„Mir kommen heute noch die Tränen“: Witwe schenkt legendäre Posingis-Schachuhr den Urenkeln des Erfinders


Stand: 09.08.2026, 11:30 Uhr

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Mit dem Schachspielen aufgehört: Monika Richter ist glücklich, dass sie mit den jungen Urenkeln des Uhrmachermeisters Paul Posingis Erben gefunden hat, die die Schachuhr ihres verstorbenen Mannes in Ehren halten.

Mit dem Schachspielen aufgehört: Monika Richter ist glücklich, dass sie mit den jungen Urenkeln des Uhrmachermeisters Paul Posingis Erben gefunden hat, die die Schachuhr ihres verstorbenen Mannes in Ehren halten. © Carola Schiller / Torsten Haarmann

Monika Richter hat die Schachuhr ihres verstorbenen Mannes an die Familie von Paul Posingis übergeben. Der Uhrmachermeister aus Werries hatte das legendäre Uhrenmodell einst erfunden.

Werries – „Mir kommen heute noch die Tränen“, erinnert sich Monika Richter, wenn sie an einen bestimmten Moment vor wenigen Wochen zurückdenkt. Das war der Augenblick, als sie die wertvollste Erinnerung an ihren Mann, eine echte Posingis-Schachuhr, aus den Händen gegeben hat.

„Aber es sind Freudentränen“, ergänzt sie mit strahlenden Augen, denn die Uhr hat sie den Urenkeln von Paul Posingis übergeben. „Es fühlt sich gut an“, erklärt sie mit Erleichterung.

Witwe schenkt legendäre Posingis-Schachuhr den Urenkeln des Erfinders

Auf die Idee der Übergabe war sie gekommen, als sie im Westfälischen Anzeiger einen Bericht über Paul Posingis las – über den Uhrmachermeister aus Werries und seine patentwürdige Schachuhr mit dem besonderen Mechanismus. Sofort war ihr klar: Eine dieser in der Schachwelt legendären Uhren steht bei ihr zu Hause. Eine Erinnerung an ihren Mann Karl-Heinz, der Ende der 1950er Jahre Hammer Schachmeister wurde. Weil Schach seine Leidenschaft war, lernte auch seine Ehefrau das Spiel der Könige. „Es war eigentlich kein Spielen, es war immer Lernen“, erinnert sie sich lachend. Eine Chance zu gewinnen hatte sie nicht, Freude gemacht hat es aber trotzdem.

Monika Richter hat das Schachspiel von ihrem Mann gelernt. Die schweren Holzfiguren hütet sie bis heute.

Monika Richter hat das Schachspiel von ihrem Mann gelernt. Die schweren Holzfiguren hütet sie gut. © Carola Schiller

Heute spielt sie nicht mehr. Nach dem Tod ihres Mannes vor 30 Jahren fehlte erst der Spielpartner, und mittlerweile hat sie mit dem Schachspiel abgeschlossen. Trotzdem sind die Figuren, die noch ihr Mann über die Felder geschoben hat, ein zweiter kleiner Schatz, der ihr am Herzen liegt. „Ich muss überlegen, wer das bekommen soll“, überlegt sie sachlich.

„Man muss sich von den Dingen trennen“, sieht sie gefasst nach vorn. Dabei geht es mit der 84-Jährigen gesundheitlich bergauf. Das sah vor Monaten noch ganz anders aus. Kurz nachdem sie den ersten großen Artikel über die Posingis-Uhren gelesen hatte, erlitt sie eine schwere Wirbelsäulenverletzung. Mühsam kämpfte sie sich in ein selbstständiges Leben zurück. Ein Antrieb war die Entscheidung, den Nachkommen der Posingis-Familie die geliebte Schachuhr zu überreichen.

Die Zeitungsausschnitte hat Monika Richter gesammelt.

Unter den Zeitungsausschnitten ihrer Sammlung ist ein Bericht von Monika Richters Ehemann Karl-Heinz Richter, als er Schachmeister geworden war und die Posingis-Uhr bekommen hatte. © Carola Schiller

Von da an verfolgte sie die Berichterstattung über Posingis regelrecht. Zu Hause hat sie mehrere WA-Artikel dazu gesammelt. Das Thema ließ ihr keine Ruhe mehr. Auch im Pflegeheim, in dem sie vorübergehend lebte, las sie die Berichte und sammelte weiter.

Als sie so auch erfuhr, dass jemand bei der Verkaufssendung „Bares für Rares“ eine Posingis-Uhr schätzen lassen will, verfolgte sie die Sendung. „Die kommt jeden Tag“, sagt sie seufzend. Einen Monat saß sie täglich von 15 bis 16 Uhr vor dem Fernseher. „Ich hab’ das nicht gern gesehen“, erinnert sie sich mit leicht gequältem Gesicht. Als sie dann erneut aus dem WA den Sendetermin erfuhr, war sie erleichtert. „Da musste ich es ein paar Tage nicht gucken.“ Als es dann soweit war, schaltete sie zu und zeichnete die Sendung auf.

Die Sendung mit einer Posingis-Uhr bei „Bares für Rares“ hat sie gespeichert.

Da war sie bei Horst Lichter zu sehen: Die Sendung mit einer Posingis-Uhr bei „Bares für Rares“ hat sie gespeichert. © Carola Schiller

Als dann über den WA der Kontakt zu Posingis’ Familie möglich wurde, war die Freude groß. „Die Kinder waren so artig“, ist sie immer noch begeistert. Und auch den jüngsten Posingis-Nachfahren sei die Ehre bewusst, bestätigt deren Vater Oliver Kahl. Jorina und Leo sind „unheimlich stolz“, kann er bestätigen. Die Uhr werde in Ehren gehalten.

Der Zeitraum war auch deshalb so schön, weil Paul Posingis am 29. Juli 2026 seinen 124. Geburtstag gefeiert hätte. Dass der Groß- und Urgroßvater aus Werries berühmt für die Schachuhr ist, begleitet die Familie ihr Leben lang.