Parteien, die Porzellan zerschlagen: „Großes Entertainment. Berlin halt“


Friedrich Küppersbusch

Das Alleinstellungsmerkmal der SPD, der dicke Strahl des Exportweltmeisters und süße Hundenamen, die man auch knülle noch sehr gut aussprechen kann.

Navanethem Pillay steht in einem holzgetäfelten Raum
Die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay

Foto: Daniel Karmann/dpa

t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Für so was wie die Wahl in Magdeburg ist Annegret Kramp-Karrenbauer zurückgetreten. taz: Und was wird besser in dieser?

Küppersbusch: Friedrich Merz fand das richtig.taz: Wie lange geben Sie einer möglichen rot-grün-roten Koalition in Berlin? Und was wäre ihre größte Herausforderung?

Küppersbusch: In anderer Hackordnung arbeiteten diese Parteien bereits sechs Jahre als R2G und neun Jahre Rot-Rot als Berliner Regierung zusammen. „Sieht man“, sagen manche Berliner, doch den direkten Weltuntergang draus abzuleiten, ist auch forsch. Spannend wird etwa, ob die Stadt den mit Internationalem Strafbefehl gesuchten Benjamin Netanjahu empfängt, oder die Friedensnobelpreisträgerin, die ihm Völkermord vorwirft. Rechnen wir vorerst nicht mit einem Treffen. Die größte Challenge scheint mir der unbedingte Vernichtungswille der Springer-Presse. Der Universalgelehrte Döpfner plagiiert bereits das Schumacher-Wort von den „rot lackierten Faschisten“. Schön, dass er sonst keine Sorgen hat. Und dann das leidige „Vergesellschaftungsthema“. Die Aufstellung „Links und Grün gegen die SPD als letztes Bollwerk des Großkapitals“ verspricht großes Entertainment. Berlin halt.

taz: Altkanzler Schröder hat in Moskau Putin zum Geburtstag gratuliert. Was treibt den Mann und seine Männerfreundschaften an?

Küppersbusch: Ich bin kein Psychologe, sonst stünde hier: „Geltungsdrang“. Schröder war überzeugt: Sein „Nein“ zum völkerrechtswidrigen Irak-Krieg 2003 trug ihm den Hass der Bush-Administration ein, die prompt mannigfaltig geholfen habe, ihn abzusägen. Da mag Putin-Patina entstanden sein. Heute kann man allerdings staunen: Schröder-Putin-Bilder werden mit Ukraine-Horror kombiniert serviert – während Trumps Wurschtigkeit gegenüber der Ukraine brav getrennt sortiert wird von seinem völkerrechtswidrigen Krieg gegen Iran. Auch das Treffen Wadephul-Lawrow wurde eher als notwendiges Übel geframed, als dass der deutsche Außenminister damit für die Kriegsverbrechen der Russen mitverantwortlich sei. Solange man Schröders selbstherrliche Stinkefingerei verächtlich machen kann, badet es sich schön lau in der hochmoralischen Ablehnung jeder Diplomatie. Beides hilft der Ukraine null.

taz: Die Porzellanmanufaktur Kahla stellt ihren Betrieb zum Jahresende ein. Haben Sie auch ein Stück zu Hause stehen?

Küppersbusch: Kann sein, dass wir mal eine „Maus“-Tasse aus Kahla hatten. Nicht zu klären, denn unter der neuerlichen Konkurs-Nachricht ist der Kahla-Shop implodiert: „Aufgrund des aktuell sehr hohen Auftragsvolumens können wir momentan leider keine neuen Bestellungen annehmen.“ Alter Spaßvogel Kapitalismus, er hat nicht alle Tassen im Schrank.

taz: Boris Pistorius scheint sich nicht mehr länger unter dem Stahlhelm verstecken zu wollen. Sollte er eine größere Rolle in SPD und Bundespolitik spielen?

Eben wurde noch Manuela Schwesig zur neuen starken Frau hochgefeiert. Solange so was geschieht, um vor allem Klingbeil und Bas abzuschießen, ist Pistorius gut beraten, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Springen muss er irgendwann trotzdem. Sonst verwüstet, ja nachgerade verhendrikt auch die SPD. Pistorius Antifa-Spaziergang unter roten Fahnen trifft einen Punkt: Das tapfere Nein zu Hitler ist ein Alleinstellungsmerkmal der SPD. Beschwerden von Merz und CDU gegen diese Positionierung kommen 93 Jahre zu spät.

taz: Luna und Nala sind auch 2026 die beliebtesten Hundenamen in Deutschland. Was sagt das über unser Land?

Küppersbusch: Dass man zunehmend Hundenamen wählt, die man auch betrunken oder bekifft noch hinkriegt. Dem Tier hilft das wenig, seine Hörfrequenzen liegen wesentlich höher als die des Menschen. Daher früher Zischlautnamen wie „Hasso“, „Zeus“ oder „Assi“. Und Ultraschallpfeifen, die mensch fast nicht hört, fürs Tier aber schon arge Quälerei sein können. Der Zischlautmangel in den aktuellen Namenscharts deutet auf organisierten Ungehorsam hin, das kann spannend werden. Faustformel: Das Tier hört auf die Sprachmelodie, die Worte sind eh wumpe. Also eher entspannt und beruhigend sagen „Nimm bitte die Zähne aus meiner Wade.“ Viel Glück!

taz: Der Friedensnobelpreis geht heuer an die Südafrikanerin Navanethem „Navi“ Pillay. Hat Sie das überrascht?

Küppersbusch: Nach der unleserlichen Entscheidung im Vorjahr – ging es für oder gegen Trump? Gegen Maduro für Venezuela? Für Machado mit oder ohne Trump? – konnte man nicht zwingend mit so einer klaren Entscheidung für das Völkerrecht rechnen. Um so besser.

taz: „Berlin will sich nicht länger von China herumschubsen lassen. Richtig so“, ist ein Kommentar in der SZ überschrieben. Wie wäre die Überschrift zu Ihrem Kommentar zum Thema?

Küppersbusch: „Ex-Exportweltmeister kotzt dicken Strahl über seinen Exportweltmeister“

taz: Und was macht der RWE?

Tickets gegen Fortuna Köln morgen Abend waren online ca. eine Minute nach Verkaufsstart weg. Ich bin sehr traurig. Fragen: waam

Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und heiligt seine Hedwig-Bollhagen-Kaffeetasse.

Friedrich Küppersbusch

Friedrich Küppersbusch

Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".

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