Neuer Betriebsrat bei OESL: Werk in Korbach jetzt geteilt


Stand: 16.07.2026, 18:00 Uhr

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Der neue (erste) Betriebsrat von OESL Korbach mit 400 Mitarbeitern

Der neue (erste) Betriebsrat: (von links) Alexander Blum, Tatjana Beckmann, Denis Weidmann, Inga Badet, Björn Emde, Diana Kleeberg, Johannes von Randow, Erik Heidt und Bernd Büddefeld. Es fehlen Salih Türkmen und Markus Jost. © Foto: Dennis Schmidt

Seit dem Verkauf der ehemaligen Conti-Sparte OESL an den US-Investor Regent ist das Werksgelände in Korbach baulich zweigeteilt – nun hat ein neuer, elfköpfiger Betriebsrat seine Arbeit aufgenommen.

Korbach – Die ehemalige Conti-Sparte OESL gehört offiziell dem US-Investor Regent (wir berichteten). Das macht sich inzwischen auf dem Betriebsgelände bemerkbar: Conti und OESL sind räumlich, infrastrukturell und personell streng voneinander getrennt. Die Arbeiterinteressen vertritt seit vergangener Woche ein eigener Betriebsrat.

Im Juni konnten die mehr als 400 Beschäftigten bei 18 Kandidaten ihr Kreuz machen, rund 250 nutzten die Möglichkeit, was 62 Prozent Wahlbeteiligung entspricht. In der vergangenen Woche kamen die elf gewählten Mitglieder erstmals zusammen. In ihrer zweiten Sitzung sprachen sie über aktuelle Herausforderungen, etwaige Chancen und wie es ist, plötzlich vom Rest des Werks abgetrennt zu sein.

Tor 9 und Tor 10 sind eine direkte Folge des Verkaufs. Weil Inhaber Regent nur Elemente wie Werkschutz und -feuerwehr mit Conti teilt, kam eine vier Meter hohe Metallwand direkt durch die OESL- und Contitech-Halle. Wo sich früher die Mitarbeiter der beiden Firmenteile hallo sagen konnten, ist nun keine direkte Verbindung mehr möglich. Zäune und die beiden Tore zeigen ab sofort: Hier sind zwei verschiedene Firmen am Werke. Stromversorgung, Mitarbeiter – alles getrennt. Die alte schwarze Mitarbeiterkleidung ist nur noch als Übergang geduldet. Irgendwann verschwindet als optisches Zeichen auch das Conti-Orange aus dem Werksbild. Regent wird es, so heißt es bei OESL, durch eine eigene neue Marke ersetzen. „Der menschliche Kontakt fehlt schon“, gibt Björn Emde offen zu.

Zum Investor besteht kein direkter Kontakt, viele Drähte laufen aktuell immer noch in Hannover zusammen. „Wir würden uns freuen, wenn da was kommt“, sagt Vorsitzender Bernd Büddefeld. Er ist seit fast 40 Jahren bei der Conti – nun hat er als Betriebsratschef einen neuen Arbeitgeber. Ihm zur Seite steht als Stellvertreterin und freigestellte Betriebsrätin Diana Kleeberg. Die aktuell wichtigste Aufgabe? „Wir wollen das Personal halten“, sagt Büddefeld ganz klar.

Das Gremium ist bisher unerfahren, lediglich Büddefeld konnte in der Übergangsphase und als Ersatzbetriebsrat bereits ein wenig Betriebsratsluft schnuppern. Was aber nach Ansicht der Mitglieder passt: die Vernetzung. Lager, Werkstatt, Versand, Entwicklung, Finanzen – der Betriebsrat setzt sich aus nahezu allen Abteilungen zusammen und hat sein Ohr direkt bei den Mitarbeitern. „Wir sind ein klasse Team. Und man kann jederzeit zu uns kommen“, sagt Betriebsrätin Tatjana Beckmann.

Positiv: Die Auftragslage sei gut, aktuell arbeiteten die Mitarbeiter in zwei bis drei Schichten. Gleichzeitig fällt auf: Ein Schlauch kann zur Prüfung inzwischen um den halben Erdball in die USA geschickt werden, statt wie früher direkt vor Ort auf dem Contigelände. Das ist die neue OESL-Welt. Wie ist die Stimmung bei den Beschäftigten? „Viele sind aufgeregt, manche neugierig. Es geht hier ja auch um die ganzen Familien“, ist Inga Badets Erfahrung.

Die bauliche Trennung erfordert eine echte Umgewöhnung. „Früher haben wir viel mit der Conti-Schlosserei direkt gemacht. Das geht nun alles nicht mehr“, erläutert Denis Weidmann. Eine weitere kuriose Folge: Ware, die OESL früher auf Palette direkt an die nächste Halle fahren konnte, muss nun auf einen LKW geladen, ausgebucht und dann über den Nordring zur Arolser Landstraße trensportiert und als Fremdware dort angenommen werden.

Beim Betriebsrat steht zunächst wöchentlich eine Sitzung an, „wir sind erst in der Findungsphase“, sagt Büddefeld ganz offen. Aufgaben und Themen wie Wirtschaft, Personal, IT oder Produktion teilen sich die elf Betriebsrätler noch auf, Fortbildungen warten. Zeit zum Finden gibt es eher nicht. „Unser Auftragsbuch war sofort voll“, so Büddefeld.

Wir wollen das Personal halten.