Historische Chance für die SP mit Wirtschaftsminister Beat Jans?


Nach Parmelin-Rücktritt Wirtschaftsminister Beat Jans? SP vor einer historischen Chance

Justizminister Beat Jans werden Wechselgelüste ins frei werdende Wirtschaftsdepartement nachgesagt. Bürgerliche hoffen, dass VBS-Chef Martin Pfister einspringt.

07.10.2026, 19:45

Wer rückt für Guy Parmelin als Vorsteher des Wirtschaftsdepartements nach? Ist es SP-Bundesrat Beat Jans, der offenbar gerne wechseln würde? Oder wird am Schluss sogar Verteidigungsminister Martin Pfister neuer Wirtschaftsminister?

Seit Parmelins Rücktrittsankündigung am vergangenen Freitag wird bereits heftig über mögliche Departements-Rochaden spekuliert – noch bevor klar ist, wer in der SVP für die Nachfolge von Guy Parmelin kandidiert.

«Eine Ausnahmesituation»

Politologe und Bundesrats-Kenner Adrian Vatter von der Universität Bern hat für SRF die verschiedenen Szenarien der Departementsverteilung durchgespielt.

«Das wahrscheinlichste Szenario wäre, dass Beat Jans ins Wirtschaftsdepartement wechselt», kommt Vatter zum Schluss. «Das wäre in der Tat eine Ausnahmesituation, denn wir hatten noch nie einen politisch Linken im Wirtschaftsdepartement», hält der Politologe fest.

Wirtschaft und Bürgerliche wollen Jans verhindern

Beat Jans ist Ende Jahr erst drei Jahre Justizminister. Aber er macht nicht immer einen glücklichen Eindruck. SVP und FDP kritisieren seine Asylpolitik praktisch ständig.

Nur: Den beiden bürgerlichen Parteien graut auch vor einem Wirtschaftsminister Jans. Bereits hat sich der Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse geäussert: Wichtig sei, dass das Wirtschaftsdepartement in bürgerlicher Hand bleibe.

«Man will verhindern, dass jetzt ein politisch Linker kommt und dann auch seine eigenen politischen Akzente in der Wohnbaupolitik oder in der Arbeitsmarktpolitik setzt», erklärt Politologe Vatter die bürgerlichen Vorbehalte gegenüber einem Wirtschaftsminister Jans.

SVP rechnet auch mit freiem VBS

Guy Parmelins eigene Partei hält allerdings noch ein anderes Szenario für wahrscheinlich. In einer Medienmitteilung vom vergangenen Freitag schreibt die SVP von sogar zwei möglichen Departements-Rochaden. Deshalb: «[…] wird die SVP bei der Nachfolge ein besonderes Augenmerk auf die Fähigkeit zur Übernahme der Führungsverantwortung für das EJPD und das VBS legen», schreibt die SVP.

Diagramm mit einer Silhouette und den beiden Bundesräten Jans und Pfister.
Legende:

Dass der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Bundesrat Guy Parmelin das Wirtschaftsdepartement WBF übernehmen kann, ist unwahrscheinlich. Beat Jans oder Martin Pfister dürften Anspruch darauf erheben.

SRF

Könnte also auch Verteidigungsminister und Mitte-Bundesrat Martin Pfister das Wirtschaftsdepartement übernehmen? «Das würden die bürgerlichen Parteien und Verbände unterstützen», meint Politologe Adrian Vatter. «Das bräuchte dann auch einen politischen Mehrheitsentscheid im Bundesrat, was nicht immer gerne gesehen wird.»

Grundsätzlich gilt im Bundesratszimmer: Die Amtsältesten können ihr Departement wählen. Würden sich Beat Jans oder Martin Pfister nicht einig, müsste abgestimmt werden, was sehr selten vorkommt.

Zwei Männer in blauen Anzügen stehen nebeneinander im Nationalratssaal.
Legende:

Blick auf das Wirtschaftsdepartement? Die Bundesräte Martin Pfister und Beat Jans während der Sondersession des Nationalrats. (30.4.2026)

KEYSTONE/Alessandro della Valle

Was gegen Martin Pfister als Wirtschaftsminister spricht: Er ist erst vor eineinhalb Jahren im Verteidigungsdepartement angetreten mit dem Ziel, zu bleiben. Was für einen Wechsel von Beat Jans ins Wirtschaftsdepartement spricht: Das Justizdepartement gilt allgemein als unbeliebt, als «Anfänger-Departement».

Bundesratsmitglieder führten das Departement in der Vergangenheit oft nur kurz. Die heutige Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider verliess das Justizdepartement nach gerade einmal einem Jahr.

Porträts der Bundesrätinnen Baume-Schneider, Keller-Sutter, Sommaruga, Widmer-Schlumpf und Bundesrat Christoph Blocher.
Legende:

Mitglieder des Bundesrats blieben oft nur wenige Jahre im Justiz- und Polizeidepartement EJPD.

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