Neuer IHK-Vorsitzender Schleicher fordert moderne, digitalisierte Verwaltung
Stand: 16.07.2026, 18:00 Uhr
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Stefan Schleicher ist neuer Regionalausschuss-Vorsitzender der IHK für Weilheim-Schongau. Der Penzberger Unternehmer will mit Landrat Bertl eine Strategie für Firmenansiedlung ausarbeiten.
Landkreis – Die Interessenvertretung aller Wirtschaftszweige zu leisten, spielt für Schleicher, von Haus aus Maschinenbau-Ingenieur sowie Gesellschafter und Beirat der Schleicher Fahrzeugteile GmbH, eine große Rolle. „Dafür möchte ich jetzt in der Startphase alle Ausschussmitglieder und ihre Betriebe kennenlernen. Ich kann mich nur für ihre Belange einsetzen, wenn ich die Bedürfnisse der einzelnen Branchen verstehe.“
Ein Neuling ist der Penzberger aber nicht: Bereits in der vorherigen Wahlperiode war Schleicher im Regionalausschuss und im Fachausschuss Industrie und Innovation der IHK für München und Oberbayern vertreten.
Die Beziehung zur Politik solle keineswegs eindimensional verlaufen, betont Schleicher. Die Wirtschaft solle bessere Rahmenbedingungen einfordern, aber auch politischen Entscheidungsträgern ihr Wissen zur Verfügung stellen. „Mit einem gemeinsamen Schulterschluss können wir dafür sorgen, Deutschland für den internationalen Wettbewerb fit zu halten“, wirbt der 54-Jährige.
Stefan Schleichers Werdegang
Als sein Vater 1997 unerwartet starb, stieg Schleicher aus dem Flugzeug, das ihn für zwei Jahre nach Michigan zu Bosch bringen sollte, wieder aus – und als Geschäftsführer in das 1945 vom Großvater gegründete Unternehmen ein. Fast 30 Jahre lang führte er die Schleicher Fahrzeugteile GmbH als Geschäftsführer, bis er zum Jahreswechsel 2025/26 in den Beirat wechselte. Der 54-Jährige hat zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe und mit seiner jetzigen Lebensgefährtin siebenjährige Zwillingsbuben.
Mit der Schleicher Kunstfabrik in der Boschetsrieder Straße in München widmet sich der Ingenieur nun auch Kunst und Kultur. In der ehemaligen Produktionsstätte finden Ausstellungen, Kino und sogar ein Tatort-Dreh statt. Kulturelle Zwischennutzung statt Leerstand.
Die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland seien in Berlin dieselben wie in Weilheim-Schongau. „Wir brauchen überall eine moderne, schlanke, digitalisierte Verwaltung mit einer hohen Antwort- und Erledigungsgeschwindigkeit. Ich denke da zum Beispiel an die Themen Gründen, Expandieren, Bauen oder die rasche Straßenanbindung von neuen Gewerbeflächen“, sagt Schleicher.
Gleichermaßen in der Pflicht
Auch beim Punkt Überregulierung nimmt der neue IHK-Vorsitzende Politik und Unternehmer gleichermaßen in die Pflicht: „München, Berlin und Brüssel müssen den Staat modernisieren, das Arbeitsrecht, das Baurecht, das Umweltrecht reformieren. [...] Vor allem dürfen sich Vorschriften nicht widersprechen und gegenseitig wieder aufheben.“ Was die Unternehmen selbst angeht, appelliert Schleicher, Prozesse zu überdenken, die Freigabenflut einzudämmen, Überregulierungen abzubauen.
In dem Zusammenhang ergänzt IHK-Geschäftsstellenleiter Andreas Korn: „Dass Landrat Bertl die Bewerbung des Kreises für das Bayerische Modellregionengesetz angekündigt hat, unterstützen wir natürlich. An dem Versuch, landesrechtliche Vorgaben, etwa bei Genehmigungsprozessen, Förderverfahren oder im Baurecht, auf Zeit auszusetzen oder zu vereinfachen, möchten wir gerne teilnehmen.“
Ansiedlung neuer Firmen
Zusammen mit dem Landrat wolle der IHK-Ausschuss außerdem möglichst bald eine langfristige Strategie für die Ansiedlung neuer Firmen und die Schaffung von Wohnraum ausarbeiten, wie Stefan Schleicher erklärt. „Umweltunternehmen, KI- und Digitalisierungs-Start-ups helfen uns dabei, ein moderner Landkreis zu bleiben.
Mit dem Slogan ‚arbeiten, wo andere Urlaub machen‘ kann man durchaus werben.“ Kurzfristige Maßnahmen seien wiederum, mehr in die Höhe zu bauen, was auch die schöne bayerische Landschaft schonen würde, sowie Leerstände zu beseitigen, indem eine Vermietung für Eigentümer attraktiver gemacht werde. Der Idee des grünen Münchner Oberbürgermeisters Dominik Krause, leer stehende Bürogebäude in großem Stile in Wohnraum umzuwandeln, kann der Penzberger einiges abgewinnen.
Neben der unter Beweis gestellten Kreativität sei aber vor allem eine gute (Aus-)Bildung Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft sowie eine stabile Demokratie. „Unsere Pflicht als Unternehmer ist es, die Jungen und auch die Erwachsenen, die aus vielen Ländern dieser Welt zu uns kommen, gut auszubilden, sowohl fachspezifisch als auch im Bürgersinne.“ Den Vorstoß der Politik, Asylbewerber nun doch bereits vor Abschluss ihres Verfahrens arbeiten zu lassen, begrüßt er ausdrücklich: „Kommen! Anfangen! Die Leute haben zu Hause ja auch gearbeitet. Und es ist auch nur fair denjenigen gegenüber, die hier fleißig arbeiten.“