Meinung: News zu SAP, Palantir, Metr, Cohere, Aleph Alpha, Langdock, Julian Teicke, Finanzfluss, Meta
Liebe Leserin, lieber Leser.
Es sind wilde Zeiten aktuell. Zwischen den Verkündungen von „Guckt mal, hier sind unsere super Revenue-Zahlen, bald wollen wir an die Börse" und „Übrigens, die Chance, dass die Weltbevölkerung durch KI ausgelöscht wird, liegt bei über 10 Prozent“ liegen nur wenige Augenblicke. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fällt es mitunter sehr schwer, diese beiden Realitäten zusammenzubringen. Entsprechend stark dominiert das Thema KI auch diese Ausgabe unseres „Tech Updates“.
Das sind unsere Topthemen diese Woche:
Neue Elitetruppen sollen SAPs KI-Probleme bekämpfen
Julian Teicke im BAD1-Einsatz für Berlin
Überfliegerin Beth Barnes soll die KI unter Kontrolle halten
Cohere übernimmt Aleph Alpha
Exklusive Recherche: Neue Elitetruppen sollen SAPs KI-Probleme bekämpfen
Dauerdruck: Kunden und Investoren erwarten KI-Resultate von CEO Christian Klein
Foto:
Nico Kurth / laif
Palantir als Vorbild, Walldorf als Einsatzzentrale: Der Softwareriese SAP will mit neuen Elitetruppen endlich die ersehnten KI-Showcases und KI-Umsätze holen, die CEO Christian Klein (45) für seine Börsenstory braucht. Die intern „Swat-Teams“ genannten Spezialisten – Fachterminus: Forward Deployed Engineers – werden in Weltkonzerne geschickt, bauen dort neue Agenten in Finanz-, Lieferketten- und HR-Systeme und sollen so beweisen, dass SAP nicht von KI-Angreifern überrollt wird, sondern selbst zum KI-Konzern taugt. Für Kleins Strategie spielen diese Elitetruppen eine Schlüsselrolle, wie mein Kollege Caspar Schlenk in seiner Recherche zeigt. Er hat dafür nicht nur mit Vorständen, Teamleitern und Frontleuten bei SAP selbst gesprochen. Sondern auch mit Investoren, Konkurrenten und Beratern, die bislang den Vertrieb für SAP übernommen haben. Kann der Eliteeinsatz gelingen?
Mister Start-up: Die Geschäfte des selbst erklärten Berlinlobbyisten Julian Teicke
Neustart in der Politik: Auf seinem Delta Campus in Neukölln mischt Julian Teicke sich als Hauptstadtlobbyist ein
Foto:
Stefan Zeitz / IMAGO
Nach dem Absturz des Milliarden-Start-ups Wefox baut sich Julian Teicke (39) in Berlin eine neue Bühne: als Vorkämpfer für die Start-up-Hauptstadt. Die Rolle als Hauptstadtlobbyist liegt ihm. So ganz selbstlos ist seine Initiative mit „Berlin auf die Eins“ (Kürzel: BAD1) aber nicht, wie meine Kollegin Hannah Schwär recherchiert hat .
Köpfe: Beth Barnes ++ Judith Dada ++ Lennard Schmidt ++ Jack Parker-Holder ++ Thomas Kehl
Soll die führenden KI-Firmen überwachen: METR-Chefin Beth Barnes
Foto: Ulysses Ortega / The New York Times / Redux / laif
Elizabeth „Beth“ Barnes soll den Weltuntergang durch KI verhindern. Früher arbeitete die KI-Forscherin für Google DeepMind und OpenAI. Nun soll sie mit ihrer Non-Profit-Organisation METR die Entwicklung der leistungsfähigsten KI-Modelle überwachen. Warum setzt Anthropic-Chef Dario Amodei (43) auf die Gründerin – und warum ist sie bei anderen so verhasst? Hier geht’s zum Porträt, das meine Kollegin Mirjam Hecking geschrieben hat .
Judith Dada (34) und Lennard Schmidt (28), Co-Chefs des KI-Start-ups Langdock, haben ihre Firma erfolgreich von einer amerikanischen Inc. in eine europäische SE umfirmiert. Was hinter dieser Entscheidung steht und wieso Langdock jetzt auch noch in das Geschäft der Hyperscaler einsteigen will, darüber habe ich mit Dada gesprochen.
