„Steckt Samu nicht in eine Schublade“: Familie in Oberbayern schildert Kampf um Betreuung für Integrationskind
Stand: 09.09.2026, 20:50 Uhr
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Ob es um einen Platz in der Krippe, im Kindergarten oder in der Mittagsbetreuung der Schule ging: Für Familie Lepitre aus Reichersbeuern war es nie leicht, die passende Betreuung für ihren Sohn zu finden.
Reichersbeuern – Hinter Familie Lepitre aus Reichersbeuern liegt in den vergangenen Jahren eine wahre Odyssee. Dabei wollte das Ehepaar Christine und Marcel nur die Betreuung seines Sohnes Samu (8) sichern. Doch das erwies sich als große Herausforderung.
Absage aus dem Kindergarten Reichersbeuern
Wie die beiden berichten, ist Samu mit einem Gendefekt geboren. Er sei dadurch in der Entwicklung verzögert. „Uns ist klar, dass er ein Integrationskind ist“, sagt die Mama. Schon mit der Anmeldung in der Reichersbeurer Krippe begannen aber die Schwierigkeiten. „Wir haben erst ewig nichts gehört, ob wir nun einen Platz bekommen“, sagt Christine Lepitre. Also suchte die Familie nach einer Alternative, und meldete Samu als Integrationskind in der evangelischen Krippe Bad Tölz an. „Dort haben sie ihn sofort willkommen geheißen.“ Als auch aus Reichersbeuern eine Zusage kam, hatte die Familie bereits in Tölz fest zusagen müssen, um überhaupt einen sicheren Platz zu bekommen.
Weiter ging es dann mit dem Kindergarten. „Wir dachten, wir kümmern uns früh genug und haben Samu in Reichersbeuern angemeldet“, berichtet Marcel Lepitre. Doch wieder sei keine Antwort gekommen. Nach mehreren Gesprächen habe es schließlich eine Absage gegeben, weil Samu als Integrationskind drei Plätze benötige. Alle weiteren Versuche scheiterten. Glücklicherweise gab es wieder einen Platz in Bad Tölz bei der Arche Noah, „dort wurde er super aufgenommen, das war die beste Entscheidung“, sagen die Eltern heute. Trotzdem: Diese ganze Erfahrung habe so viel Kraft gekostet, es sei frustrierend, diskriminierend und einfach nur traurig. Ganz lange konnte die Familie nicht darüber reden.
Hort-Schließung wirft altes Problem auf
Es folgte der Übertritt in die Schule. Samu wurde eine geistige Behinderung bescheinigt, und die Eltern meldeten ihn an der Von-Rothmund-Schule an. Allerdings wäre dort ein Aufenthalt in der Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) vorgesehen gewesen, was fünf Tage die Woche bis 16.30 Uhr bedeutet hätte. „Das wäre für uns nicht infrage gekommen“, sagt Christine Lepitre. Nur an drei Tagen wäre eine Nachmittagsbetreuung notwendig gewesen, weshalb sich die Familie an die Mittagsbetreuung in Reichersbeuern wandte. Nach einem eigentlich guten Gespräch gab es dort aber doch die Absage: Samu sei kein einheimisches Kind, weil er in Tölz die Schule besuche. Glücklicherweise hatte die Familie vorsorglich auch im Hort in Sachsenkam angefragt, wo Samu einen Platz bekam. „Sie haben ihm eine Chance gegeben“, sagt die Mama. „Und es hat super geklappt.“ Was den Eltern wichtig ist: Samu sollte nicht in eine Schublade gesteckt werden.
Doch der nächste Einschnitt kam: Der Hort in Sachsenkam wird zum neuen Schuljahr geschlossen, da die Mittagsbetreuung der VG-Gemeinden künftig nur noch in Reichersbeuern stattfinden wird, wo sie vom BRK betreut wird. „In dem Schreiben der Bürgermeister Andreas Rammler und Ernst Dieckmann, das wir bekommen haben, stand, dass jedes Kind, das zuvor den Hort in Sachsenkam besucht hat, einen garantierten Platz in der Nachmittagsbetreuung in Reichersbeuern hat“, sagt Christine Lepitre. „Erst dachten wir: super. Aber dann ging es wieder los.“ Denn bei der erneuten Anmeldung in Reichersbeuern gab es ebenfalls erneut die Absage: Samu sei kein einheimisches Kind. „Wir haben einfach den Eindruck, Samu ist dort nicht willkommen“, sagt Marcel Lepitre. Mehrere Versuche, die Verantwortlichen der Mittagsbetreuung beim Roten Kreuz zu erreichen, seien gescheitert.
„Haben überlegt, was das Beste für Samu ist“
Nach weiterem Hin und Her und Gesprächen auch mit Bürgermeister Ernst Dieckmann habe man in Aussicht gestellt, dass Samu „vielleicht“ einen Platz bekomme. Doch natürlich hatte sich die Familie schon wieder anderweitig umgeschaut, da die Betreuung ab September gesichert sein musste. Nun hat Samu einen Platz in der HPT Augustinum in Bad Tölz, wo er drei Tage in der Woche nachmittags betreut wird.
Bürgermeister Ernst Dieckmann bedauert, dass die Familie den Eindruck bekommen habe, Samu sei nicht erwünscht. Er sagt, dass dies zu keiner Zeit der Fall gewesen sei. „Wir haben in einem gemeinsamen Gespräch versucht, zu überlegen, was das Beste für Samu ist“, so der Rathauschef. Der HPT-Platz sei nun sicher eine optimale Lösung. Ihm zufolge habe die zwischenzeitliche Absage des BRK daran gelegen, dass man davon ausgegangen sei, dass es bereits eine feste Zusage für einen Platz in der HPT gebe.
Bestens integriert in Sportvereinen
Die Krippe wiederum sei seinerzeit komplett voll gewesen, sodass die Aufnahme eines Integrationskindes die Absage an drei andere Familien bedeutet hätte. „In einer so vollen Einrichtung wäre es vermutlich auch nicht das richtige Umfeld für Samu gewesen.“ Für die Zukunft sei man besser aufgestellt. „Wir bauen um, wir können nun etwas anbieten, was wir damals nicht konnten.“ Auch seien eigene Integrationsgruppen in der Überlegung, weil man jetzt in diese Richtung denken könne. „Wir können nur leisten, was wir haben", sagt Dieckmann. Meist müssten die verschiedensten Belange berücksichtigt werden.
Familie Lepitre möchte darauf aufmerksam machen, wie schwierig es sein kann, wenn man kein „Regelkind“ hat. Vielleicht wende sich in Zukunft für andere Familien ja etwas zum Positiven, so die Hoffnung. Denn wie es gehen könne, würden die Sportvereine vor Ort beweisen. Samu ist sowohl in der Fußballmannschaft als auch beim Skiclub bestens integriert, sagen seine Eltern. „Er ist immer gut gelaunt, beliebt und einfach gerne mit dabei.“