Mut zur Selbstständigkeit: Zimmerer, Schreiner und dann Chef: Dieser Moselaner erfüllte sich seinen Traum


Mut zur Selbstständigkeit Zimmerer, Schreiner und dann Chef: Dieser Moselaner erfüllte sich seinen Traum

Zeltingen-Rachtig · In Zeltingen-Rachtig stand eine Schreinerei über zwei Jahrzehnte leer. Dann kam Kevin Görgen. Was er auf dem Weg in die Selbstständigkeit durchmachte, raubte ihm den Schlaf. Doch nun rattert die Säge.

15.10.2026 , 07:59 Uhr

Kevin Görgen (links) und sein Mitarbeiter Daniel Politz.

Foto: TV/Hans-Peter Linz

22 Jahre lang stand die alte Schreinerei Müller in der Bergstraße in Zeltingen-Rachtig leer. Nun wird dort wieder Holz bearbeitet, gebohrt, gefräst und gesägt. Vor wenigen Monaten zog Kevin Görgen in die Hallen ein, um sich seinen Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen.

Das war gar nicht so einfach, denn neben dem finanziellen Risiko gab es auch viele Behördengänge, um das Gewerbe anzumelden. „Das war eigentlich das Schwierigste“, erinnert sich Kevin Görgen. „All die bürokratischen Vorgänge, Anmeldungen, das Erstellen eines Businessplans für die Bank – das war schon krass und hat mir einige schlaflose Nächte beschert“, sagt der Schreinermeister.

Der 35-jährige Familienvater lernte zunächst Zimmerer (Abschluss 2009), schloss 2014 seine zweite Ausbildung zum Schreiner ab und machte ein Jahr später den Meistertitel. Seit 20 Jahren ist er schon im Holzhandwerk unterwegs, da lag der Schritt in die Selbstständigkeit nahe. „Das ist natürlich kein 9-to-5-Job, da muss man bereit sein, auch ein paar Meter mehr zu gehen“, erklärt er und ist froh, dass seine Familie ihn dabei voll unterstützt.

Schreinerei an der Mosel: Passgenaue Möbel für Privatkunden und Gastronomie

Zudem musste viel investiert werden, denn auch Schreiner-Manufakturen kommen heute nicht mehr ohne moderne Technik aus. In der großen Halle stehen gleich mehrere Maschinen. Mit der „liegenden Plattensäge“ werden die Werkstücke zugeschnitten. Die Schnittpläne werden mit einer Computersoftware erstellt, die den Verschnitt auf ein Minimum reduziert.

Die entsprechenden Pläne werden zuvor im Büro gemeinsam mit den Kunden erarbeitet. Mithilfe von KI können dann schon Visualisierungen der Möbel auf dem Bildschirm dargestellt und in die vorhandenen Räume eingefügt werden. „Das ist ein Riesenvorteil, denn ich kann dem Kunden direkt zeigen, wie das Möbelstück in seinem Haus wirkt“, sagt Görgen.

Nach dem Schneiden der Bauteile geht es weiter zur Kantenanleimmaschine, die die Kanten versiegelt. Anschließend sorgt eine CNC-Maschine für die passgenauen Bohrungen, um Scharniere und andere Teile anzubringen. Der Maschinenpark war eine hohe Investition – rund 300.000 Euro wurden dafür fällig. Und das war noch günstig, da die meisten Maschinen gebraucht gekauft wurden.

Doch die Kundschaft stellte sich schnell ein. „Unser Thema ist die Individualität, wir können alles anpassen. Deshalb haben wir viele Kunden aus der Gastronomie und der Hotelbranche“, sagt Görgen. Vor allem regionale Betriebe zählen zu seiner Kundschaft. Und das ist Görgen wichtig, der selbst aus der Region stammt, in Graach aufgewachsen ist und sich dort im Gemeinderat sowie im Musikverein engagiert. „Wir hätten auch ins Wittlicher Gewerbegebiet gehen können, aber mir war es wichtig, hier in der Nähe zu arbeiten. Deshalb haben wir die alte Schreinerei in Zeltingen-Rachtig übernommen“, betont Görgen. Zudem konnte er so auf sein vorhandenes Netzwerk aufbauen, neue Kunden kennenlernen und Aufträge gewinnen.

Was kostet eine Küche vom Schreiner?

„Die Küche ist eigentlich mein Lieblingsthema, das ist ja der Mittelpunkt des Wohnens geworden“, sagt der Schreinermeister. Welche Kunden kommen zu ihm, um eine Küche zu kaufen? Das seien häufig Menschen um die 50 Jahre, die sich endlich eine schöne und individuelle Küche gönnen wollen. Dabei seien die Preise im Vergleich zur Massenware noch im Rahmen: „Wir haben eine kleinere Gewinnspanne, weil wir nicht den Apparat einer Möbelhauskette tragen müssen. Das können wir an die Kunden weitergeben“, erklärt er. Daher sei eine individuelle Küche zwischen 15.000 und 40.000 Euro durchaus zu realisieren.

Aber auch Garderoben, Schränke oder andere Maßeinbauten sind gefragt. Sein Einsatz hat sich ausgezahlt: Mit seinem Mitarbeiter Daniel Politz bewältigt das Duo derzeit bis zu zwei Projekte pro Woche. Zum Einsatz kommen dabei häufig MDF-Platten, da Massivholz mittlerweile wesentlich teurer geworden ist. „Für einen Esstisch aus Echtholz in der Größenordnung von drei mal 1,10 Meter muss man inzwischen rund 5.000 Euro ausgeben“, sagt Görgen. Das sei natürlich alles machbar, werde aber seltener nachgefragt. Da sei der Küchen- und Möbelbau mit Verbundplatten und individueller Farbgebung preislich attraktiver. Holz sei vor allem durch gestiegene Personal- und Energiekosten teurer geworden. Vor 22 Jahren, als noch Schreiner Müller in Zeltingen-Rachtig werkelte, sah das wohl noch ganz anders aus.

Kevin Görgen veranstaltet am 14. November von 11 bis 18 Uhr einen Tag der offenen Tür.