Nach Flixbus-Desaster: Busunternehmer will 400 Euro für das Gepäck von 15-Jährigem in Krakau zahlen
Stand: 12.08.2026, 14:34 Uhr
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Ein Jugendlicher aus Diepholz wurde von Flixbus ohne seinen Koffer stehengelassen. Nun bieten zwei Unternehmer an, die 400 Euro für den Rücktransport aus Polen zu übernehmen.
Diepholz/Bremen – Der Bericht über den 14-jährigen Diepholzer, der an ADHS mit autistischen Zügen erkrankt ist und vom Unternehmen Flixbus in Bremen ohne sein Gepäck stehen gelassen wurde, hat viele Menschen bewegt. Der Koffer des Jungen, der mittlerweile 15 Jahre alt ist, steht derzeit mit den Geburtstagsgeschenken in Krakau (Polen) und muss von dort kostenpflichtig zurücktransportiert werden. Das kostet 400 Euro, die die Mutter Finnya Hagemeister nicht vorschießen kann. Denn nur gegen einen Beleg will Flixbus aus Kulanzgründen die Summe erstatten, erklärte die Unternehmenspressestelle auf Nachfrage der Mediengruppe Kreiszeitung.
Doch nun gibt es Hoffnung, das Gepäckstück vor der Vernichtung zu retten. Frank Junker, Inhaber des Unternehmens Junker-Reisen in Stuhr, reagierte schnell: „Wir übernehmen die Kosten, wenn Flixbus nicht einlenkt“, teilte er am Mittwoch in der Frühe mit. „Ich bin bitterlich enttäuscht über das Verhalten des Transportunternehmens“, ergänzte er. Das habe nichts mit gutem Service für die Kunden zu tun. Er wolle zudem über Kontakte nach Polen prüfen, wie man den Koffer möglichst schnell zu dem Jungen bringen könne.
Hilfe kommt sogar aus Düsseldorf
Für die Mutter eine tolle Nachricht aus dem Nordkreis. Doch schon kurz darauf erhielt sie einen Anruf von einem weiteren Unternehmer, der Hilfe anbot. Patrick Prusiak hatte in Düsseldorf von den Geschehnissen gelesen. Er erklärte sich ebenfalls bereit, das Geld zu zahlen. „Wir leben schließlich in einer Solidargemeinschaft“, erklärte er und berichtete, dass er auch an ADHS leide. „In meiner Kindheit hatte meine Mutter, die leider früh verstorben ist, nicht viel Geld“, ergänzte er. „Jetzt habe ich mich hochgearbeitet und die Möglichkeit, zu helfen.“ Wenn Junker-Reisen die Transportkosten übernehme, so Prusiak, wolle er dem Jungen in Absprache mit seiner Mutter ein tolles Erlebnis bereiten. Sie überlege schon, wie man ihrem Sohn eine Freude jenseits von materiellen Geschenken machen könne, um ihn von der aktuellen misslichen Situation abzulenken.
Der 15-Jährige wollte ursprünglich von Bremen aus sein Fahrrad im Flixbus zu seiner betreuten Wohngemeinschaft in Hessen mitnehmen. Der Fahrer verweigerte das aber, weil ein Ticket für Sperrgut gelöst worden war. Zu allem Unglück war der Fahrer dann losgefahren, ohne auf die dreimalige Bitte des Jugendlichen, den Koffer wieder aus dem Laderaum zu holen, zu reagieren. Nach einigen Wirrungen war der Junge mit der Hilfe der Bundespolizei und einem ICE-Ticket der Mutter in Hessen angekommen. Wegen der Aufregung erlitt er jedoch auf der Reise einen autistischen Meltdown (Kontrollverlust) und Panikattacken.