Wettersatellit von Eumetsat warnt früher vor Unwetter
Dank eines neuen Satelliten hat die europäische Wetterorganisation Eumetsat einen so genauen Eindruck von der Atmosphäre wie nie zuvor. Damit ist eine frühere und genauere Wettervorhersage möglich, wie Phil Evans, Generaldirektor von Eumetsat, sagte. Vor Stürmen, Unwettern und Überschwemmungen kann nach seinen Worten künftig früher gewarnt werden. Die Vorhersage von Extremwetter rette Leben, weil den Bewohnern der betroffenen Gebiete mehr Zeit bleibe, sich in Sicherheit zu bringen, sagte Tony McNally, Bereichsleiter am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen. Für die Evakuierung vor einem Sturm blieben dann drei bis fünf Tage, nicht nur Stunden.
Der Flugkörper von Eumetsat hat einen „Infra-Sounder“ an Bord, der mit seinem Sensor für Wärmestrahlung die verschiedenen Luftschichten sondiert. Damit werden Daten zu Temperatur und Feuchtigkeit aufgenommen. Weil dabei Messwerte in verschiedenen Höhen erfasst werden, lässt sich aus den Daten eine dreidimensionale Darstellung der Atmosphäre erstellen. Gesteuert wird der Satellit im Kontrollraum von Eumetsat in Darmstadt.

Der neue Flugkörper ist nach Angaben von Eumetsat der erste seiner Art in Europa und gehört zu einer Gruppe von europäischen Wettersatelliten mit dem Namen „MTG“, kurz für „Meteosat Third Generation“. In dieser Woche hat er den Namen Meteosat-13 erhalten. Ins Weltall getragen wurde der fünf Meter große und fast vier Tonnen schwere Satellit schon im vergangenen Jahr, die Rakete Falcon-9 des Unternehmens SpaceX mit ihm an Bord hob im Juli 2025 auf dem amerikanischen Raumfahrtbahnhof Cape Canaveral ab.
Blick auf Europa aus einer Höhe von 36.000 Kilometern
Meteosat-13 befindet sich den Fachleuten zufolge auf einer geostationären Umlaufbahn über dem Äquator, das bedeutet, er dreht sich mit der Erde mit und schwebt immer über dem gleichen Punkt der Oberfläche. Aus einer Höhe von 36.000 Kilometern hat er einen Überblick über Europa. Der Kontinent wird alle halbe Stunde aufgenommen, sodass immer aktuelle Daten vorliegen. So wird die Zeit als vierte Dimension in der Darstellung berücksichtigt. Neben Temperatur und Wasserdampf werden auch Ozon, Staub und Vulkanasche erfasst.
Erstmals kann der Wind in der Atmosphäre in allen Richtungen, seitwärts, aufwärts und abwärts, verfolgt werden, wie Bojan Bojkov sagte, bei Eumetsat Abteilungsleiter für ferngesteuerte Sensorik. Für die Auswertung der Aufnahmen wird nach seinen Angaben eine Künstliche Intelligenz trainiert. So lasse sich eine Kurzzeitvorhersage innerhalb von elf Minuten erstellen.
Die Messwerte werden mit den Daten eines zweiten Satelliten der MTG-Gruppe kombiniert, der mit einer Kamera Wolken, Blitze und Waldbrände abbildet, wie McNally erläuterte. Nach seinen Angaben ist die dritte Generation von Meteosat das „komplexeste europäische Erdbeobachtungssystem für Wetter und Klima, das je gebaut wurde“.
Mit den Messungen können Meteorologen erkennen, wenn die Atmosphäre instabil wird, noch bevor sich sichtbare Wolken am Himmel bilden, sagte Evans. Wegen des Klimawandels kommen nach seinen Worten Extremwetterereignisse häufiger vor und fallen intensiver aus. Je früher erkannt werde, dass eine gefährliche Wetterlage entstehe, desto mehr Zeit bleibe den Einsatzkräften zum Eingreifen. Die von dem Satelliten gelieferten Daten stünden den Wetterdiensten in den Mitgliedstaaten von Eumetsat zur Verfügung, etwa dem Deutschen Wetterdienst. Diese Dienste erstellten dann eine Vorhersage für ihr Land.
Auch spezielle Wetterphänomene können nun verfolgt werden, wie Bojkov erläuterte. Zum Beispiel nehme die Rauchsäule eines Waldbrandes, die vom Wind bis zu 200 Kilometer seitwärts abgetrieben werde, Wasser auf, wenn Tröpfchen an den Partikeln des Rauchs kondensierten. Daraus entstünden Gewitterwolken, was der Infrarot-Sounder wahrnehme.
Den neuen Satelliten hat Eumetsat nach eigenen Angaben zusammen mit der europäischen Weltraumagentur ESA entwickelt, die ihren Sitz ebenfalls in Darmstadt hat. Gebaut wurde Meteosat-13 von Industrieunternehmen, zu denen das französisch-italienische Unternehmen Thales Alenia Space und der deutsche Raumfahrtkonzern OHB mit Sitz in Bremen gehören.