Miete rauf, Heizung aus: Frust bei Gewobag-Mietern in Spandau
Während draußen die Temperaturen sinken, wächst bei Morten B. der Frust. Der 45-Jährige lebt seit 2010 in einer Wohnung in der Obstallee in Berlin-Spandau. Seit Wochen gibt es nach seinen Angaben Probleme mit der Heizung. Mehrfach habe er versucht, sich bei der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag zu beschweren – bislang ohne den erhofften Erfolg, wie er der Berliner Zeitung erzählt.
Besonders ärgerlich ist für ihn, dass neben den Heizungsproblemen auch die Mietkosten steigen. Warum sollen die Bewohner mehr für ihre Wohnungen bezahlen, wenn sie nicht einmal sicher sein können, dass diese ausreichend beheizt werden?
Wohnungsmarkt
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Schimmel in den Wohnungen
„Die Heizung müsste laut Vorgaben bei einer Außentemperatur zwischen 13 und 15 Grad eingeschaltet werden. Doch genau das passiert hier nicht“, kritisiert der Berliner.
Nach Angaben von Morten B. erhalten die Mieter immer wieder unterschiedliche Informationen über die Ursache des Heizungsausfalls. Eine funktionierende Heizung gebe es bislang dennoch nicht. „Angeblich soll etwas kaputt sein, für das die Gewobag keine Ersatzteile hat“, berichtet er.
Betroffen sind nach seiner Aussage sämtliche Wohnungen in den Häusern Obstallee 1 bis 28. Doch nicht nur die fehlende Wärme bereitet den Bewohnern Sorgen. Durch den Regen der vergangenen Tage sei zudem Feuchtigkeit in die Wohnungen gelangt. Teilweise habe sich bereits Schimmel gebildet, schildert Morten B.
„Ohne funktionierende Heizung können die Wohnungen nicht richtig trocknen. Die Feuchtigkeit zieht in die Wände, wodurch sich Schimmel bildet“, sagt er. Für die betroffenen Bewohner bedeutet das neben den kalten Räumen eine zusätzliche Belastung. Wie viele Wohnungen tatsächlich von Feuchtigkeit und Schimmel betroffen sind, ist bislang unklar.
Kalt statt gemütlich: Die Heizung, die nicht eingeschaltet werde
© Morten B./privat
„Seitens der Gewobag kommt nichts“
„Seitens der Gewobag kommt nichts“, kritisiert Morten B. Auf eine Antwort auf seine Beschwerden wartet der Mann vergeblich. Auch ein Freund habe telefonisch versucht, Kontakt aufzunehmen. Vom Hausmeisterservice habe es schließlich geheißen, dass die Heizung noch am selben Tag eingeschaltet werden solle.
Doch die Bewohner warten offenbar schon länger auf eine Lösung. „Dieses ‚heute oder morgen‘ hören wir schon seit einem Monat“, beklagt Morten B.. Die anhaltende Kälte mache sich zunehmend im Alltag bemerkbar. So habe er bereits verschnupfte Kinder gesehen. Auch Erwachsene würden unter den niedrigen Temperaturen leiden und teilweise zwei Pullover übereinander ziehen, um es in ihren Wohnungen auszuhalten.
Besonders frustrierend sei für ihn die fehlende Kommunikation mit der Vermieterin. „Man hat das Gefühl, dass die Gewobag uns im Stich gelassen hat, weil es einfach keine Informationen seitens der Gesellschaft an uns gibt“, kritisiert Morten B. Hinzu komme, dass es nach seiner Aussage nicht zum ersten Mal Probleme mit der Heizungsanlage gebe. Vielmehr wiederhole sich die Situation jedes Jahr.
Zwischen Hochhaus und Hinterlassenschaften: Altreifen im Gras, Müll unter den Bäumen, ein Auto mit Klebeband statt Seitenscheibe. Vor dem Wohnblock türmt sich, was keiner wegräumt.
© Morten B./privat
Auch die Mieten steigen
Doch nicht nur die Heizungsprobleme bereiten den Bewohnern Sorgen. Auch die steigenden Mietkosten belasten sie. Bereits im kommenden Monat soll die Miete ansteigen. Morten B. hat sich jedoch geweigert, der Erhöhung zuzustimmen. „Ich sehe es nicht ein, dass die Preise steigen, sich aber grundsätzlich nichts ändert“, sagt er.
