„Gerechtigkeitsthema“: Koalition diskutiert Erhalt der „Rente mit 63“ – bis zu 47 Beitragsjahre angedacht
Merz-Regierung diskutiert jetzt neues Modell für Rente mit 63 – das sind die Punkte
Stand: 24.09.2026, 08:54 Uhr
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Zoff um die abschlagsfreie Frührente: Einigt sich die Koalition jetzt? Laut einem Bericht diskutiert Schwarz-Rot eine neue Bedingung.
Berlin – Union und SPD verhandeln aktuell weiter über die abschlagsfreie Frührente. Um das Modell im Kern zu erhalten, diskutieren die Koalitionspartner nach Informationen der Bild-Zeitung konkrete Anpassungen: Statt der bisherigen 45 Beitragsjahre sollen künftig 46 oder maximal 47 Jahre Voraussetzung sein.
Wer ohne finanzielle Einbußen vorzeitig in den Ruhestand gehen möchte, müsste laut diesem Entwurf bis zu zwei Jahre länger arbeiten. Zusätzlich wird debattiert, die Frühverrentung auf Berufsgruppen mit harter körperlicher Arbeit zu beschränken und die Anrechnung von Erziehungszeiten zu verkürzen.

Wirtschaftsweise bei „Lanz“: Rente mit 63 sei unsolidarisch gegenüber den Jüngeren
Aus der Wissenschaft kommt scharfe Kritik am Erhalt der Rente mit 63. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer bemängelte jüngst im ZDF-Talk „Markus Lanz“, der Staat verteile Gelder nicht zielgerichtet genug und finanziere damit Menschen, die darauf nicht angewiesen seien.
Die Ökonomin forderte die Regierung auf, an der kompletten Abschaffung der Regelung festzuhalten. Der frühere Renteneinstieg werde überdurchschnittlich oft von gesunden Menschen genutzt, die dann zwei Jahre länger Rente bezögen – zulasten der Beitragszahler. Schnitzer wertete als unsolidarisch gegenüber der jüngeren Generation.
Streit um Rente mit 63: Wirtschaftsministerin Reiche für komplette Abschaffung
Zustimmung für diese Position äußert die Vorsitzende der Rentenkommission, Constanze Janda. Gegenüber dem Tagesspiegel verteidigte sie die Streichung der Frührente als essenziell. „Sie ist wirklich zentral, weil diese Rentenart jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe mit sich bringt und das Geld dringend anderweitig gebraucht wird“, betonte die Rechtswissenschaftlerin.
Janda verwies – wie viele andere – zudem auf eine soziale Unwucht der Regelung: Aktuell finanziere der Dachdecker de facto den früheren Ruhestand gut situierter Büroangestellter mit. Auch Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) forderte vehement, das Paket der Rentenkommission inklusive aller 33 Maßnahmen vollständig und ohne Ausnahmen umzusetzen.
Rente mit 63: Jährlich verlassen 280.000 Fachkräfte den Arbeitsmarkt
Die politische Bedeutung der Maßnahme reicht weit über die reine Rentenfinanzierung hinaus. Ökonomen warnen eindringlich davor, die bestehenden Reformpläne aufzuweichen, schreibt etwa die Welt: Jährlich verabschiedeten sich rund 250.000 bis 280.000 Menschen über diesen Weg in den Ruhestand.
Dies entziehe dem stark unter Druck stehenden Arbeitsmarkt wertvolle Fachkräfte. Für den Rentenexperten Axel Börsch-Supan sei die Debatte inzwischen „zum Symbol für die Reformfähigkeit Deutschlands geworden“.
„Härtefälle ja, Regelfälle nein“: CSU und SPD im Clinch um Rente mit 63
Dennoch hat sich die Bundesregierung offenbar verhakt. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann zog eine klare Grenze für seine Partei: „Wir haben in der Koalition eine klare Vereinbarung: Härtefälle ja, Regelfälle nein“, sagte er der Bild.
Die SPD lehnt eine Verschärfung hingegen strikt ab. Vize-Parteichef Alexander Schweitzer schloss Kompromisse, auch bei Übergangsfristen, aus: „Wer lange arbeitet, muss mehr haben als der, der nicht so lange gearbeitet hat“, sagte er dem RND.
Dies sei keine Fürsorge, sondern schlicht „Leistungsgerechtigkeit“. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sekundiert, der Rentenanspruch nach 45 Jahren bleibe ein „elementares Gerechtigkeitsthema“. (Quellen: Bild, Welt, dpa, vorherige Berichterstattung) (frs)