Ceuta: Europas Anziehungskraft muss verringert werden


Wenn die Zahlen stimmen, die am Freitag aus Ceuta gemeldet wurden, dann kann man nur sagen: Da wurde ein Außenposten Europas von Migranten regelrecht überrannt. Die kleine spanische Exklave in Nordafrika hat nur 83.000 Einwohner, da ist ein Ansturm von Zehntausenden Migranten eine massive Überforderung. In der gesamten EU (plus Schweiz und Norwegen) wurden im Mai rund 52.000 Asylanträge gestellt. Wenn nun innerhalb weniger Tage eine ähnliche Zahl an einem einzigen Ort ankommt, dann zeigt sich, wie trügerisch die sinkenden Asylbewerberzahlen der vergangenen Monate waren.

Der Fall dokumentiert auch wieder, wie sehr europäische Entscheidungen die Migrationslage beeinflussen können. Auslöser des Ansturms war offenbar ein Gerichtsurteil, das schnelle Rückführungen untersagte. Selten hat man das Wirken eines Pullfaktors so unmittelbar und unverstellt gesehen wie jetzt in Ceuta. In Deutschland wird von vielen, gerade von vielen Experten, bis heute geleugnet, dass Pullfaktoren überhaupt eine nennenswerte Rolle spielen.

Die Legalisierungspolitik von Sánchez

Ministerpräsident Sánchez, der nun einen „Angriff auf Spaniens territoriale Integrität“ beklagt, wird außerdem vorgehalten, dass er mit seiner jüngsten  Massenlegalisierung einen neuen Anreiz zur irregulären Einwanderung geschaffen hat. Formal trifft das nicht zu, weil sie nur Leuten zugutekommt, die vor dem 1. Januar 2026 ankamen. Aber das Bild, das Spanien damit von sich zeichnete, wird man auch in Afrika wahrgenommen haben: Im Zweifelsfall kann man bleiben.

Gerade für migrationswillige Marokkaner ist das eine wichtige Information. Marokko ist als sicheres Herkunftsland in der EU eingestuft, die Anerkennungsquoten sind niedrig. Von klassischen Flüchtlingen, für die das Asylrecht mal gedacht war, kann man hier nur in wenigen Fällen sprechen.

Deshalb ist die Lage in Ceuta, auch wenn sie sich anscheinend schnell wieder entspannte, eine Erinnerung für ganz Europa, dass es mit den jüngsten Bemühungen zur Außengrenzsicherung und zur Neuordnung des Asylsystems nicht getan ist. Die Anziehungskraft des Kontinents muss grundlegend und weitgehend verringert werden, vom Sozialstaat bis zum Asylrecht selbst.