Das neue Institut für Islam und Demokratie will über den politischen Islam aufklären
Als das Forschungszentrum „Globaler Islam“ vor einem Jahr seine Türen schloss, fiel dem Präsidium der Universität Frankfurt wahrscheinlich ein Stein vom Herzen. Das dort angesiedelte Institut war das einzige seiner Art, das sich konsequent mit dem Islamismus befasste. Vor Konferenzen hagelte es regelmäßig Anfeindungen von Politikern, Aktivisten und Wissenschaftlern, denen der Kurs zu politisch schien oder für die kritische Befassung mit Islamismus per se unter dem Verdacht der Islamfeindlichkeit stand. Es kam zu mehreren Eklats. Rassismus- und Sexismusvorwürfe gegen die Institutsleiterin Susanne Schröter blieben jedoch ohne Beleg.
Zugleich war das Zentrum ein Magnet für Wissenschaftler, die wegen ihrer Beschäftigung mit dem Islamismus angefeindet wurden. Es zog Politiker, Kriminalbeamte und scharenweise Zivilisten an, die andernorts keine Antwort auf ihre Fragen zum Islamismus fanden. Die um ihre gesellschaftliche Strahlkraft besorgte Universität hätte sich glücklich schätzen können, bemühte sich nach der Emeritierung von Schröter aber nur halbherzig um die Fortführung des Instituts. Am Ende schien man froh zu sein, es los zu sein und wieder seine Ruhe zu haben. Die Abschlusskonferenz konnte mangels Geld für den Personenschutz nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Schwerpunkt auf Islamismus
Vergangenen Donnerstag ist das Zentrum unter dem Namen „Institut für Demokratie und Islam“ (INDEMNIS) in privater Initiative neu gegründet worden. Sitz des Instituts ist Frankfurt, die Direktorin heißt wiederum Susanne Schröter. Zu den Gründungsmitgliedern gehören aus der alten Institutsgeschichte bekannte Namen wie der Migrationsforscher Ruud Koopmans oder der Islamtheologe Mouhanad Khorchide. Das neue Institut versteht sich als Stimme eines liberalen Islams. Der Schwerpunkt der Forschungs- und Beratungstätigkeit soll wie bisher auf dem Islamismus liegen, insbesondere auf dessen legalistischen Arm. Der ist als solcher schwer zu erkennen ist, da er sich äußerlich demokratisch gibt. Langfristig zielt er jedoch darauf ab, europäische Gesellschaften in Gottesstaaten zu verwandeln. Das europäische Netzwerk des politischen Islam ist undurchsichtig mit der staatlichen Förderbürokratie und arabischen Geldgebern verstrickt. Die Grenzlinie zwischen legitimer Religionsförderung und politischer Einflussnahme ist oft schwer zu ziehen.
Ein Beispiel: Ende August, kurz nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day, fand in der ehemals vom Verfassungsschutz beobachteten Dar-as-Salam-Moschee in Neukölln eine Wahlkampfveranstaltung mit Vertretern von SPD, Grünen, Linken und FDP statt. Deren Imam Mohammed Taha Sabri steht im Verdacht, dem Islamismus nahezustehen. Manche Politiker hofieren ihn, weil er sich öffentlich gegen Homophobie ausspricht. Das allerdings ist noch kein eindeutiges Zeichen. Der legalistische Islamismus pflegt eine Doppelkommunikation. Seine Vertreter haben kein Problem damit, heute eine LGBT-Gruppe in die Moschee einzuladen und morgen einen Hassprediger, der Homosexuelle in die Hölle wünscht. Gehört Sabri zu diesen Vertretern? Der FDP-Mann versuchte dies bei der Wahlveranstaltung nachzuweisen, indem er auf Verbindungen der Moschee zu islamistischen Akteuren hinwies, die die Einordnung als Extremisten jedoch bestreiten.
Grauzonen, kognitive Dissonanzen, offene Widersprüche
Im Umgang mit dem legalistischen Islamismus stößt man immer wieder auf solche Grauzonen, dazu kommen kognitive Dissonanzen und offene Widersprüche. Verfassungsschutzerkenntnisse, denen man in anderen Fällen große Bedeutung zumisst, werden in den Wind geschlagen. Die Linke vergisst im Umgang mit dem Islamismus nicht selten ihre emanzipatorischen Ideale. Im Unterschied zu Österreich gibt es hierzulande keine staatliche Dokumentationsstelle zum politischen Islam, und an den Universitäten hält sich die Bereitschaft, sich dem Reizthema zu stellen, in engen Grenzen. Der Bedarf an unabhängiger Expertise ist entsprechend groß.
Das neue Institut will die Debatte über den politischen Islam wissenschaftlich fundieren. Dafür muss es zunächst einmal Geldgeber finden. Vorerst wird die Arbeit ehrenamtlich geleistet. Die erste Konferenz zum neuen Antisemitismus am 6. November ist durch private Spenden und öffentliche Mittel finanziell gesichert. Langfristig strebt Schröter eine Mischung aus verschiedenen Geldquellen an, um eine kontinuierliche Forschungsarbeit finanzieren zu können.