Meta schaltet tausende Kameras von Datenbrillen ab
Gesundheitsprojekt
Meta schaltet tausende Kameras von Datenbrillen ab
Nach Vorwürfen von Belästigung und manipulierten Aufnahme-LEDs zieht der Konzern die Notbremse und deaktiviert verdächtige Kameras via Update
Alexander Amon
Überwachung und gezielte Belästigung: Die Vorwürfe, die sich Meta für seine smarten Brillen in den vergangenen Wochen anhören musste, wiegen schwer. Zurecht, betonen Datenschützer und Überwachungsforscher unisono. Eine aktuelle Studie zeigte zudem eindrücklich, wie die Kameras bereits gezielt zum Belästigen von Frauen eingesetzt wurden.
Vor allem die Möglichkeit, das Aufnahmelicht zu deaktivieren, sorgte für Entrüstung. Spät, aber doch reagierte Mark Zuckerberg: Auf tausenden Meta Glasses wurden aus der Ferne die Kameras deaktiviert, sobald der Verdacht bestand, dass die LED-Anzeige manipuliert wurde. Dafür reichte ein Software-Update, das erkennt, ob die LED verdeckt oder beschädigt ist.
Starke Nachfrage
Metas Vice President of Wearables, Alex Himel, verglich die Situation im Gespräch mit der Nachrichtenseite Semafor mit einem "Katz-und-Maus-Spiel". Es gebe immer neue Wege, Schutzmaßnahmen zu umgehen: "Wir werden die Lage also weiterhin beobachten und unsere Maßnahmen stetig weiterentwickeln."
Allein 2025 hat Meta über sieben Millionen Brillen verkauft; insgesamt sollen bereits rund neun Millionen Stück über den Ladentisch gegangen sein – Tendenz stark steigend. Negative Schlagzeilen sind allerdings Gift für das wachsende Geschäft. Erste Unternehmen verbieten die Brillen in ihren Gebäuden bereits, um Betriebsgeheimnisse und Mitarbeiter zu schützen.
Medizinisches Hilfsmittel
Als Marktführer bemüht sich Meta daher sichtlich um positive Narrative. Kürzlich spendete der Konzern 130.000 Brillen an blinde US-Veteranen. Die Argumentation: Die Technik erleichtere den Alltag Betroffener enorm – etwa beim Vorlesen von Speisekarten oder der Orientierung im Straßenverkehr.
Himel erklärte, man sei deshalb "sehr daran interessiert", die Datenbrille von den US-Behörden als medizinisches Hilfsmittel anerkennen zu lassen. Damit stünde die Tür für eine Kostenübernahme durch staatliche US-Gesundheitsprogramme wie Medicare (für Senioren und Menschen mit Behinderung) oder Medicaid (für Einkommensschwache) offen.
Paranoide Grundstimmung
"Diese Technologie tut etwas, das unserer demokratischen Gesellschaft grundsätzlich widerspricht. Sie beobachtet und kontrolliert permanent. Und zwar, ohne dass Menschen das wissen oder dem zustimmen können. Das verschiebt Machtverhältnisse und verletzt das Recht auf Privatsphäre."
So ordnete der österreichische Wissenschaftsforscher Stefan Strauß vor wenigen Tagen die Meta Glasses im Gespräch mit dem STANDARD ein. Die Brillen würden im "Konflikt mit unseren Grundrechten" stehen und langfristig eine "paranoide Grundstimmung" erzeugen.
Dauerüberwachung darf es nicht geben, auch, beziehungsweise schon gar nicht von einem privaten Unternehmen wie Meta. Nachdem aktuell aber auch Google, Apple, Samsung und andere an der Idee einer smarten Brille mit verbauter Kamera arbeiten, wird es eine formulierte Lösung von Regierungen brauchen. Auf Kritik von Datenschützern oder Einzelpersonen reagieren Tech-Konzerne, so hat die Vergangenheit gezeigt, spät oder vielleicht gar nicht. (Alexander Amon, 5.9.2026)
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