Karten lügen seit 500 Jahren: Die UN beschließen neue Weltkarte – nur die USA stimmte dagegen
Nein, Grönland ist nicht so groß wie Afrika: UN stimmen für die Änderung des Weltkartenbilds
Stand: 06.09.2026, 18:47 Uhr
Die UN stimmen für eine neue Weltkarte. Nur die USA stimmten dagegen – auf der neuen Projektion wirkt Amerika kleiner.
New York City – Im Glaspalast in New York hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen vor Kurzem dafür gestimmt, eine Weltkarte einzuführen, die die Größen der Kontinente genauer darstellt. Dies ist der Schlusspunkt einer jahrelangen Kampagne, um die voreingestellte Sicht auf die Erde zu verändern – gestern votierten 164 Staaten für eine neue Karte. Nur die Vereinigten Staaten stimmten gegen die Maßnahme, Estland, Georgien, Litauen, Marokko, Serbien und die Ukraine enthielten sich. Auf der neuen Projektion wirkt das amerikanische Staatsgebiet kleiner als auf herkömmlichen Karten.
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Dieser Artikel von Enrico Maria Corno entstand in Kooperation mit Corriere della Sera
Offenbar ist das für die Trump-Regierung und das Bild von Stärke, das Amerika auch auf Landkarten vermitteln will, nicht akzeptabel, wie der jüngste Fall des Ontariosees zeigt. Dass Länder auf einer flachen Karte nicht maßstabsgerecht wiedergegeben werden, ist ein bekanntes Problem. Der flämische Kartograf und Geograf Gerhard Mercator entwickelte Mitte des 16. Jahrhunderts ein Verfahren, um die gekrümmte Erdoberfläche auf einer Ebene darzustellen, damit die Seefahrer jener Zeit ihre Routen mit geraden Linien planen konnten.

Die Mercator-Projektion bildet die Formen und Winkel der Landmassen korrekt ab, verzerrt jedoch ihre relativen Größen. Gebiete in der Nähe der Pole erscheinen größer – man denke daran, wie man einen Ball mit einem Blatt Papier einwickelt –, während Regionen nahe dem Äquator im Verhältnis kleiner wirken. Durch diesen geometrischen Kniff erscheint Grönland so groß wie Afrika, obwohl der afrikanische Kontinent etwa 14-mal größer ist.
Neue Projektion Equal Earth soll Verzerrungen korrigieren
Equal Earth ist die neue Kartenprojektion, die „eine genauere Darstellung der Größen der Kontinente bietet und eine Alternative zur Verbesserung der Genauigkeit von Weltkarten darstellt“. Togos Außenminister Robert Dussey, der zudem ein Land vertritt, das sich über 600 Kilometer Länge und nur 100 Kilometer Breite erstreckt und somit weniger stark von den Verzerrungen betroffen ist, erklärte vor der UNO, Karten „prägen unser Verständnis der Welt. Sie leiten die Bildung, beflügeln die Vorstellungskraft und beeinflussen die kollektive Wahrnehmung“.
Aus diesem Grund werde Togo die in Schulen verwendeten Karten bis Ende des Jahres austauschen. Frankreich kündigte an, dem Beispiel bald zu folgen. Historiker und Geografen argumentieren bereits seit Langem, dass die Mercator-Projektion tief in westlichen Stereotypen verwurzelt ist. Aktivisten griffen diese Position auf und prägten teilweise den Begriff „kartografischer Kolonialismus“. Ihrer Ansicht nach hat die Mercator-Projektion die internationalen Machtverhältnisse beeinflusst, indem sie die physische Präsenz des globalen Südens verkleinert darstellt.
UN-Beschluss ist symbolisch, Navigation bleibt Ausnahme
Obwohl der Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen völkerrechtlich nicht bindend ist und die Änderung von Karten die Welt selbstverständlich nicht verändert, lautete die Haltung aller übrigen Staaten – die derzeit mit ganz anderen Themen befasst sind – offenbar: Warum nicht? Angesichts der Natur und des Zwecks der bisherigen Karten gilt jedoch weiterhin: „Der Einsatz der Mercator-Projektion für die See- und Luftnavigation bleibt uneingeschränkt geeignet.“