Neuwahl am Sonntag: Auf einen Blick – das wollen die Parteien im Regionalverband verbessern
Neuwahl am Sonntag Auf einen Blick – das wollen die Parteien im Regionalverband verbessern
Special | Saarbrücken · Schulen sanieren, Sozialausgaben begrenzen, Krankenhäuser erhalten, das Klima schützen: Die Parteien im Regionalverband haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was dringend angepackt werden muss. Ein Überblick über ihre wichtigsten Ziele.
26.08.2026 , 20:30 Uhr
Wahlplakate und was davon übrig ist, auf einer Plakatwand in Quierschied.
Foto: Thomas Schäfer
Knapp 245.000 Menschen aus Saarbrücken und Umgebung sind am Sonntag zur Neuwahl der Regionalversammlung aufgerufen. Wer sich noch nicht entschieden hat, wem er seine Stimme geben will, dem kann diese Übersicht helfen. Wir haben alle zur Wahl stehenden Parteien darum gebeten, in knappen Worten ihre wichtigsten Ziele für den Regionalverband zu nennen. Zudem stellen wir die Spitzenkandidaten kurz vor.
SPD: Die Partei möchte, dass der Alltag funktioniert, dass jedes Kind einen Kitaplatz findet, dass Kinder in guten Schulen lernen und dass man sich darauf verlassen kann, bei Krankheit gut versorgt zu sein. „Deshalb schaffen wir mehr Kitaplätze, sanieren Schulen und kämpfen für den Erhalt unserer Krankenhäuser.“ Die SPD will besonders Kinder, Ältere und Kranke besser vor Hitze schützen. Und sie will für die da sein, „die es nicht leicht haben oder bei denen das Geld kaum zum Leben reicht“. Man möchte Nachbarschaften stärken, soziale Angebote und Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Begegnung schaffe Nähe, aus Nähe wachse Zusammenhalt – Einsamkeit habe weniger Raum. Gerade in schwierigen Zeiten sei entscheidend: „Füreinander da sein, Probleme gemeinsam lösen und uns nicht spalten lassen.“
Spitzenkandidaten der SPD sind Stephan Schmidt, 65, aus Quierschied und die 75 Jahre alte Saarbrückerin Anita Morschette-Sarg. Der promovierte Chemiker Schmidt arbeitet als Referatsleiter im Umweltministerium, war lange Chef der SPD im Quierschieder Gemeinderat und führt seit 2022 die SPD-Fraktion in der Regionalversammlung. Die Rentnerin Morschette-Sarg ist seit 2019 ehrenamtliche Beigeordnete des Regionalverbandes.
Stephan Schmidt, SPD
Foto: SPD/Oliver Dietze
Anita Morschette-Sarg, SPD
Foto: SPD/Oliver Dietze
CDU: Für die CDU stehen moderne und sichere Schulen, eine starke Wirtschaft sowie verlässliche soziale Angebote an erster Stelle. Investitionen müssten dort ankommen, wo sie den Menschen konkret nutzen – in Schulgebäuden, der Jugendhilfe und bei sozialen Einrichtungen. Gute Chancen für Kinder und Familien sowie ein möglichst selbstbestimmtes Leben im Alter stärken laut CDU den Zusammenhalt. Auch eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung sowie leistungsfähige Rettungsdienste und Feuerwehren gehören für die Partei zur Daseinsvorsorge. Zugleich will man einen wirtschaftlich starken Regionalverband, der gute Arbeitsplätze sichert und Firmen gute Bedingungen bietet. Dafür brauche es eine leistungsfähige Infrastruktur, solide Finanzen, klare Prioritäten und einen sorgsamen Umgang mit Steuergeldern.
Spitzenkandidat der CDU ist Manfred Maurer aus Quierschied. Der Rentner, Jahrgang 1949, verfüge über langjährige kommunalpolitische Erfahrung und stehe für Vernunft, Vertrauen und Verlässlichkeit.
