Nach VSC-Pech in Madrid: Lando Norris wünscht sich fairere Regel
(Motorsport-Total.com) - Wenn selbst Rennsieger und WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli unverblümt zugeben muss, dass nicht er sondern Lando Norris den Sieg beim ersten Formel-1-Rennen in Madrid verdient gehabt hätte, dann sagt das schon eine Menge aus.

© Sutton Images
Die Freude über Platz drei war bei Lando Norris etwas verhalten Zoom
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Der Weltmeister hatte sich am Samstag die Poleposition mit einer wahren Fabelrunde erkämpft und war im Rennen auf dem Weg zu einem möglichen Sieg, bis die bittere Runde 14 alle Sieghoffnungen mit einem Schlag zerstörte.
Denn das virtuelle Safety-Car für den gestrandeten Lance Stroll wurde für den Briten zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ausgerufen. Norris war gerade an der Boxeneinfahrt vorbeigefahren, als das Signal kam. Antonelli hinter ihm konnte jedoch schnell reagieren und zum Reifenwechsel kommen - zu einem Zeitpunkt, an dem er ohnehin kurz vor seinem Boxenstopp stand.
"Lando hat schon in der Auslaufrunde gesagt: Wir waren zu schnell. Wir hätten langsamer sein müssen, damit wir unter dem Virtual Safety-Car hätten an die Box kommen können", hadert McLaren-Teamchef Andrea Stella bei Sky. Und in der Tat: Wäre Norris wenige Sekunden langsamer gewesen, hätte er wie Antonelli an die Box fahren und die Führung behaupten können.
So musste er jedoch noch eine ganze Runde fahren, bis er an die Box kommen konnte. Blöd nur: Kurz bevor er in die Boxengasse abbiegen wollte, wurde die Neutralisation aufgehoben.
Norris hadert: War der Einzige ohne Chance
"Ich war der Einzige, wirklich der Einzige im gesamten Feld, der keine Chance hatte, den Boxenstopp zu machen", ärgert sich der Brite. "Das ist einfach unglücklich."
"So etwas passiert in Rennen, und es gab in der Vergangenheit viele Momente, in denen ich davon profitiert habe, und Momente, in denen ich dadurch verloren habe. Das ist Rennsport - aber noch nie, wenn ich um einen Sieg gekämpft habe", sagt Norris. "Ich denke also, es ist wahrscheinlich eines der ersten Male, dass ein Sieg schlichtweg deswegen verloren ging."
Das sei für ihn vor allem nach der Leistung im Qualifying und nach der Pace zu Beginn des Rennens sehr frustrierend - zumal er sagt, dass er die Pace auch im gesamten weiteren Rennverlauf hatte. "Natürlich habe ich das Gefühl, dass ich heute mehr verdient gehabt hätte, aber die anderen sind auch ein gutes Rennen gefahren, und das muss ich ihnen auch anerkennen."
Norris' einzige Chance wäre wohl gewesen, wenn er das VSC antizipiert hätte und auf gut Glück an die Box gekommen wäre. Doch nach dieser Möglichkeit gefragt, hat er erst einmal keine Antwort: "Da muss ich mit dem Kommandostand sprechen. Ich fahre nur das Auto. Ich weiß solche Dinge nicht", sagt er.
"Ich muss also mit dem Team sprechen und sehen, was sonst noch war. Es ist nicht die Schuld des Teams, es ist nicht meine Schuld. So einfach ist das. Wir hatten einfach Pech."
Norris verteidigt Stopp direkt nach VSC
Viele Beobachter haben sich jedoch gefragt, ob es sinnvoll war, trotz Ablauf des VSC direkt im Anschluss an die Box zu kommen. Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, Norris wäre noch draußen geblieben? "Ich musste am Ende der Runde reinkommen, weil es die einzige Chance war", winkt er ab.
Denn: Dadurch, dass alle anderen auf kälteren Reifen unterwegs wären, hätte sich laut ihm immer noch zumindest ein kleiner Vorteil in der Boxengasse gegenüber einem späteren Stopp ergeben. Außerdem seien seine Medium-Reifen "im Eimer" gewesen, während sich der harte Reifen als schnell erwies.
"Die Pace war sehr, sehr stark, und auf dem harten Reifen haben wir... ich weiß, die anderen steckten fest, aber wir haben 13, 14 Sekunden oder fast noch mehr aufgeholt", betont Norris, der am Ende immerhin noch Dritter wurde, weil Charles Leclerc und George Russell später im Rennen noch einmal zum Reifenwechsel kamen.
"Es gibt also jede Menge Positives. Ein Tag voller positiver Aspekte. Nur eine Sache hat alles zunichte gemacht."
Wie kann man das VSC fairer machen?
Es ist unstrittig, dass das VSC heute wohl den falschen Sieger hervorgebracht und Norris als einzigen Fahrer klar benachteiligt hat. Es liegt daher in der Natur der Sache, dass wieder darüber gesprochen wird, wie man das System vielleicht etwas fairer gestalten kann.
Die Frage ist nur: wie?
"Es gibt ein paar Dinge, die man tun könnte, um es einfacher und für alle fairer zu gestalten", meint Norris und denkt etwa daran, allen Fahrern die Möglichkeit zum Boxenstopp zu geben oder die Boxengasse in einem solchen Fall für alle zu schließen. "Aber das ist eine größere Diskussion", meint der McLaren-Pilot. "Das ist nichts, worum ich einfach so bitten kann."
"Ich denke, das ist etwas, das wir als Gruppe von Fahrern alle wollen würden. Aber da steckt noch viel mehr dahinter, je nachdem, ob es regnet und es ein VSC gibt und man auf Slicks unterwegs ist. Bedeutet das dann, dass man an die Box darf oder nicht? Es ist also ein kompliziertes Thema", meint er. Und: "Es gibt wahrscheinlich immer einige Nachteile, wenn man es anpasst."
Norris weiß aber auch: "Natürlich beschwere ich mich heute darüber. Nächste Woche, beim nächsten Mal, könnte ich davon profitieren und deswegen gewinnen."
Verstappen: "Das ist wirklich nicht schön"
"Ich habe dadurch auch schon Rennen gewonnen. Ich habe dadurch Rennen verloren", pflichtet ihm Max Verstappen bei. "Für Lando ist es heute in diesem Fall extrem schmerzhaft, einen Sieg zu verlieren. Manchmal verliert man dadurch Punkte, aber dieses Mal ist es ein Sieg. Und ja, das ist wirklich nicht schön. Aber leider haben das schon viele Fahrer erlebt."
"Man gewinnt manche, man verliert manche. Aber kann es in Zukunft besser gemacht werden? Wahrscheinlich ja. Aber wir werden beim nächsten Briefing wahrscheinlich darüber sprechen und sehen, ob man etwas tun kann", so der Niederländer.
Denn Fairness für alle wäre für die Fahrer das optimale Szenario.
Vorerst muss Norris den Verlust des möglichen Sieges aber einfach hinnehmen, auch wenn es sehr schmerzhaft für ihn ist. "Es gibt buchstäblich nichts, was ich als Fahrer heute hätte tun können, um einen besseren Job zu machen", hadert er.
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"Pole geholt, das Rennen angeführt. Und es dann wegen etwas zu verlieren, das völlig außerhalb meiner Kontrolle liegt, ist ... ich finde nicht, dass ein Rennen so gewonnen werden sollte", sagt der McLaren-Pilot zerknirscht. "Und ich glaube, die Leute würden zustimmen."