Jack Parker-Holder, Matthew McGill und Philip Ball, frühere Google-DeepMind-Forscher haben mit Emulate ein eigenes KI-Start-up gegründet. Das ist laut Medienberichten einen Monat nach Gründung kurz davor, eine Finanzierung in Höhe von 700 Millionen Dollar auf einer Bewertung von 3,7 Milliarden Dollar einzusammeln.
Thomas Kehl (37), Finanzfluss-Macher, kann sich freuen. In seinem Kampf gegen Fakeprofile auf Facebook und Instagram hat er vor Gericht gegen den Social-Media-Riesen Meta gewonnen. Kriminelle hatten auf den Plattformen mit dem Influencer für betrügerische Geldanlagen geworben. Nun muss Meta preisgeben, wie viel Werbeumsatz sie mit den Fakeanzeigen gemacht haben, und Kehl steht sogar Schadensersatz zu, wie mein Kollege Caspar Schlenk berichtet .
Round-up: Cohere ++ Aleph Alpha ++ Revolut ++ SpaceX
Willkommener Gast: Digitalminister Karsten Wildberger (l.) freut sich mit Aidan Gomez über die kanadisch-deutsche KI-Partnerschaft
Foto: Michael Kappeler / dpa
Cohere übernimmt Aleph Alpha: Schon im April hatten das kanadische KI-Unternehmen und das deutsche Start-up ihre Pläne zum Zusammenschluss präsentiert – doch erst in dieser Woche wurden in Montreal die finalen Verträge unterzeichnet. Die Details zu den weiteren Plänen und Personalien gibt es hier.
Hacker fordern 3 Millionen Dollar von Revolut, nachdem sie gezielt Daten von 680 Kryptokunden der Neobank erbeutet hatten. Sonst, drohten die Kriminellen, würden sie die Kontodaten an andere weitergeben. Revolut bestreitet bislang, von den mutmaßlichen Angreifern kontaktiert worden zu sein.
Im Jahr 2028 soll der erste kommerzielle Flug eines SpaceX-Raumschiffs starten. Nun hat das Unternehmen einen ersten Vertrag mit einem Kunden unterschrieben.
Cheat-Tabelle der Woche: Wie oft tricksen KI-Agenten?
Foto: Screenshot: www.cheatbench.ai
Die Forscher des renommierten Center for AI Safety aus San Francisco haben unter dem Namen CheatBench untersucht, wie oft KI-Agenten schummeln , um in Tests besser abzuschneiden – etwa durch versteckte Lösungen, Kopieren oder Manipulation der Bewertung. Bewertet wurden die Schummelversuche in zehn Kategorien (unter anderem Mathe, Coding, visuelle Aufgaben, Wissensarbeit). Laut CheatBench variiert die Intensität zwar je nach Modell und Aufgabe, kommt aber bei allen getesteten Agenten vor. Der größte Schummler ist demnach Grok von Elon Musk (54), während Muse von Mark Zuckerberg (41) noch relativ am besten abschneidet.
Error 404 – das hat noch gefehlt: Gespickt bei Mathe?
Taschenrechner war gestern: Künstliche Intelligenz verändert auch die Art, wie Mathematiker arbeiten
Foto:
Igor Borisenko / iStockphoto / Getty Images
Auch die Matkematikszene ist derzeit wegen KI in Aufruhr. OpenAI hatte Anfang des Monats gewohnt lautstark verkündet, ein bislang ungelöstes Mathematikrätsel gelöst zu haben, ein sogenanntes Millenniumproblem. Allerdings: Zwei menschliche Mathematiker hatten zeitgleich ebenfalls an diesem Problem gearbeitet und dabei OpenAIs Produkte genutzt. Nach OpenAIs Announcement vermuteten sie, dass die KI-Firma aus ihrer noch nicht abgeschlossenen Arbeit gelernt habe; OpenAI wies das nach einer Untersuchung zurück. Nun äußert auch der deutsche Mathematiker Andreas Thom ganz ähnliche Vermutungen, im Interview mit den Kollegen vom SPIEGEL. Würde er noch mal eine vielversprechende mathematische Theorie in die KI eingeben? Vermutlich eher nicht .
Nun wünschen wir euch einen schönen Freitag, denn das war es schon wieder mit dem aktuellen „Tech Update“. Leitet den Newsletter gern an andere Interessierte weiter. Abonnieren könnt ihr uns hier, damit ihr auch in Zukunft keine Ausgabe verpasst.
Und wie immer: Fragen, Anmerkungen oder Kritik gern an [email protected] .
Viele Grüße
Eure Sarah Heuberger
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