Möbelgeschäft schließt nach über 40 Jahren – Räumungsverkauf in Traditionsladen


Stand: 05.08.2026, 14:07 Uhr

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Barbara und Thomas Kraienhemke, geben ihren Betrieb ab und gehen in den Ruhestand.

Die Ruhesessel haben sie schon und bald auch die Zeit dafür: Barbara und Thomas Kraienhemke, geben ihren Betrieb auf und gehen in den Ruhestand. © Karin Hillebrand

Barbara und Thomas Kraienhemke, Inhaber des Unternehmens MTK Möbel, werden beide 65 Jahre alt. Jetzt schließen sie den Betrieb.

Herzfeld – Nach mehr als 40 Jahren ist für Barbara und Thomas Kraienhemke Schluss. Die Geschäftsleute, beide 64 Jahre alt, schließen zum 1. Oktober ihr Ladenlokal mit Werkstatt neben dem Bürgerhaus in Herzfeld und gehen in den Ruhestand. Aktuell läuft der Räumungsverkauf.

Begonnen hat die Geschichte des Traditionsgeschäfts 1983, als die Brüder Thomas und Mathias Kraienhemke die Halle der damals schon nicht mehr existierenden Firma Adams kauften und 1984 die „MTK-Möbel Gebr. Kraienhemke GmbH“ gründeten.

Eine intensive Zeit. Thomas Kraienhemke erinnert sich: „Im selben Jahr haben wir geheiratet und sind nach Herzfeld gezogen.“ Fünf Jahre lang wohnte das Paar in den Sozialräumen des Betriebes, lebte dort, wo es arbeitete. „Dort haben auch unsere Tochter Andrea und unser Sohn Michael die ersten Jahre ihres Lebens erlebt“, erzählt Barbara Kraienhemke mit einem Lächeln. Sohn Johannes komplettierte die Familie etwas später.

Fünf, sechs Angestellte hatte die Firma damals. 1986 legten die Brüder Thomas und Mathias die Prüfung zum Tischlermeister ab. Zwei Jahre darauf wurde an die bestehende Halle eine neue angebaut, und der dann 3000 Quadratmeter umfassende Betrieb mit wachsendem Kundenstamm wurde weiter ausgebaut. Das Kerngeschäft: die Produktion von Gestellbauteilen und Gestellen für die Polstermöbelindustrie.

Maueröffnung steigert Nachfrage

„Mit der Maueröffnung stieg ab 1990 die Nachfrage. Die neuen Bundesländer hatten alle Bedarf. Sie hatten keine moderne Produktion, und es wurden Möbel gebraucht“, schildert Thomas Kraienhemke die Zeit der Wende.

Bis 1991 baute die Firma einen Personalstamm von 24 Mitarbeitern auf und fertigte die Grundgestelle für Schlafcouches, Polstergarnituren, Wohnlandschaften und Fernsehsessel. „Wir brauchten Leute. Es wurde jeden Tag ausgeliefert – 200 bis 300 Schlafcouches die Woche“, erzählt Barbara Kraienhemke. Eine zweite Plattensäge wurde angeschafft.

Bilder aus vergangenen Zeiten: Barbara Kraienhemke mit Sohn Michael und dessen Lebensgefährtin Jennifer Himler.

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Barbara Kraienhemke mit Sohn Michael und dessen Lebensgefährtin Jennifer Himler. © MTK

Ein Boom, der zum Ende des Jahrtausends auslaufen sollte. Während sich Mathias Kraienhemke einem anderen Geschäftsbereich zuwandte, 2006 erfolgte die Firmenbereinigung, erweiterten Kraienhemkes 1996 das Programm. Barbara, gelernte Groß- und Einzelhandelskauffrau, leitete den Verkauf von Polstermöbeln, der bis dahin nur nebenher betrieben worden war.

Aus der Ursprungshalle, die als Lager für Gestelle nicht mehr benötigt wurde, erwuchs das Ladenlokal zur Alten Beckumer Straße hin. Die dahinter liegende Werkstatt bekam eine CNC-Plattensäge, mit der mehrere Platten gleichzeitig gesägt werden konnten.

Sohn Michael machte nach einem Praktikum bei einem Raumausstatter die entsprechende Ausbildung in Wadersloh und besuchte im Anschluss die Meisterschule in Oldenburg. Von 2008 bis 2016 war er im Geschäft und baute als Raumausstatter ein neues Standbein auf, verlegte Böden, nähte Gardinen, polsterte Stühle und Garnituren auf. „Auch alte Stücke mit Gobelin zum Beispiel“, erzählt Barbara Kraienhemke. „Seine Freundin, ebenfalls Raumausstatterin, nähte Gardinen.“

Sohn Johannes glättet Holz zur späteren Weiterverarbeitung.

Sohn Johannes glättet Holz zur späteren Weiterverarbeitung. © MTK

„Sie haben auch den Vorhang für die Kulturscheune auf Hof Haulle in Bad Sassendorf gemacht. Er hat den schweren Stoff hier auf dem Fußboden zurechtgeschnitten“, sagt Thomas Kraienhemke. Doch 2016 lockte ein Angebot den Sohn fort. Barbara Kraienhemke, nähte danach noch Kleinigkeiten wie Sitzkissen für eine Bank. Auch Sohn Johannes war zwischenzeitlich im elterlichen Betrieb in der Werkstatt beschäftigt, musste aus gesundheitlichen Gründen jedoch aufhören.

Mit der Pandemie brachen für Kraienhemkes Kunden weg, die ihren Betrieb aufgaben oder ins Ausland gingen, zeichnet Thomas Kraienhemke die Zeit ab 2020 nach: „In unserer Branche herrscht ein Firmensterben seit 2021. Mit den Löhnen und Lohnnebenkosten kann man nicht mehr entsprechend produzieren. Es wird zu teuer.“ Und Barbara Kraienhemke ergänzt: „Damals haben wir deutsche Firmen, viele in Ostwestfalen beliefert. Da bekam man auch noch einen Meister an die Strippe, wenn etwas unklar war. Das ist heute so nicht mehr möglich – weil sie zu groß geworden sind oder größtenteils im Ausland fertigen lassen.“

Die letzten drei Angestellten hatten am 24. Juli ihren letzten Arbeitstag. Umstellen müssen sich mit der Schließung des Betriebes auch die St.-Ida-Schützen, für die Barbara Kraienhemke in diesem Jahr zum letzten Mal rund 40 Meter Stoff für den Schützenthron gebügelt hat. Thomas Kraienhemke war ab 2000 22 Jahre lang 1. Kassierer der Bruderschaft, und Sohn Michael hatte den Thron neu gemacht. Auch lagerte bislang Dekoration bei ihnen ein.

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