Baerbock über Angriffe gegen Frauen: Eine „toxische Kombination“ und der Moment, in dem sie die Politik fast aufgegeben hätte
Annalena Baerbock hätte nach den Plagiatsvorwürfen gegen sie während des Bundestagswahlkampfs im Jahr 2021 beinahe ihre politische Karriere aufgegeben. Das berichtet der „Spiegel“ in einem Porträt über die Politikerin. Darin erzählt Baerbock, die „Hater“ hätten fast gewonnen – bis ihr eine führende CDU-Politikerin gesagt habe: „Die wollen Sie kaputtschießen.“ Sie dürfe jetzt nicht einknicken.
Baerbock wurde damals vorgeworfen, in dem Buch mit dem Titel „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ Textstellen ungekennzeichnet aus anderen Veröffentlichungen übernommen zu haben. Sie hatte danach Fehler eingeräumt.
Baerbock über Angriffe gegen Frauen in der Politik
Mit dem „Spiegel“ sprach Annalena Baerbock auch über einen anderen Aspekt der teils heftigen Kritik an ihrer Person und anderen Politikerinnen wie der prominenten US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez. Sie sieht auch einen Zusammenhang mit ihrem Geschlecht: „Viele dieser Angriffe zielen bei Frauen bewusst auf die Integrität. Die einzuschüchtern, die erfolgreich, progressiv und auch noch selbstbewusst und gut gelaunt sind“, zitiert der „Spiegel“ sie. „Das ist die toxische Kombination, die viele triggert.“
Baerbock hatte zuletzt das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung inne und wird nun eine Professur an der Eliteuniversität Columbia in New York übernehmen. Am 8. September 2026 endete ihre Amtszeit turnusgemäß mit der Schlusssitzung der 80. Sitzungsperiode in New York. Ihr Nachfolger wird Khalilur Rahman aus Bangladesch.
Der „Zeit“ hatte die Politikerin über die Kritik an ihrer neuen Professur gesagt: „Die Kombi prominent, meinungsstark und feminin triggert offensichtlich manche ganz besonders.“
Ich bin im Amt so richtig zur Feministin geworden.
Annalena Baerbock, ehemalige Bundesaußenministerin
Baerbock spricht im „Spiegel“ außerdem über ihre Zeit als Bundesaußenministerin. „Ich bin im Amt so richtig zur Feministin geworden“, sagte sie dem Magazin. Der Grund: die Kritik an ihrer Arbeit und ihrer Person, auch aus den Medien und vor allem von Männern.
Baerbock galt in ihrer Zeit als deutsche Außenministerin als Verfechterin einer „feministischen Außenpolitik“, die unter anderem die Sicherheit und Repräsentanz von Frauen weltweit stärker in den Fokus rücken sollte.
Ihren Wechsel aus dem Außenministerium zu den Vereinten Nationen bewertet Baerbock im „Spiegel“ positiv: „Ich habe meinen geliebten Job als Außenministerin verloren, aber dafür meine Töchter wiedergewonnen.“ (kko)