Tardoc sorgt für Ärger: Leser kritisieren neuen Arzttarif
Neuer Arzttarif polarisiert
«Wir gehen an diesen hohen Kosten zugrunde!»
Der Fall eines 76-Jährigen, der für einen wenige Minuten dauernden Eingriff 1642 Franken bezahlen sollte, sorgt für Diskussionen. Zahlreiche Leserinnen und Leser schildern ähnliche Erfahrungen mit hohen Rechnungen und kritisieren den neuen Arzttarif Tardoc.
Publiziert: 13:32 Uhr
|
Aktualisiert: 13:52 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Neues Arzttarifsystem Tardoc sorgt für massive Kostensteigerungen bei einfachen Eingriffen
- 76-Jähriger soll 1642 Fr. für zehnminütigen Eingriff zahlen
- Neue Tardoc-Anpassungen ab 1. Januar 2027 sollen Kostenprobleme adressieren
Der Fall von Walter O. wirft grundsätzliche Fragen zum neuen Schweizer Arzttarif Tardoc auf. Für die Entfernung eines kleinen Stützdrahts am Zeh wurden dem 76-Jährigen 1642 Franken verrechnet. Ein Eingriff, der nur wenige Minuten dauerte und im früheren Tarifsystem noch weniger als 100 Franken gekostet hätte. Seit Anfang Jahr muss die Behandlung unter einer neuen Pauschale abgerechnet werden– unabhängig davon, wie gering der tatsächliche Aufwand im Einzelfall ist.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) räumt inzwischen ein, dass es bei der entsprechenden Tarifposition ein Problem gibt. Die Pauschale decke eine breite Palette von Eingriffen ab und sei für einfachere Behandlungen wie die Entfernung von Drähten «nicht in allen Fällen sachgerecht», erklärt das BAG. Die Tarifpartner haben deshalb Anpassungen vorgenommen, die mit der revidierten Fassung von Tardoc per 1. Januar 2027 in Kraft treten sollen.
Weitere Beispiele sorgen für Unmut
Der Fall von Walter O. ist dabei nur ein Beispiel in einer grundsätzlichen Debatte über die Zukunft der medizinischen Tarife. In zahlreichen Reaktionen schildern unsere Leserinnen und Leser eigene Erfahrungen mit hohen Gesundheitskosten. Leser Alois Leimgruber berichtet von einer 30-minütigen neurologischen Konsultation, die mit 1450 Franken zu Buche geschlagen habe. «Wir gehen an diesen hohen Kosten zugrunde!», schreibt er.
Auch Mike Wyss berichtet von einer deutlichen Kostensteigerung. Er hatte eine Krampfaderbehandlung, deren Kosten mit dem neuen Pauschaltarif von rund 2500 bis 3000 auf knapp 8000 Franken gestiegen seien. «Ambulanter Eingriff mit örtlicher Betäubung, Dauer: eine Stunde. Smalltalk mit Arzt während OP war lehrreich – immerhin!», schreibt er.
Leser kritisieren das System
Besonders die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Aufwänden und der verrechneten Summe stösst in unserer Leserschaft auf Kritik. «Das soll Kostendämpfung sein?», schreibt etwa Michael Ronner. Für ihn zeigt sich darin ein grundlegendes Problem des Gesundheitssystems. «Die Krankenkassen konkurrieren, während bei Ärzten, Spitälern und Pharma falsche Tarifanreize und Mengenausweitungen die Kosten treiben. Tardoc ist dafür ein eindrückliches Beispiel.» Er fordert einen wirksamen Kostendeckel oder einen grundlegenden Systemwechsel: «Denn dieser Scheinwettbewerb hat das Kostenproblem nicht gelöst!»
Die Komplexität des Systems sorgt ebenfalls für Kritik. «Da wird im Namen der Gesundheit kräftig verdient!», schreibt Leser Michael Meienhofer. Er bezweifelt, dass neue Tarifmodelle am grundlegenden Problem etwas ändern. Für die Versicherten würden die ohnehin komplizierten Abrechnungsmodelle lediglich neu ausgelegt.
«Einige Eingriffe sind viel zu günstig»
Es gibt allerdings auch eine differenziertere Sicht auf die neuen Pauschalen. Leser Lukas Gruber sieht das Problem weniger in generell zu hohen Tarifen als in einer Verschiebung innerhalb des Systems. «Einige Eingriffe sind viel zu günstig, dafür andere viel zu teuer», schreibt er. Diese Querfinanzierung sei bereits bei der Einführung des neuen Systems kritisiert worden. Für ihn müsse eine faire Tarifstruktur deshalb auch bedeuten, dass Leistungen, die heute zu tief vergütet werden, wieder entsprechend höher angesetzt werden.