Mit dem Škoda in die Freiheit: Ehepaar flüchtete einst aus der DDR
Stand: 13.07.2026, 17:00 Uhr
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Das Ehepaar Christel und Jürgen Möschl stellte in der DDR einen Ausreiseantrag, nachdem sie ihr geliebtes, selbstgebautes Gartenhaus abreißen mussten. Es folgten vier Jahre voller Schikanen, ehe ihr neuer Familienwagen schließlich zum Symbol der Freiheit wurde.
Grafing – „Früher waren wir flotter unterwegs“, witzelt Jürgen Möschl. Jeden Samstag ging es für den Werkzeugmacher aus Grafing und seine Frau Christel in das Klubhaus der Jugend in ihrem Heimatort Bad Langensalza (Thüringen). Gekannt hatten sich die beiden bereits vorher, denn Christels Bruder spielte gemeinsam mit Jürgen Fußball. Doch erst an einem Silvesterabend sprang der Funke über.
Zwei Jahre später zogen sie zusammen. „Sie wurde von daheim herausgeschmissen“, berichtet Jürgen Möschl (74). „Ich wollte sie nicht allein lassen“, ergänzt er. Nach viereinhalb Jahren machte er seiner Christel einen Heiratsantrag. „Nein, nicht auf den Knien“, sagt die heute 70-Jährige, schaut durch ihre Brille ihren Ehemann an und lacht. Am 10. Juli 1976 heirateten die beiden. Ein Jahr später, an Silvester, kam ihr gemeinsamer Sohn auf die Welt.
Schikane nach Ausreiseantrag aus der DDR: „Wurden beschimpft“
Besonders zusammengeschweißt hat das Ehepaar ihre gemeinsame Ausreise aus der DDR. Ein Ereignis war für diese Lebensentscheidung dabei von besonderer Bedeutung: In ihrer Heimat hatten sie sich ihren Traum von einem Gartengrundstück mit einem selbstgebauten Gartenhaus erfüllt. Doch: „Eines Tages hieß es, das Gartenhaus ist zu groß“, erinnert sich der 74-Jährige. Schweren Herzens mussten sie es wieder abreißen. „So, und jetzt ist Schluss“, dachte er sich damals. Das Paar stellte einen Ausreiseantrag.

Darauf folgten vier Jahre pure Schikane – auch bei ihrem Sohn in der Schule. „Ihr Ausreiserschweine – so wurden wir beschimpft“, erzählt Jürgen Möschl. Für den Tag der Ausreise kaufte sich das Ehepaar schließlich einen großen Škoda Combi. „Alles, was uns am Herzen lag, haben wir darin transportiert“, sagt er. Der Wagen wurde für die beiden ein Symbol der Freiheit. Nach vier Jahren erhielten sie schließlich die Genehmigung zur Ausreise. „Das war unser gemeinsames Ziel“, erinnert sich Christel Möschl.
„Wie ein Lottogewinn“: Ehepaar findet schnell neues Zuhause in Bayern
Der Neuanfang in Bayern gelang schneller als erwartet. „Das war wie ein Lottogewinn“, sagt der Grafinger über die Wohnung in Berg am Laim, die die Familie zusammen mit einer Arbeitsstelle für Christel, die als Fachverkäuferin werkelte, erhielt. In dieser Zeit entdeckte der 74-Jährige seine Leidenschaft für das Traineramt und engagierte sich als Jugendfußballtrainer. Später zog die Familie nach Grafing, wo Jürgen Möschl viele Jahre als Hausmeister am Gymnasium arbeitete.
Im Rückblick auf ihr bisheriges Leben können die beiden sagen: „Alles, was wir gemacht haben, war richtig.“ Besonders wichtig war für das Ehepaar der Fußballverein: „Da haben wir viele gute Freunde gefunden und wurden sofort herzlich aufgenommen.“
Und was ist ihr Geheimnis für 50 Jahre Ehe? „Unsere Urlaube“, sagt Christel Möschl ohne zu zögern. Gerade weil Reisen in der DDR kaum möglich war, wurde das gemeinsame Unterwegssein später zu ihrer großen Leidenschaft. „Wir haben immer auf den nächsten Urlaub gespart“, gesteht die 70-Jährige.