Manfred Maurer, CDU
Foto: CDU
AfD: Nach Ansicht der Partei braucht der Regionalverband einen „Neustart“. Nachdem „unser Wahlvorschlag 2024 rechtswidrig zurückgewiesen wurde“, will man nun den Haushalt ordnen und die Verwaltung transparenter und effizienter machen. Vorrang hätten mehr Sicherheit und Polizeipräsenz vor Ort, moderne Schulen mit ausreichend Lehrern, zielführende Jugend- und Sozialarbeit sowie der Erhalt der Krankenhausstandorte. Die Kommunen müssten von Sozialausgaben entlastet, Missbrauch bekämpft und Belastungen durch ungesteuerte Migration begrenzt werden. Zugleich will man Arbeit und Tourismus stärken, Bürokratie abbauen und Klima- und Prestigeprojekte kritisch prüfen. Ziel ist ein „handlungsfähiger Regionalverband, der sich auf seine Kernaufgaben und die Interessen seiner Bürger konzentriert“.
Spitzenkandidat der AfD ist Michel Dörr, 63, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Der Diplombiologe und Lehrer beherrscht nach eigenen Angaben mehrere Fremdsprachen, davon Französisch und Italienisch „annähernd auf Muttersprachniveau“. Er war unter anderem von 2019 bis 2024 Vorsitzender der AfD-Fraktion in der Regionalversammlung.
Michel Dörr, AfD
Foto: AfD
Grüne: Die wichtigsten Ziele der Partei für den Regionalverband sind erstens Klimaschutz und Klimaanpassung. Ob Hitzeschutz an Schulen, Grünflächen, PV-Anlagen oder nachhaltige Flächenbewirtschaftung – die Partei will dafür sorgen, dass Klima- und Umweltschutz gelebt werden. Zweitens wünscht man sich eine Region für Kinder und Familien: Jedes Kind soll ein gutes und verlässliches Betreuungsangebot bekommen, in der Kita und später in der Schule. Wichtig seien zudem sichere Schul- und durchgehende Radwege. Drittens wollen die Grünen eine Region, in der man füreinander da ist. Wer Hilfe brauche, soll sie bekommen. Gute Beratung sei genauso wichtig wie sinnvolle Unterstützungsangebote. Man setze auf gute Erreichbarkeit, einen respektvollen Umgang und Hilfe zur Selbsthilfe – egal, ob bei der Hilfe zur Pflege, im Jobcenter, in der Sozialberatung, im Jugend- oder Sozialamt.
Spitzenkandidaten der Grünen sind Anne Lahoda und Santino Klos. Die 48 Jahre alte Wirtschaftsprüferin Lahoda ist Mutter von zwei Schulkindern und seit 2024 Fraktionsvorsitzende in der Regionalversammlung. Bei der Landtagswahl 2027 tritt sie als Spitzenkandidatin der Saar-Grünen an. Der Jurastudent Klos, 23, war Sprecher der Grünen Jugend Saar und macht sich besonders für den sozialen Zusammenhalt und die Stimme junger Menschen in der Kommunalpolitik stark.
Anne Lahoda, Grüne
Foto: Inszene media/Tobias Wönne
Santino Klos, Grüne
Foto: Inszene media/Tobias Wönne
FDP: Die FDP will den Regionalverband finanziell wieder handlungsfähig machen und die Kommunen deutlich entlasten: „Deshalb wollen wir die steigenden Sozialkosten eindämmen und die Regionalverbandsumlage spürbar senken.“ Das schaffe Spielraum für Investitionen in Schulen, Vereine, Straßen und freiwillige Leistungen. Zweitens setzt die Partei auf saubere und sichere Schulen: Moderne Gebäude, funktionierende Sanitäranlagen und eine zeitgemäße Ausstattung schafften ein Umfeld, in dem Kinder gerne lernen. Drittens möchte die FDP eine „moderne Verwaltung statt Papierberge“: Behördengänge sollten digital und schnell möglich sein, zugleich müsse persönliche Unterstützung erhalten bleiben. Die Verwaltung solle kein Hindernis für die Menschen im Alltag sein, sondern ein „hilfreicher Dienstleister“.
