Meinung: News des Tages: Donald Trump und der Irankrieg, Ceuta, Infantino und die Uefa
Ende Juli und Anfang August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.
1. Erreicht Trumps Nahostkrieg den Mittleren Westen?
US-Präsident Trump
Foto:
Daniel Heuer / REUTERS
In den USA hat es nach Behördenangaben Hackerangriffe auf Wasser- und Abwasserversorger mindestens in sieben US-Bundesstaaten gegeben. Ermittler verdächtigen Iran. Unter den betroffenen Orten sind drei Dutzend Gemeinden in Minnesota; auch der Nachbarstaat Michigan meldete, ins Visier geraten zu sein. Welche die übrigen Bundesstaaten sind, ist nicht bekannt. Trinkwasser ist wohl nicht verunreinigt worden, doch die Regierungen suchen nun mit größter Sorge nach etwaigen Schäden in Computern, mit denen die Wasserqualität gesteuert wird.
Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre es eine neue Wendung in Donald Trumps Irankrieg, der seit bald einem halben Jahr anhält. »Der Krieg hätte die kritische Infrastruktur in Amerika erreicht«, schreibt mein Kollege Alexander Sarovic aus New York. Trump sei zunehmend ratlos. »Der Irankrieg ist in der Bevölkerung so unbeliebt wie vielleicht kein anderer, seit es Umfragen gibt.«
Am Wochenende hatte der US-Präsident erklärt, am heutigen Montag würden Verhandlungen starten, weshalb er derzeit von Angriffen absehe. Doch das hat er so ähnlich schon in der Vergangenheit behauptet. Irans Außenministerium widersprach Trump am Montag, es seien in diesen Tagen keine Gespräche mit den Amerikanern geplant. Man verhandle lediglich mit Oman über die mögliche Öffnung der Straße von Hormus.
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2. Wie geht es weiter in Ceuta?
Migranten warten vor der Erstaufnahmeeinrichtung CETI unter freiem Himmel
Foto:
Anna Surinyach Garcia / DER SPIEGEL
In Ceuta bleibt die Lage angespannt. Ende vergangener Woche kamen mindestens 50.000 Menschen in der spanischen Exklave in Nordafrika an. Viele ertranken bei dem Versuch, um den Grenzzaun zu schwimmen. Am Wochenende war von 72 Toten die Rede.
»Das Meer spült Schuhe und Rucksäcke an den Strand«, schreiben Jan Petter und Zoé Kammermann in ihrer SPIEGEL-Reportage. »Noch immer werden Opfer geborgen, offenbar auch Säuglinge und Kinder. Wenige Meter entfernt wird schon wieder gebadet.«
Warum so viele Menschen gleichzeitig aufbrachen, ist weiter unklar. Befeuerten Social-Media-Videos über die vermeintlich offene EU-Grenze den Andrang? Eine politische Druckkampagne der Regierung in Rabat? Dutzende Migranten auf beiden Seiten der Grenze schildern meinen Kollegen, marokkanische Sicherheitskräfte hätten sie passieren lassen oder in Richtung Spanien gedrängt. Marokkos Innenministerium beteuert, die Situation sei spontan zustande gekommen.
Inzwischen sind die meisten Neuankömmlinge zwar wieder weg, doch Hunderte, vielleicht Tausende harren noch in Ceuta aus. Das Militär patrouilliert. Rechte Politiker und Influencer reisen an, um die Situation auszuschlachten und Stimmung gegen Geflüchtete zu machen. »Sie nutzen uns alle wie eine Bühne für ihre Show«, sagt ein Einwohner. Und auch wenn EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Montag zu Solidarität mit Spanien aufrief: Europa wirkt gespalten. 22 der 27 EU-Staaten, auch Deutschland, hatten Madrid in einem Brief indirekt vorgeworfen, Anreize für Einwanderer gesetzt zu haben. Am Dienstag sollen die EU-Innenminister tagen.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Die Stadt schloss ihre Läden – und Zehntausende Menschen standen ohne Wasser da
3. Tappt Infantino in die Abseitsfalle?
Foto: Darryl Dyck / The Canadian Press / AP / dpa
Gianni Infantino hat ein gutes Verhältnis zu Männern, die ihre Macht für absolut halten: Wladimir Putin, Donald Trump, Mohammed bin Salman. Auch der seit 2016 amtierende Fifa-Präsident hätte sich wohl noch vor ein paar Tagen nicht ausmalen können, wie schnell seine Autorität bröckeln würde. Nachdem Infantinos Pläne bekannt geworden waren, Rechte an der Fußball-WM und der Club-WM an private Investoren zu verkaufen, gingen gleich mehrere Kontinentalverbände in den Dissens: in Europa die Uefa, in Nord- und Mittelamerika die Concacaf, in Asien die AFC. Sie zwangen Infantino zum Rückzieher.
Laut dem britischen »Guardian« hat der Schweizer eine Beratungsfirma engagiert, um die Risse zu den Verbänden zu kitten. Nötig ist es. Am Montag bestätigte die Uefa, dass sie rechtliche Schritte gegen Infantino erwäge. Mit Wales und England haben zudem die ersten beiden Nationalverbände erklärt, seine Wiederwahl nicht zu unterstützen.
»Ein Wechsel an der Spitze des Weltverbands, jahrelang gänzlich unrealistisch, erscheint plötzlich als realistische Option«, schreibt mein Kollege Marco Fuchs. Die nächste Wahl ist für März 2027 angesetzt. Eine andere Möglichkeit wäre ein Misstrauensvotum auf einer außerordentlichen Sitzung des Fifa-Kongresses, des obersten Organs des Verbandes. Ausgemacht ist Infantinos Sturz nicht. Und doch kursieren bereits Namen, wer ihn beerben könnte.
Welche, lesen Sie hier: Wie stürzt man Infantino und wer kann ihn beerben?
Was heute sonst noch wichtig ist
Mehr als tausend Juristen verlangen AfD-Verbotsverfahren: Zu den Unterzeichnern gehören Anwälte, Richter und Fachleute aus Verwaltung und Wirtschaft: Zahlreiche Juristen fordern die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens. Sie fürchten einen »ernsthaften Schaden« für die Demokratie.
Dax steigt auf Rekordhoch: Gefallene Ölpreise haben dem deutschen Aktienmarkt einen starken Monatsstart beschert. Der Dax stieg zum Handelsauftakt auf 25.912,59 Punkte.
Myanmars Militär veröffentlicht seltene Bilder mit Aung San Suu Kyi: Jahrelang gab es kaum verlässliche Informationen über den Zustand von Aung San Suu Kyi. Nun zeigte das Militär von Myanmar Bilder der Friedensnobelpreisträgerin. Grund könnte ein bevorstehender Staatsbesuch sein.
Russland meldet Tote und Verletzte nach ukrainischen Attacken am Schwarzen Meer: Ein Drohnenangriff auf einen russischen Badeort, ein weiterer auf der Krim: Bei ukrainischen Attacken in der Schwarzmeerregion sind offenbar zehn Menschen ums Leben gekommen. Zudem griff Kyjiw ein weiteres Wildberries-Lager an.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Hinweisschild in Nizza: Tsunami-Gefahr an der Côte d’Azur
Foto:
StockByM / iStockphoto / Getty Images
Was heute weniger wichtig ist
Victoria Beckham
Foto: Scott A Garfitt / Invision / AP
And you can tell everybody this is your son: Brooklyn Beckham, 27, macht Urlaub. Aber anders als seine drei Geschwister nicht mit seinen Eltern David und Victoria Beckham; mit denen hat er sich über den angeblichen elterlichen Kontrollwahn über die »Marke Beckham« zerstritten. Stattdessen urlaubt Brooklyn laut dem britischen Boulevardblatt »Daily Mail« mit seinem Patenonkel Elton John auf dessen Boot in der Nähe von Nizza – während die Eltern zuletzt auf einer Jacht vor dem 70 Kilometer entfernten St. Tropez geweilt haben sollen. Gilt offenbar auch für die Beckhams: Sorry seems to be the hardest word.
Mini-Hohlspiegel
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Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Foto: Netflix
Könnten Sie den fantastischen taiwanischen Spielfilm »Left-Handed Girl« auf Netflix gucken. Der Debütfilm der Regisseurin Tsou Shih-Ching stand 2025 auf der Shortlist für den internationalen Oscar. Er handelt von der fünfjährigen I-Jing und ihrer großen Schwester, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in Taipeh leben. Die Mutter betreibt einen Nudelstand, aber es reicht vorn und hinten nicht. Liebevoll und subtil, lustig und traurig erzählt der Film, wie die Schwestern durch ihre Kindheit und deren Ende navigieren – in einer Gesellschaft, die genaue Vorstellungen davon hat, wie ein Mädchen sein soll. (Hier ein Trailer .)
Ganz nebenbei ist der (vollständig mit einem Smartphone gedrehte) Film eine Liebeserklärung an die Stadt Taipeh mit ihren Nachtmärkten, Street-Food-Küchen und Betelnuss-Ständen. Eine taiwanische Kulturkritikerin auf Instagram fasste es so zusammen: »Ich weiß sehr zu schätzen, dass der Film nicht versucht, Taiwan zu beschönigen. Er fängt den Hintergrundlärm dieses Landes perfekt ein und zeigt, wie erdrückend traditionelle Werte für Frauen sein können. (Hier mehr .) Aber gleichzeitig ist dies der Ort, an dem ich lebe und liebe, an dem meine Seele zu Hause ist.« Der Widerspruch zwischen den beiden Polen mache den Film großartig.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Cornelius Dieckmann, Taipeh