Neue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im Schwarzwald
Die Serie „House of Yang“ erzählt nicht nur von einem Spukhaus im Schwarzwald. Es geht zudem um verdrängte Traumata, Rassismus und Homophobie.
Foto: SWR/ARD
Eigentlich will die alleinerziehende Jessie (Elisa Hofmann) mit ihrer Teenagertochter Mila (Purnima Grätz) nur für eine Stippvisite das mittlerweile verlassene elterliche Haus im Schwarzwald aufsuchen und die Immobilie möglichst schnell verkaufen.
Aber der Makler erklärt ihr, so werde er das Haus nie los. Sie müsse schon aufräumen, putzen, eventuell sogar streichen. Also bleiben Jessie und Mila in dem abgelegenen Wohnhaus am Waldrand und werden auf ebenso unheimliche wie schmerzvolle Weise mit der Geschichte und den Traumata ihrer Familie konfrontiert.
Die ARD-Serie „House of Yang“ ist eine außergewöhnliche Produktion. Zwischen Mystery und Horror light angesiedelt erzählt die Miniserie in sechs knapp halbstündigen Episoden die Geschichte der deutsch-chinesischen Familie Yang aus dem Schwarzwald. Showrunnerin und Drehbuchautorin Stefanie Ren gewann mit dem Serienkonzept den vom SWR 2023 ausgeschriebenen Ideenwettbewerb „Tief im Südwesten“ für eine originäre in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz angesiedelte Serie.
Die Serie
„House of Yang“ – ab 9.10.in der ARD-Mediathek und am 9.10. ab 23.55 Uhr analog im Ersten.
Für Jessie ist der Aufenthalt in dem Haus ein psychischer Grenzgang. Als sie Teenagerin war und in dem Haus lebte, verschwand ihre jüngere Schwester spurlos und wurde nie wieder gefunden. Während sie mit ihrer Tochter Mila nun das Haus aufräumt, steht sie plötzlich ihrer verstorbenen Mutter gegenüber. Ist das eine Halluzination? Leidet Jessie an einer Psychose? Wird durch den Aufenthalt im Haus ein altes Trauma getriggert?
Ein Rätsel zwischen den Zeiten
Ihre jüngere Schwester schloss sich vor über 20 Jahren angeblich in einem Raum des alten Hauses ein, dessen Tür hinterher einfach nicht mehr da war. Die Serie erzählt diese immer düsterer werdende Geschichte des Schwarzwälder Spukhauses in drei Zeitebenen: 1949, 1999 und in der Gegenwart. Dabei spielt die rassistische Grundhaltung der deutschen Familie eine wichtige Rolle, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in dem Haus wohnt und Jessies chinesischer Mutter Unterschlupf gewährt. „House of Yang“ ist wie ein psychoanalytisches Rätsel aufgebaut, in dem die Akteure erst ganz langsam verdrängte Aspekte ihrer Vergangenheit aufschlüsseln.
Die geheimnisvollen Türen und verschwundenen Räume müssen mit einer schmerzlichen vergangenheitsbewältigenden Arbeit sichtbar gemacht und wieder geöffnet werden. Die als Geistergeschichte verschlüsselte Familiensaga ist dramaturgisch durchaus gewagt und überzeugt nicht immer, bietet aber eine atmosphärisch ungemein dicht inszenierte Story, die unter die Haut geht.
Im Gegensatz zu Serien wie „Dark“ oder „Stranger Things“ gibt es hier keine Monster oder parallele Dimensionen, die eine irgendwie geartete Fantasy-Rationalisierung des gruseligen Schreckens bieten. Der Horror in „House of Yang“ ist erst einmal rein psychologisch, steckt in der Persönlichkeit der Figuren und lotet die Gewalt ihrer sozialen Bindungen aus.
Das radikal allegorische Erzählen hat dabei natürlich seine Grenzen, verlangt wegen der drei ineinandergeschobenen Zeitebenen einiges an Aufmerksamkeit und erzählt aber pointiert von Ausgrenzung, Missbrauch, Eifersucht, Homophobie und dem Trauma kollektiver Familienschuld. Die dramaturgische Spannungsschraube wird dabei bis zur letzten Szene angezogen und mündet in ein verblüffendes Finale.
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