Know-How aus dem Ukraine-Krieg: Deutsche Polizei will von Kiew Drohnenabwehr lernen


Nach Vorfall an Flughafen: Ukraine soll deutscher Polizei die Drohnenabwehr beibringen

Stand: 12.08.2026, 18:39 Uhr

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Die Ukraine hat bereits über 200 Spezialisten in die Golfstaaten entsandt – jetzt soll das Know-how auch bei der deutschen Polizei ankommen.

München – Am 4. August 2026 lag eine mit Militärsprengstoff beladene Drohne stundenlang unentdeckt neben einer ukrainischen Frachtmaschine auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle. Ein Busfahrer stoppte sie schließlich. Der Vorfall hat eine politische Debatte ausgelöst, die weit über Sachsen hinausgeht.

Nach Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle

Der Drohnen-Vorfall am Leipziger Flughafen hat Konsequenzen. (Archivbild) © Hendrik Schmidt/dpa

Die CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union Nordrhein-Westfalen zieht aus dem Anschlagsversuch eine klare Konsequenz: Deutsche Sicherheitsbehörden sollen systematisch von ihren ukrainischen Kollegen lernen. In einem Positionspapier, das der Welt vorliegt, fordert die JU NRW regelmäßige Arbeitsbesuche, gemeinsame Schulungen und einen dauerhaften fachlichen Austausch zwischen der Polizei NRW und ukrainischen Sicherheitsbehörden. Als Grundlage soll die bestehende Partnerschaft zwischen NRW und der ukrainischen Region Dnipropetrowsk dienen, die auf Polizei-, Sicherheits- und Katastrophenschutzbehörden ausgeweitet werden soll.

Erkenntnisse der Ukraine aus dem russischen Angriffskrieg: „Erfahrung sollten wir dringend nutzen“

„Kein Land weiß besser als die Ukraine, wie man kritische Infrastruktur unter Beschuss am Laufen hält und massive Drohnenangriffe abwehrt. Diese Erfahrung sollten wir dringend nutzen, bevor wir sie selbst machen müssen“, sagte JU-Landeschef Kevin Gniosdorz der Welt.

Unterstützung kommt aus Düsseldorf. NRW-Europaminister Nathanael Liminski (CDU) bezeichnete die Ukraine als globalen Maßstab: „Keine Armee, kein Staat und keine Gesellschaft hat dabei so viel Know-how wie die Ukraine.“ Und weiter: „Die Ukraine zeigt uns unter Echtzeit-Bedingungen, wie der Schutz kritischer Infrastruktur vor Drohnen heute gedacht werden muss: vernetzte Systeme, modulare Technik und schnelle Reaktion.“ Bei Gesprächen mit der Partnerregion Dnipropetrowsk sei bereits vereinbart worden, den fachlichen Austausch auszubauen.

Diese Einschätzung deckt sich mit internationaler Expertenmeinung. Der Atlantic Council bezeichnete Ukraines Verteidigung von Energieanlagen im Juli 2026 als „Blaupause für die Welt“ – das Land habe vier Jahre lang unter Beschuss ein System entwickelt, das Infrastruktur schützt, dezentralisiert und nach Angriffen schnell wiederherstellt. Das Soufan Center stellte Mitte Juli fest, dass der Krieg Kiew zum weltweit gefragtesten Zentrum für Drohnen- und Gegendrohnen-Expertise gemacht hat: Estland, Dänemark und die Niederlande unterzeichneten zuletzt Kooperationsabkommen mit der Ukraine, die Ukraine entsandte zudem über 200 Spezialisten in die Golfstaaten.

Gniosdorz benennt Deutschlands Schwachstellen offen: „Damit beispielsweise brennende Trümmerteile nicht in dicht besiedelten Innenstädten herabstürzen, müssen Bedrohungen bereits weit vor den Stadtgrenzen im unbewohnten Umland abgefangen werden. Damit hat Deutschland keinerlei Erfahrung.“ Die Polizei NRW registrierte im vergangenen Jahr 351 Drohnensichtungen – gegenüber 232 im Jahr zuvor.

Das Positionspapier enthält insgesamt sechs Forderungen. Neben dem Wissenstransfer mit der Ukraine soll NRW zur ersten deutschen Erprobungsregion für Drohnenabwehr werden. Mobile Abwehrsysteme sollen bei der Polizei bereitgehalten und bei Bedarf kurzfristig an gefährdete Standorte verlegt werden. Ein dauerhafter Verbund aus Polizei, Bundeswehr, Forschungseinrichtungen und Privatunternehmen soll neue Technologien unter realen Bedingungen testen. Außerdem fordert die JU unangemeldete Übungen an kritischer Infrastruktur sowie eine gesetzliche Grundlage für Drohnenabwehr im NRW-Polizeirecht. Am 18. August soll am DLR-Testflughafen Cochstedt ein Technologiezentrum für Drohnensicherheit eröffnen. (Quellen: Welt, Atlantic Council, Soufan Center) (cgsc)