtet er. Das Verdeck aus dickem Stoff ist ebenfalls neu und, anders als das teils verschlissene Original, grün. Der Sattler habe diese Farbe empfohlen, da sie besser zu den Ledersitzen im gleichen Farbton passe als das ursprüngliche Schwarz.

„Ich war schon in der Schule als Schrauber bekannt“, ist Wollschläger zu Recht stolz auf sein handwerkliches Geschick. Angefangen habe diese Karriere mit einer damals begehrten Solex 6000. Die entdeckte der Schüler des Märkischen Gymnasiums beim Rundendrehen um den Teich im Ebertpark. „Da guckte der Lenker raus. Ich und mein Kumpel Goofy haben das Moped herausgezogen.“

Wollschläger zerlegte den Zweitakter zu Hause in Westtünnen komplett, setzte ihn wieder zusammen und brachte die Maschine zum Laufen. Den Treibstoff erarbeitete sich der Schüler unter anderem durch den Verkauf von Gebrauchtfahrrädern. „Ich habe 20 vom Schrott mitgenommen und aus den Teilen fünf fahrbereite Räder gemacht.“

Sechs Zylinder Reihenmotor mit Benzineinspritzung treibt den Mercedes auf über 200 km/h.

Sechs Zylinder Reihenmotor mit Benzineinspritzung treibt den Mercedes auf über 200 km/h. © Markus Liesegang

Als 17-Jähriger entdeckte er sein erstes Traumauto, einen VW Käfer. „Den kriegste nicht mehr in Gang“, meinte der Tankwart, der das Fahrzeug auf seinem Hof verkommen ließ. Natürlich schaffte es Wollschläger. Auch er suchte einige Zeit nach dem Fehler. „Der Käfer hatte einen Benzinhahn“, erzählt der glückliche Schüler. Unter dem Wagen fand er sogar noch einen Zehn-Mark-Schein für die erste Tankfüllung. Bei Nacht und Nebel ging es, begleitet von der Moped-Eskorte seines Kumpels Goofy und noch ohne Führerschein, heim Richtung Osten.

„Du wolltest doch immer einen 280 SL“, blickte Andrea Wollschläger im Jahr 1998 samstags von der Zeitung auf. Die Anzeige lockte den Ehemann und BMW-Sammler. Am Abend war das Auto gekauft, nur ein Garagenplatz fehlte noch für das Cabrio. Wollschläger ließ den Mercedes zunächst beim Vorbesitzer stehen und erweiterte sein Haus auf der anderen Seite um eine zweite Garage.

„Hamm erFahren“

Die touristische Tagesfahrt für historische Automobile und Motorräder startet am 30. August ab 10 Uhr auf dem Campus der Hochschule Hamm/Lippstadt an der Marker Allee. Die Teilnehmer erfüllen auf dem Weg zahlreiche Aufgaben und erhalten Punkte. Pokale werden in einzelnen Fahrzeugkategorien vergeben. Eine Siegerehrung findet gegen 18.15 Uhr am Startort statt. Der Spendenanteil der gemeinsamen Veranstaltung von Impuls, dem Förderverein des Christlichen Hospizes und dem 1. Oldtimer-Register Hamm fließt in die Arbeit des Hospiz Am Roten Läppchen in Heessen.

„58 000 Kilometer hatte der Wagen damals auf dem Tacho, heute sind es 66 000.“ Das Fahrzeug ist eines für Sonnenschein. Eine Hohlraumversiegelung gönnte er dem Klassiker, stellte die Ventile neu ein und dichtete den Zylinderkopfdeckel neu ab. „Auch die Inspektionen mache ich selbst“, betont der 68-jährige Ingenieur. „Damit ich dennoch den Stempel ins Buch bekomme, fahre ich nach Werl zu Dröge. Die machen dort den Ölwechsel und füllen das Inspektionsheft aus.“

Der Stern und echtes Chrom glitzert gut gepflegt

Der Stern und echtes Chrom glitzert gut gepflegt © Markus Liesegang

Auf eine vollständige Chronologie lege er großen Wert. Den Kaufvertrag von Hübner habe er ebenfalls noch. Dort ist vermerkt, dass der Wagen damals 46 390 D-Mark kostete, inklusive der Sonderausstattungen Automatik, Ledersitze und Leichtmetallfelgen. „Auch Radio und Antenne musste man damals extra bezahlen“, sagt Wollschläger erstaunt.

Im Handschuhfach des SL klebt immer noch die Signatur des Mercedes-Händlers Scheffel & Geisthoff. Ungewöhnlich, denn der Nachfolger Ostendorf aus Ahlen ist bereits seit 1968 Eigentümer der Hammer Vertretung. Den eigenen Namen tragen Verkaufsraum, Werkstatt und Verträge allerdings erst seit 1994, verrät HammWiki.

Zur Serienaustattung gehörte damals zwar kein Radio aber der Lackstift und ein Etui mit Erfrischungstüchern, Nähset und 4711.

Zur Serienaustattung gehörte damals zwar kein Radio aber der Lackstift und ein Etui mit Erfrischungstüchern, Nähset und 4711. © Markus Liesegang

Hinter der Klappe vor dem Beifahrersitz liegt ein Etui. Der Inhalt: Erfrischungstücher, ein Nähset und ein Flakon 4711. Der Lackstift zum Ausbessern kleiner Makel im Leder gehört ebenso zur Ausstattung wie handgenähte Überzieher für die Kunstleder-Kopfstützen, die Wollschläger auf dem Notsitz fand.

Der Mercedes hat eine Zukunft, heute im Hammer Osten. Er gehört zur Familiengeschichte. „Mein Sohn durfte ihn mit zehn Jahren waschen, davon gibt es noch ein Foto“, erzählt Wollschläger. „Letztes Jahr bin ich Opa geworden. Nun muss ich ihn mindestens noch neun Jahre behalten, bis Theo ihn waschen kann“, schließt er gedanklich den Kreis.

Der Enkel sei übrigens auch der Grund, warum er diesmal bei der Ausfahrt aussetzen werde. „Ich hatte schon das Ticket für Hamm erFahren. Aber Theos Eltern mussten die Geburtstagsfeier verschieben, und da muss ich natürlich hin.“