„Einzig wegen Trumps Ego“: US-Präsident reduziert Militärübungen mit Südkorea – ist der Iran der Grund?
Militärübungen mit Südkorea reduziert: Massive Kritik an Trumps „wahnwitziger und planloser“ Entscheidung
Stand: 17.08.2026, 21:28 Uhr
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Trump reduziert das Manöver mit Südkorea – weil Seoul im Iran-Krieg Nein sagte? Senatoren aus beiden Parteien warnen, Nordkorea und Russland profitieren.
Washington, D.C. – Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea deutlich zu reduzieren, hat in Washington parteiübergreifend für Empörung gesorgt. Sowohl Demokraten als auch Republikaner im US-Senat haben die Entscheidung scharf verurteilt – ein ungewöhnlicher Vorgang in Trumps USA.

Jack Reed, der ranghöchste Demokrat im Streitkräfteausschuss des Senats, wertete Trumps Entscheidung als schweren außenpolitischen Fehler. „Dies ist eine weitere wahnwitzige, planlose Entscheidung von Präsident Trump und seiner chaotischen Regierung“, sagte Reed.
Trumps Maßnahme sorge nur für die Unterstützung von Putins Ukraine-Krieg
Der Senator aus Rhode Island warnte, dass China und Russland genau beobachteten, wie leicht die USA ihre Verbündeten im Stich ließen. Besonders brisant: Reed verwies auf eine Einschätzung des Vize-Befehlshabers des zuständigen Regionalkommandos Northcom, Joseph Jarrard. Dieser hatte darauf hingewiesen, dass Nordkorea Interkontinentalraketen erfolgreich getestet habe, die einen nuklearen Sprengkopf an jeden Ort in Nordamerika befördern könnten. Trumps Entscheidung stehe damit im direkten Widerspruch zu dieser militärischen Lageeinschätzung.
Doch auch aus den Reihen der Republikaner kam ungewohnt deutliche Kritik. Senator Thom Tillis betonte, Südkorea sei seit mehr als 70 Jahren ein verlässlicher militärischer Verbündeter der USA mit hervorragenden militärischen Fähigkeiten. Er warnte zudem vor den Folgen für den Ukraine-Krieg: Eine Reduzierung der gemeinsamen Übungen komme faktisch Nordkorea zugute, das Russland im Krieg gegen die Ukraine mit Munition und Tausenden Soldaten unterstützt. Weniger Druck auf Nordkorea bedeute mehr Spielraum für Pjöngjang, diese Unterstützung fortzusetzen, so der Politiker aus North Carolina.
Trumps Maßnahme bewirke „nichts anderes, als tausende nordkoreanische Soldaten für die Unterstützung von Putins systematischer Verschleppung, Folter, Vergewaltigung und Ermordung unschuldiger ukrainischer Bürger freizusetzen“, schrieb Tillis auf X.
„Einzig wegen Trumps Ego“: Schmollt der US-Präsident wegen Südkoreas Iran-Absage?
Trump hatte seine Ankündigung am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social veröffentlicht und Verteidigungsminister Pete Hegseth angewiesen, die Übungen deutlich zu reduzieren. Als Begründung nannte er die hohen Kosten, die größtenteils von den USA getragen würden, sowie die Signalwirkung der Manöver gegenüber Nordkorea. Er bezeichnete die Übungen als „völlig unangemessen und feindselig“ gegenüber einem Land, das sich während seiner Präsidentschaft respektvoll verhalten habe. Trump verwies dabei auf seine nach eigener Einschätzung „sehr gute Beziehung“ zu Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Erst am Samstag hatte er ein Bild von sich gemeinsam mit Kim verbreitet.
Einen weiteren Grund für seinen Schritt lieferte Trump ebenfalls: Südkorea hatte es zuvor abgelehnt, sich den amerikanischen Bemühungen um eine Denuklearisierung des Irans anzuschließen. „Sie sagten: ‚Nein, danke!‘“, behauptete der US-Präsident. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un habe durch Trumps Ankündigung „einen propagandistischen Sieg errungen“, fügte Reed hinzu. Südkorea hingegen, „einer unserer stärksten Verbündeten“, sei „einzig wegen Trumps Ego“ bestraft worden.
Ob Trump seine Planänderung vorab mit der südkoreanischen Regierung abgestimmt hatte, wurde in südkoreanischen Medien offen angezweifelt. Das Präsidentenbüro in Seoul reagierte zunächst nur vage und verwies auf eine enge Koordination beider Länder bei den Militärübungen.
Manöver läuft, aber kleiner als zuvor: Südkorea verweist auf nordkoreanische Ukraine-Erfahrung
Ungeachtet der Kontroverse begann das Manöver „Ulchi Freedom Shield“ am Montag wie geplant. An der Übung sind Tausende Soldaten beider Länder beteiligt. Allerdings umfasst die diesjährige Auflage laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap nur noch 14 Feldübungen – drei weniger als im Vorjahr. Diese Reduzierung geht demnach auf Initiativen des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung zurück, der ähnlich wie Trump eine diplomatische Annäherung an Nordkorea anstrebt.
Südkorea berücksichtigt in diesem Jahr nach eigenen Angaben ausdrücklich die Kampferfahrungen nordkoreanischer Soldaten aus dem Ukraine-Krieg. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist Pjöngjang enger an Moskau herangerückt und unterstützt Russland mit Soldaten und Munition. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte zuletzt, Pjöngjang bereite die Entsendung weiterer 30.000 bis 50.000 Soldaten nach Russland vor.
Trump bricht mit der Tradition und reicht Kim einmal mehr die Hand
Die gemeinsamen Manöver zwischen den USA und Südkorea haben eine lange Geschichte. Seit den 1950er Jahren dienen sie als Signal der Abschreckung gegenüber Nordkorea und als Nachweis der gemeinsamen Einsatzbereitschaft. Nordkorea hat die Übungen stets als Provokation gewertet und zuletzt trotz UN-Verbots mehrfach ballistische Raketen getestet – von Experten als Machtdemonstration und Protest gegen die Manöver eingestuft. Pjöngjang baute sein Atomarsenal seit Trumps erster Amtszeit kontinuierlich aus und bezeichnet Südkorea offiziell als seinen Hauptfeind.
Trump hatte Kim Jong-un während seiner ersten Amtszeit mehrfach persönlich getroffen. Ein Gipfeltreffen in Hanoi im Jahr 2019 endete jedoch mit einem diplomatischen Eklat, als Kim vorzeitig abreiste. Ein erneutes Treffen, das Trump während seiner Asien-Reise im Herbst 2025 angedeutet hatte, kam bislang nicht zustande. (Quellen: AFP, dpa, Truth Social, Yonhap, X) (nak)