Merz schließt KI-Pakt mit Nvidia – doch 57 Prozent der Firmen erwarten Jobabbau


Stand: 20.10.2026, 08:21 Uhr

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Merz vereinbart eine KI-Partnerschaft mit Nvidia. Was bedeutet der Deal für die deutsche Industrie, den Mittelstand und die Arbeitsplätze?

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt bei der Modernisierung der deutschen Industrie auf einen der mächtigsten Technologiekonzerne der Welt. Gemeinsam mit Nvidia-Chef Jensen Huang stellte er am Dienstag (19.10.) zum Auftakt des Investitionsgipfels in Berlin eine engere Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz (KI) vor.

Der US-Konzern will seine Technologie künftig noch stärker in der deutschen Wirtschaft zum Einsatz bringen. Geplant sind unter anderem KI-Anwendungen für Fabriken, Roboter und die Automobilindustrie. Auch der Mittelstand soll profitieren.

Bundeskanzler Friedrich Merz (l.) und Nvidia-Chef Jensen Huang beim Investitionsgipfel in Berlin. Deutschland und der US-Technologiekonzern wollen ihre Zusammenarbeit bei industrieller Künstlicher Intelligenz ausbauen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (l.) und Nvidia-Chef Jensen Huang beim Investitionsgipfel in Berlin. Deutschland und der US-Technologiekonzern wollen ihre Zusammenarbeit bei industrieller Künstlicher Intelligenz ausbauen. © Fabian Sommer/dpa

Merz vereinbart KI-Partnerschaft mit Nvidia

Konkret haben das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesforschungsministerium eine gemeinsame Absichtserklärung mit Nvidia unterzeichnet. Ziel ist es, die Entwicklung und Nutzung sogenannter „Physical AI“ voranzutreiben.

Dahinter steckt Künstliche Intelligenz, die nicht nur Texte oder Bilder erzeugt, sondern mit der physischen Welt interagiert. Roboter können dadurch beispielsweise komplexe Arbeitsabläufe erlernen, Maschinen Produktionsprozesse selbstständig optimieren und Fahrzeuge ihre Umgebung besser erfassen.

Deutschland bringt dafür einen entscheidenden Vorteil mit: die umfangreichen Daten und das technische Wissen seiner Industrieunternehmen. Nvidia liefert die nötige KI-Technologie und Rechenleistung.

Merz forderte die Unternehmen bei seinem gemeinsamen Auftritt mit Huang auf, ihre vorhandenen Daten stärker für KI-Anwendungen nutzbar zu machen. Gerade im deutschen Mittelstand sieht der Kanzler erhebliches Potenzial.

Die Bundesregierung will dafür unter anderem die bestehende „Plattform Industrie 4.0“ nutzen, in der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verbände zusammenarbeiten.

Nvidia investiert in vier deutsche Unternehmen

Die Zusammenarbeit bleibt nicht auf politische Absichtserklärungen beschränkt. Nvidia kündigte am Montag weitere geplante Beteiligungen an vier deutschen Technologieunternehmen an.

Dazu gehören der Münchner Robotikspezialist Agile Robots, das ebenfalls in München ansässige Softwareunternehmen Avelios Medical, der KI-Entwickler Mirelo und das Berliner Raumfahrtunternehmen Reflex Aerospace.

Die Unternehmen arbeiten an sehr unterschiedlichen Technologien: von intelligenten Industrierobotern über digitale Systeme für Krankenhäuser bis zur automatisierten Erzeugung von Ton und der Entwicklung von Satelliten.

Konkrete Beträge für die vier neuen Beteiligungen nannte Nvidia zunächst nicht. Die Investitionen sind Teil eines umfassenderen Engagements des Konzerns in Europa, für das Nvidia nach eigenen Angaben annähernd zehn Milliarden US-Dollar zugesagt hat.

Nach Angaben von Huang hat Nvidia bereits im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Dollar in Deutschland investiert. Die jetzt vereinbarte Zusammenarbeit baut damit auf bestehenden Geschäftsbeziehungen auf.

Auch die industrielle Kooperation hat eine Vorgeschichte. Bereits im Juni 2025 hatte die Bundesregierung mit Nvidia Pläne für den Aufbau einer sogenannten Industrial AI Cloud in Deutschland vorgestellt.

Siemens zeigt, wie KI deutsche Fabriken verändern soll

Wie sich die Technologie konkret einsetzen lässt, zeigt eine Zusammenarbeit zwischen Nvidia und Siemens.

Der Münchner Industriekonzern stellte am Montag neue KI-Anwendungen für sein Elektronikwerk im fränkischen Erlangen vor. Mithilfe digitaler Abbilder von Produktionsanlagen lassen sich Fertigungsprozesse zunächst virtuell erproben und verbessern.

Nach Angaben von Siemens kann dadurch der technische Aufwand beim Hochfahren neuer Produktionsabläufe um bis zu 85 Prozent sinken. Eine KI-gestützte Produktionsplanung soll zudem Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent ermöglichen.

Solche Anwendungen könnten für deutsche Industrieunternehmen von erheblicher Bedeutung sein. Angesichts hoher Kosten und internationaler Konkurrenz stehen insbesondere Automobilhersteller, Maschinenbauer und Zulieferer unter Druck, produktiver zu werden.

Allerdings zeigen die Beispiele auch, dass Unternehmen mit KI künftig bestimmte Aufgaben mit deutlich weniger Aufwand erledigen können.

Mehrheit der Unternehmen erwartet durch KI weniger Beschäftigte

Welche Folgen das für Arbeitnehmer haben könnte, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Digitalverbands Bitkom.

Demnach rechnen 57 Prozent der befragten Unternehmen damit, dass die Zahl ihrer Beschäftigten in den kommenden zwei Jahren durch den Einsatz von KI zurückgehen wird. 45 Prozent erwarten einen leichten, weitere zwölf Prozent einen deutlichen Rückgang. Lediglich 14 Prozent gehen von einem Beschäftigungszuwachs aus.

Dabei handelt es sich um Erwartungen der Unternehmen, nicht um bereits eingetretenen Stellenabbau. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von 603 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten aus dem Sommer 2026.

Zugleich verbreitet sich die Technologie immer schneller. Inzwischen nutzen 57 Prozent der befragten Unternehmen KI, nach 36 Prozent im Vorjahr. Zwei Drittel der Anwender berichten, ihre Wettbewerbsposition dadurch verbessert zu haben.

Für Arbeitnehmer bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ihre Arbeitsplätze gefährdet sind. KI kann Unternehmen wirtschaftlich stärken und damit auch bestehende Beschäftigung sichern. Gleichzeitig dürften sich Tätigkeiten verändern, wenn Maschinen und Software zunehmend Aufgaben übernehmen.

Wie wichtig Weiterbildung wird, zeigt eine weitere Zahl aus der Bitkom-Erhebung: 70 Prozent der befragten Unternehmen bieten inzwischen KI-Schulungen für Beschäftigte an. Ein Viertel verzichtet allerdings noch vollständig darauf. (Quellen: Bundesregierung, Nvidia, Siemens, Bitkom) (mare)