Nigeria: Neue US-Strategie in Afrika?
Die Vereinigten Staaten haben den Großteil ihrer Truppen abgezogen, die für eine gemeinsame Anti-Terror-Operation im Nordosten Nigerias eingesetzt waren.
Das Gebiet ist seit Langem eine Hochburg der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram und ihrer Splittergruppen - insbesondere des "Islamischen Staats in der Provinz Westafrika" (ISWAP), eines der weltweit aktivsten Ableger des "Islamischen Staats" (IS).
General Dagvin Anderson vom US Africa Command bezeichnete die gemeinsame Operation als Vorbild für die künftige Sicherheitskooperation auf dem Kontinent.
"Wir haben einen Großteil unserer Streitkräfte abgezogen, die nur für diese Operation dort waren", sagte Anderson Reportern im Juli auf einer Konferenz afrikanischer Verteidigungschefs in Angolas Hauptstadt Luanda.
"Aber wir setzen die von Nigeria geforderte Partnerschaft fort, um den Informationsaustausch und das notwendige Verständnis für die Durchführung dieser schwierigen Aufgaben weiter zu fördern."
Gewalt an Christen: Trump droht Nigeria mit Militäreinsatz
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Im Februar hatten die Vereinigten Staaten ein kleines Kontingent entsandt, um die lokalen Streitkräfte mit Aufklärung, Logistik und Ausbildung zu unterstützen.
Dem Einsatz vorausgegangen waren Spannungen zwischen Washington und Abuja. US-Präsident Donald Trump hatte Nigeria vorgeworfen, die Tötung von Christen nicht zu stoppen, und mit einer Militärintervention gedroht.
Die Partnerschaft entwickelte sich jedoch bald über eine beratende Funktion der USA hinaus.
Bei der gemeinsamen Operation, die zur Tötung von Abu Bilal al-Minuki, einem hochrangigen Anführer des "Islamischen Staates", führte, wurden 175 Kämpfer getötet. Gleichzeitig wurden Kontrollpunkte, Waffenlager, Logistikzentren, militärische Ausrüstung und Finanzierungsnetzwerke der Gruppe zerstört.
Ein neues Modell oder eine einmalige Aktion?
Der Truppenabzug erfolgt nun inmitten bedeutender Veränderungen in der US-Sicherheitspolitik: Das Land bemüht sich zunehmend um eine andere Lastenteilung in der Zusammenarbeit mit seinen Verbündeten.
In Afrika verändert sich die Sicherheitslage schneller, als die Streitkräfte ihre Ressourcen für einen Umgang mit den wachsenden Gefahren aufstocken können. Denn dschihadistische bewaffnete Gruppen breiten sich rapide in der Sahelzone, Somalia und auch im Nordosten Nigerias aus.
Mit der gemeinsamen Mission in Nigeria setzen die Vereinigten Staaten laut Analysten ihre Strategie in die Praxis um, laut derer sie spezialisierte Schulungen, Überwachungskapazitäten und Unterstützung für von Afrika geführte Operationen bereitstellen.
Und das, obwohl die westlichen Streitkräfte angesichts des zunehmenden russischen und chinesischen Einflusses auf dem Kontinent zurückgefahren werden.

James Barnett, Mitarbeiter des Hudson Institute, das Entscheider und weltweite Führungspersonen berät, forscht zu Konflikten und bewaffneter Gewalt in Nigeria und Afrika. Der allgemeine Ansatz der USA zur Terrorismusbekämpfung in Afrika verändere sich nicht wesentlich, sagt er der DW.
"Das US-Militär spricht immer davon, fähige afrikanische Partner zu unterstützen, die die Führung übernehmen - das ist die allgemeine Philosophie. Aber die Trump-Administration hat gezeigt, dass sie bereit, sogar oft begierig darauf ist, die militärische Stärke der USA mit Luftangriffen oder Razzien, insbesondere gegen die Netzwerke des Islamischen Staates, zur Schau zu stellen", so Barnett.
Auf der anderen Seite des Kontinents, in Somalia, sind die lokalen Streitkräfte deutlich schwächer. Dort ist das US-Militär mit rund 600 Soldaten und einer anhaltenden Luftkampagne gegen Kämpfer des IS und Al-Shabaab-Milizionäre in der Region weiterhin sehr aktiv.
"Bezeichnender ist jedoch, dass Washington dies als Modell für die künftige Zusammenarbeit in ganz Afrika bezeichnet. Das bedeutet, es entspricht einem umfassenderen außenpolitischen Interesse der USA. Das besteht darin, globale Netzwerke des Islamischen Staats überall dort zu zerschlagen, wo er operiert, und die amerikanische Relevanz für die Sicherheit in Afrika nach einer Phase reduzierten Engagements wiederherzustellen", sagt Taiwo Adebayo, Forscher am Thinktank Institute for Security Studies (ISS Africa).
"Es handelt sich also weniger um einen Rückzug als vielmehr darum, dass Amerika sich für eine Form des Engagements entscheidet, die es aufrechterhalten und wiederholen kann. Dabei dient Nigeria als Beweis für das Konzept", so Adebayo gegenüber der DW.

Schnelle Erfolge statt strukturelle Veränderung
Der Kontinent hat in den letzten Jahren einen starken Anstieg terroristischer Aktivitäten erlebt. Laut dem Globalen Terrorismusindex 2026 ereignete sich mehr als die Hälfte aller weltweiten Todesfälle durch Terrorismus in der Sahelzone Westafrikas. Das unterstreicht eine Tendenz, wonach das riesige, schwach kontrollierte Gebiet immer mehr zum globalen Epizentrum des Terrorismus wird.
"Die USA haben versucht, dort einzugreifen oder Unterstützung zu leisten, wo sie symbolische oder schnelle Erfolge erzielen können. Auch dann, wenn die Aufstände in diesen Gebieten weiterhin tief verwurzelt und ungelöst sind", sagt Beverly Ochieng, leitende Analystin bei Control Risks, gegenüber der DW.
Sie merkt an, dass die US-Luftangriffe "in Nigeria und Somalia seit Trumps Wiedereintritt ins Amt nicht unbedingt Rebellengruppen vertrieben oder von ihren Aktivitäten abgeschreckt haben und die weitreichenden verheerenden Auswirkungen der Unsicherheit in diesen Ländern nicht lösen werden."
Viele Experten sind sich dennoch einig, dass eine Partnerschaft mit den USA für Frühwarnsysteme und die Verbesserung laufender Bodenoperationen notwendig ist. So geht ISS-Mitarbeiter Adebayo davon aus, dass die internationale Zusammenarbeit für die Zerschlagung von Terror-Netzwerken unerlässlich sei.
Doch was können die USA mit diesem Vorgehen ausrichten? Expertin Beverly Ochieng betont: "Ein rein militärischer Ansatz dürfte nicht ausreichen, da die zugrundeliegenden Probleme, die es militanten und bewaffneten Gruppen ermöglichen, aktiv zu bleiben, von den afrikanischen Regierungen selbst angegangen werden müssen."
Die internationale Zusammenarbeit bewertet sie in diesem Zusammenhang als zumindest ambivalent. Vielmehr geht es für Ochieng auch darum, die "Abhängigkeit von zunehmend unzuverlässigen internationalen Partnern" zu begrenzen.