Mercedes besinnt sich auf den Taxistand – der Stern will zurück ins Geschäft
Jahrzehntelang prägten Mercedes-Taxis das deutsche Stadtbild. Nach Jahren der Zurückhaltung zeichnet sich nun ein Kurswechsel ab – ausgerechnet in dem Moment, in dem sich chinesische Hersteller wie BYD im Markt breitmachen. Das geht aus einem Bericht des Handelsblatts vom 17. August 2026 hervor. Demnach misst Mercedes-Benz dem Taxigeschäft offenbar wieder mehr Bedeutung bei: Insidern aus Konzern, Taxibranche und Autohandel zufolge erwägt der Stuttgarter Konzern, in den kommenden Jahren wieder verstärkt Fahrzeuge für die private Personenbeförderung in Deutschland zu verkaufen. Ein von der Zeitung zitierter Händler beschreibt es so, dass Mercedes die Tür zum Taxigeschäft wieder ein Stück weit geöffnet habe; ein Branchenkenner ergänzt, der Konzern habe erneut erkannt, dass der Taximarkt auch ein wichtiger Absatzkanal sei.

Vom Platzhirsch zum Bittsteller
Über Jahrzehnte war Mercedes Haus- und Hoflieferant der knapp 17.000 deutschen Taxiunternehmer. Vor einigen Jahren zog sich der Konzern jedoch wegen schwacher Margen weitgehend aus dem Werkstaxi-Geschäft zurück – sinkende Stückzahlen, der Bedeutungsverlust des Diesels und neue Anforderungen durch die Elektrifizierung machten speziell ausgestattete Taximodelle zunehmend unwirtschaftlich. Konzernchef Ola Källenius begründete den Rückzug mit der globalen Luxusstrategie, in die das margenschwache Massengeschäft nicht mehr passte.
Ganz verschwunden sind Mercedes-Fahrzeuge aus dem Gewerbe allerdings nie: Bestimmte Modelle lassen sich weiterhin mit einer elektrischen Vorrüstung bestellen, ehe externe Spezialbetriebe Taxameter, Dachzeichen, Notalarmanlage und weitere Pflichtausstattung nachrüsten. Anfang 2026 bestätigte ein Unternehmenssprecher noch einmal, dass an dieser Linie – kein ab Werk umgebautes Taxi mehr – festgehalten werde. Um die Nachfrage dennoch zu stützen, soll Mercedes im Januar laut dem Branchenmagazin „Taxi Times“ Rabatte von bis zu 24 Prozent gewährt haben.

Die Lücke, die BYD füllen will
In diese Lücke stößt vor allem BYD. Der chinesische Autobauer startete am 21. Juli 2026 eine bundesweite Taxi-Offensive und bindet erstmals vier externe Umrüstpartner direkt in den Vertrieb ein – von der Bestellung bis zum einsatzbereiten Fahrzeug aus einer Hand. Rund 100 Fahrzeuge standen zum Start bereit, Kernmodell ist der Plug-in-Hybrid Seal U DM-i, flankiert von hohen Rabatten und einem zeitlich begrenzten Gewerberabatt.
Wie ernst es BYD mit dem deutschen Markt meint, zeigen die Zahlen: Im ersten Quartal 2026 wurden nach Herstellerangaben 9.121 BYD-Fahrzeuge neu zugelassen – ein Plus von 644 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Marktanteil von 1,3 Prozent. Auch in Österreich ist der Konzern aktiv, seit Ende Januar in Kooperation mit Uber.
Ein Markt, der sich verändert hat
Ob BYD zur neuen dominierenden Taximarke in Deutschland wird, ist offen. Der Markt ist heute deutlich stärker aufgeteilt als zu Mercedes-Hochzeiten: Toyota konnte die Rückzugsjahre am stärksten nutzen, daneben bieten Volkswagen, Kia, Hyundai und weitere Hersteller umrüstbare Modelle an. Zudem sagt der Anschaffungspreis wenig über die Wirtschaftlichkeit im Dauerbetrieb aus – entscheidend sind auch Verbrauch, Wartung, Ausfallzeiten und Restwert; belastbare Langzeiterfahrungen mit BYD-Taxis fehlen bislang. Hinzu kommt regulatorischer Druck: In Hamburg werden seit 2025 nur noch lokal emissionsfreie Taxis neu konzessioniert – eine Hürde für reine Plug-in-Hybride.
Für Mercedes wäre eine Rückkehr in größerem Stil ein Signal an Handel und Taxibranche, das image- und mengenrelevante Geschäft nicht kampflos den chinesischen Wettbewerbern zu überlassen. Ob daraus mehr wird als punktuelle Rabattaktionen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.
Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG