Merz auf der Kippe?


Ein strauchelnder Merz in viel zu großen Schuhen – passend zu den Schlagzeilen, der Kanzler „verstolpert“ seine Regierungsumbildung. Oder ein Sketch von Loriot: Ein Mann betritt einen Raum, stört sich an einem schief hängenden Bild. Am Ende verwüstet er den ganzen Raum. Solche Memes sollen in CDU-internen Chatgruppen herumgeschickt worden sein. Das allein ist ein fatales Signal – dass es an die Öffentlichkeit dringt, macht die Lage noch prekärer.

Der Personalumbau hätte zum Neustart der Regierung werden sollen. Stattdessen löste Merz eine Vertrauenskrise in seiner Partei aus. „Arg empathielos“, „dilettantisch“: Selbst loyale CDU-Kollegen gingen mit scharfer Kritik ungehemmt an die Öffentlichkeit. Es ist Merz’ altbekanntes Problem: das fehlende Vertrauen seiner Partei in seine Führungsqualitäten. Für den Parteivorsitz benötigte er drei Kandidaturen und den Rückzug seiner ewigen Gegnerin Angela Merkel – zwischenzeitlich hatte er die Politik gegen einen sehr gut bezahlten Job in der Vermögensverwaltung getauscht; für seine Wahl zum Kanzler brauchte er ebenso zwei Versuche, nachdem ihm im Bundestag eigene Abgeordnete erst einmal die Stimme verweigert hatten.

Einen Sympathiebonus besitzt Merz nicht: Seine saloppen Schnellschüsse – „kleine Paschas“; Migranten, die „sich die Zähne machen lassen“; das schlechte „Stadtbild“ – ärgern auch viele in der CDU, wo die Aussagen erklärt werden müssten. Das gilt auch für seine Rolle als Außenkanzler: Den unzuverlässigen US-Präsidenten mitten im europäischen Zollstreit mit einem deutschen Fußballtrikot gnädig stimmen zu wollen, wirkte eher unbeholfen als staatsmännisch.

Maue Regierungsbilanz

Für die maue Regierungsbilanz von Union und SPD ist Merz nicht allein verantwortlich. Doch als Kanzler müsste er den Eindruck vermitteln, dass die Regierung weiß, was sie tut. Und als Parteichef müsste er interne Debatten zulassen, zugleich aber dafür sorgen, dass sie intern bleiben. Jetzt wird ihm vorgeworfen, er verwechsle Autorität mit autoritärem Handeln.

Ein freiwilliger Rücktritt kommt für das Alphatier Merz nicht infrage. Sein Glück sind die fehlenden personellen Alternativen: CSU-Chef Markus Söder, dem seine Ambitionen trotz aller Dementis nicht abzusprechen sind, ist für die CDU keine Option; Konkurrent Jens Spahn (vorerst) aus dem Rennen. Und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zieht einen Wahlsieg bei der Landtagswahl im Frühjahr einer Rettungsmission für die Bundespartei vor.

Denn die Krise ist nach der Sommerpause nicht vergessen: Der CDU drohen im September bei drei Wahlen in drei Bundesländern drei Niederlagen. Möglicherweise zu Große, als dass sie Merz überstehen könnte.

kurier.at, ek  |  02.08.2026, 18:00