Nabu-Auffangstation versorgt 24 Mauersegler während Juni-Hitze


Stand: 14.07.2026, 06:05 Uhr

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Eichelhäher Karl Otto fühlt sich auf dem Kopf von Sebastiana Lutz sichtlich wohl.

Eichelhäher Karl Otto fühlt sich auf dem Kopf von Sebastiana Lutz sichtlich wohl. Der Jungvogel gehört zu den vielen tierischen Gästen, die in der Seligenstädter Auffangstation ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben. © Franz Krafczyk

Während der Hitzewelle Ende Juni flüchteten Jungvögel in Panik aus ihren Nestern. Die Tiere müssen einen Jagdtest bestehen, bevor sie wieder ausgewildert werden.

Seligenstadt – Nach einer Phase mit vergleichsweise kühleren Sommertagen ist die Hitze zurückgekehrt. Auch im Kreis Offenbach werden aktuell wieder schweißtreibende Temperaturen gemessen. Die stark steigenden Temperaturen werden schnell zur Belastung – für viele Lebewesen bedeutet die plötzliche Hitze sogar akute Not. Vor allem Jungvögel verlassen ihre Nester vorzeitig oder werden geschwächt am Boden gefunden. In Seligenstadt finden viele von ihnen vorübergehend Zuflucht.

Das Mauerseglerküken Amadeus wird liebevoll und fachkundig versorgt.

Das Mauerseglerküken Amadeus wird liebevoll versorgt. © Franz Krafczyk

Auf seinem privaten Grundstück betreibt der Seligenstädter Dr. Winfried Winter gemeinsam mit seiner Frau Sebastiana Lutz eine Auffangstation für Wildvögel. Die Station gehört offiziell zum Naturschutzbund (Nabu) Hainburg. Während sich Lutz seit drei Jahren vor allem um Mauersegler kümmert, hat sich Winter auf die Pflege von Greifvögeln und Eulen spezialisiert.

Erste Hilfe und Kontakt zur Auffangstation

Wer einen hilfsbedürftigen Wildvogel findet, sollte ihn vorsichtig mit einem Stück Küchenrolle aufnehmen, in einen Karton setzen und vor anderen Tieren schützen. Da die große Auffangstation in Frankfurt-Griesheim derzeit keine Kapazitäten mehr hat, können sich auch Menschen aus Seligenstadt sowie aus dem Raum Hainburg, Rodgau, Hanau und Aschaffenburg telefonisch bei Dr. Winfried Winter unter 0173 6656086 melden. Nach vorheriger Absprache kann das Tier anschließend zur Auffangstation in der Wolfstraße gebracht werden.

Pflege bis zur erfolgreichen Auswilderung

Wie stark sich extreme Temperaturen auf die Tiere auswirken können, zeigte sich bereits während der Hitzewelle Ende Juni. Damals versorgten Winter und Lutz insgesamt 24 Mauersegler, drei Turmfalken und eine Mehlschwalbe. Die Tiere wurden in artgerechten Gehegen untergebracht und versorgt. An einer Bushaltestelle am Seligenstädter Bahnhof wurde zu dieser Zeit eine Bodentemperatur von bis zu 56,4 Grad Celsius gemessen. „Alle Tiere wurden von Passanten oder Anwohnern auf der Straße gefunden. In der großen Hitze haben sie ihre Nester in Panik verlassen“, berichtet Winter. Der ehemalige Falkner war rund 30 Jahre lang aktiv und sammelte Erfahrungen unter anderem in Schottland, Spanien und sogar im Himalaya. Seit rund zehn Jahren engagiert er sich ehrenamtlich im Naturschutz und betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Auffangstation.

Aufgenommen werden dort verletzte, geschwächte oder kranke Wildvögel. Freigelassen werden sie erst, wenn sie wieder selbstständig fliegen und Nahrung erbeuten können. Ob die Tiere bereit für die Rückkehr in die Natur sind, überprüfen Winter und Lutz mit einem Jagdtest. „Wir füttern sie mit lebenden Mäusen, und sie müssen lernen, sie zu jagen. Wenn sie das innerhalb von 14 Tagen schaffen, werden sie freigelassen“, erklärt Winter.

Von den 24 Mauerseglern, die Ende Juni in der Auffangstation aufgenommen wurden, konnten inzwischen 18 wieder ausgewildert werden. Mit Blick auf die erneute Hitzewelle rechnen Winter und Lutz jedoch schon bald mit neuen Notfällen. Die Vorbereitung darauf gestaltet sich nicht immer einfach. „Wir brauchen genügend Futter und bestellen dieses in der Tierhandlung. Leider gibt es aktuell Engpässe bei den Heimchen (Insekten)“, sagt Winter.

Angesichts der weiterhin hohen Temperaturen appellieren Winter und Lutz an die Bevölkerung, aufmerksam zu sein und hilfsbedürftige Wildvögel nicht sich selbst zu überlassen. Oft könne bereits ein rechtzeitiger Anruf bei der Auffangstation dazu beitragen, dass ein verletztes Tier schon bald wieder in die Freiheit zurückkehre. (Franz Krafczyk)