Spitzenkandidat der FDP ist Roland König. Der 60-Jährige ist Geschäftsführer einer Maklerfirma für Immobilien und Versicherungen, Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Saarbrücken-Stadt und seit 2019 Chef der FDP in der Regionalversammlung.
Roland König, FDP
Foto: FDP
Linke: Die Linke steht nach eigenen Angaben für eine Politik, die soziale Sicherheit für alle schafft. Grundlage dafür seien bezahlbare Wohnungen, eine gute Gesundheitsversorgung, auskömmliche Sozialleistungen und faire Löhne: „Niemand soll sich zwischen Heizung, Miete und Essen entscheiden müssen.“ Die Partei setzt sich für Entscheidungen im Sozialamt und im Jobcenter ein, die der Menschenwürde entsprechen, sowie für eine Sozialpolitik, die Kinderarmut bekämpft. Man möchte gut ausgestattete SHG-Kliniken in kommunaler Hand mit fairen Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Schulen und Kitas sollten Lernorte sein, in denen sich Kinder und Jugendliche frei entwickeln können und in denen niemand frieren oder schwitzen muss. Die Linke will mehr Personal in der Schulsozial- und Gemeinwesenarbeit.
Spitzenkandidat der Linken ist Jürgen Trenz, 74, Groß- und Außenhandelskaufmann, Stadtrat in Friedrichsthal, Mitglied der Regionalversammlung, früherer Präsident von Borussia Neunkirchen und Träger der Freiherr-vom-Stein-Medaille.
Jürgen Trenz, Linke
Foto: Die Linke
Bunt.saar: Neben dem konsequenten Umsetzen sozial-ökologischer Ziele fordert Bunt.saar ein Abbremsen der explodierenden Regionalverbandsumlage durch die Optimierung von Abläufen zur Personaleinsparung, die Nutzung von Ermessensspielräumen des Jobcenters bei der Reintegration von Langzeitarbeitslosen und eine ehrgeizigere Umsetzung nachhaltiger Standards in der Beschaffung.
Spitzenkandidat von Bunt.saar ist Ekkehart Schmidt aus Alt-Saarbrücken, Jahrgang 1964, Vater von drei Söhnen. Er ist seit 2024 Mitglied der Regionalversammlung, war zuvor 30 Jahre lang politikberatend in den Bereichen Integration von Migranten und Nachhaltigkeit von Finanzprodukten sowie als Klimaaktivist tätig. Schmidt bietet in Saarbrücken Stadtrundgänge zur Kneipengeschichte an und fährt „ausschließlich und schon immer“ Fahrrad.
Ekkehart Schmidt, Bunt.saar
Foto: Bunt.saar
BSW: Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat „drei klare Schwerpunkte“: erstens mehr Respekt für die Beschäftigten im Gesundheitswesen. Sie sollen mehr mitbestimmen dürfen und von unabhängigen Fachleuten vertreten werden. Das heißt: Die Sitze in den Aufsichtsgremien von Betrieben, an denen die Kommunen beteiligt sind, müssen nach Kompetenz und nicht nach Parteibuch vergeben werden, fordert das BSW. Zweitens müsse in die Sanierung maroder Schulen investiert werden. Die Schüler bräuchten moderne Räume und Mensen sowie ein „gesundes, wohlschmeckendes“ Schulessen. Damit Infrastruktur und kommunale Leistungen dauerhaft finanzierbar seien, müsse drittens der Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt“ ohne Ausnahmen gelten. Bund und Land müssten Aufgaben, die sie übertragen, auch vollständig finanzieren.
Jan Münster, BSW
Foto: BSW
Spitzenkandidat des BSW ist Jan Münster aus Kleinblittersdorf, Jahrgang 1978. Der vereidigte Übersetzer ist seit rund 20 Jahren mit einem Unternehmen europaweit im Energiesektor tätig. Sein politischer Kompass orientiere sich an zwei einfachen Fragen: Ist es sozial gerecht? Und ist es wirtschaftlich vernünftig? (lck)
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