Neben der fehlenden Wärme kritisiert er den Zustand der Wohnanlage. Reparaturen würden seiner Aussage nach häufig zu spät durchgeführt. So sei die Eingangstür bereits seit 2021 defekt. Auch die Klingelanlage funktioniere nicht richtig, zudem sei eine Glasscheibe eingetreten worden. Der Müllplatz sei ebenfalls stark verschmutzt. Darüber hinaus hätten die Bewohner mit Ratten zu kämpfen. „Wenn man spazieren geht, dann gehen die gefühlt mit einem spazieren“, beschreibt Morten B. die Situation.
Zerbrochenes Glas, beschädigte Tür: Die Spuren der Zerstörung sind unübersehbar.
© Morten B./privat
Mieter fordern mehr Einsatz von der Gewobag
Von der Gewobag wünscht sich Morten B. vor allem mehr Verantwortungsbewusstsein und eine bessere Betreuung der Wohnanlage. „Ich wünsche mir von der Gewobag, dass sie nicht nur das Geld bekommt, sondern auch dementsprechend ihre Leistungen liefert“, sagt er.
Er fordert mehr Sauberkeit, eine bessere Kontrolle durch den Hausmeisterservice und vor allem eine schnellere Reaktion auf gemeldete Mängel. „Ich wünsche mir einfach mehr Sauberkeit und dass die Hausmeister mehr darauf achten, wenn etwas defekt ist, oder man zumindest auf die Nachrichten reagiert, in denen Schäden gemeldet werden“, betont Morten B.
Die Tonnen stehen hinter Gittern, der Müll genießt die Freiheit.
© Morten B./privat
Gewobag widerspricht Darstellung des Mieters teilweise
Auf Nachfrage der Berliner Zeitung nahm die Gewobag zu den Heizungsproblemen in der Obstallee Stellung. Demnach kommen in den Häusern mit ungeraden Hausnummern Gasheizkessel zum Einsatz, während die Wohnungen in den Gebäuden mit geraden Hausnummern über Nachtspeicherheizungen beheizt werden.
Für Oktober habe das Unternehmen bislang 21 Störungsmeldungen aus insgesamt 514 gasbeheizten Wohnungen erhalten. Dabei handele es sich überwiegend um einzelne Heizkörper, in deren Leitungen sich zu Beginn der Heizperiode Luft sammeln könne. Meldungen über vollständig unbeheizte Wohnungen lägen der Gewobag in diesem Bereich derzeit nicht vor.
Defektes Steuergerät verzögert Reparatur
In einem Gebäude mit Nachtspeicherheizungen ist nach Angaben der Gewobag derzeit ein Steuergerät defekt. Die Reparatur könne ausschließlich durch den zuständigen Netzbetreiber Stromnetz Berlin erfolgen. Das Unternehmen stehe mit dem Netzbetreiber in Abstimmung. Ziel sei es, die Störung schnellstmöglich beheben zu lassen.
Bei der Bearbeitung weiterer Schadensmeldungen richte sich die Gewobag nach Art und Dringlichkeit des jeweiligen Problems. Akute Störungen, die beispielsweise die Sicherheit oder die grundlegende Versorgung betreffen, hätten Vorrang. Wie lange eine Reparatur dauere, hänge unter anderem vom Schadensbild, der Verfügbarkeit von Ersatzteilen und dem Einsatz erforderlicher Fachfirmen ab. Für Notfälle stehe ein Reparaturservice rund um die Uhr zur Verfügung.
Sauberkeit und Müllentsorgung bleiben Thema
Auch zur Sauberkeit im Wohnumfeld äußerte sich die Gewobag. Die Reinigung der Gemeinschaftsflächen werde von beauftragten Dienstleistern übernommen und durch die Hauswarte kontrolliert. Bei Bedarf seien zusätzliche Reinigungs- und Entsorgungsmaßnahmen vorgesehen.
Vor allem die unsachgemäße Entsorgung von Sperrmüll stelle in großen Wohnanlagen eine wiederkehrende Herausforderung dar. Mit regelmäßigen Kontrollen, bedarfsgerechten Entsorgungsmaßnahmen und dem Austausch mit den Menschen vor Ort wolle das Unternehmen die Situation verbessern.
Darüber hinaus solle der hauseigene Hauswartservice „HausWart Plus“ die Präsenz im Quartier stärken. Damit wolle die Gewobag direkte Ansprechmöglichkeiten schaffen, Zuständigkeiten klarer gestalten und Anliegen der Bewohner schneller bearbeiten.
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