„Noch nie erlebt“ HSV-Profi berichtet von Rassismus und Gewalt


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„Noch nie erlebt“: HSV-Profi packt nach Albtraum-Erlebnis mit Nationalteam aus

HSV-Profi Immanuel Pherai (l., hier im Duell mit Guatemalas Olger Escobar) erlebte ein schlimmes Länderspiel.
picture alliance / AP Photo/Moises Castillo | Moises Castillo

Hinter HSV-Profi Immanuel Pherai liegt eine albtraumhafte Länderspielreise. Nun spricht er erstmals nach seiner Rückkehr in den Volkspark darüber.

Selten zuvor dürfte sich Immanuel Pherai so sehr nach seiner Rückkehr in den Volkspark gesehnt haben wie diesmal. Hinter dem HSV-Mittelfeldmann liegt eine fürchterliche Länderspiel-Erfahrung: Rassismus, Gewalt, Ausschreitungen – das alles erlebte Pherai bei seiner Partie mit Suriname in Guatemala (0:1). „Das war definitiv krass“, sagt der 25-Jährige am Donnerstag, nachdem er erstmals wieder mit dem HSV trainiert hat. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Pherai und sein Horror-Trip nach Guatemala. Bereits am Tage vor der Nations-League-Partie hatte ihn ein merkwürdiges Gefühl beschlichen. „Wir durften unser Abschlusstraining plötzlich nicht im Stadion absolvieren, sondern mussten irgendwo auf Kunstrasen trainieren“, berichtet er. In der Nacht vor der Partie wurden vor dem Teamhotel der Surinamer Feuerwerkskörper gezündet.

HSV-Profi Pherai durchlebte in Guatemala einen Albtraum

Das alles mag noch zur gewöhnlichen Folklore vor hitzigen Spielen gehören. Nicht aber das, was sich dann während der gesamten Partie im Estadio El Trébol abspielte. Pherai ist auch wenige Tage nach dem Auftritt noch immer schockiert.

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Der HSV-Profi erzählt: „Als wir vor der Partie zur Besichtigung auf den Platz gegangen sind, haben die Zuschauer angefangen zu pfeifen. Das ist alles vielleicht normal, darauf bist du eingestellt. Aber als unsere Nationalhymne gespielt wurde, fingen die an zu pfeifen und zu schreien. Das ist schon ein bisschen respektlos, wir machen das auch nicht.“ Dann wurde es laut Pherai richtig übel: „Als das Spiel begann, fingen 25.000 Leute an zu sagen: Negro, Negro, Negro! Und das 90 Minuten lang.“ Das Wort „Negro“ ist der spanische Begriff für das N-Wort.

Schon ein Jahr zuvor erlebte Pherai schreckliche Dinge

Ähnliches hatten Pherai und sein Team bereits ein Jahr zuvor in El Salvador erlebt. Diesmal aber blieb es nicht nur bei den Rufen. Nach dem Platzverweis für Surinames Richonell Margaret (63.) eskalierte die Situation. Pherai: „Als er vom Platz ging, wurde er mit Essen und Flaschen beworfen, dazu gab es Affengeräusche. Da haben wir als Mannschaft gesagt: ‚Das akzeptieren wir nicht.‘ Und wir sind zum Schiedsrichter gegangen. Aber er hat nicht so souverän agiert. Ich glaube, es war auch das erste Mal, dass er so etwas erlebt hat.“

Immanuel Pherai vom HSV läuft im Testspiel gegen Rapid Wien mit dem Ball über den Rasen.
Immanuel Pherai spielt seit Sommer 2023 für den HSV.
Witters

Suriname entschloss sich, weiterzuspielen, die Tumulte aber nahmen zu. „Nach fünf Minuten kam der Schiedsrichter zu uns und sagte: ‚Ihr müsst jetzt aufpassen, die versuchen alles, um euch zu provozieren.‘ Und wir sagten zu ihm: ‚Ja, aber was machst du dagegen?‘ Da kam aber nichts. Dass Guatemala dann in der allerletzten Minute das Tor macht, war natürlich unnormal bitter. Wie sie dann gefeiert haben, war schon sehr respektlos.“

Nach der Partie erlebten Pherai und Co. eine Massenschlägerei

Durch die Last-Minute-Pleite verpasste Suriname den Sprung in die Playoffs. Viel schlimmer aber war das, was sich nach dem Abpfiff zutrug. Auf dem Platz entwickelte sich eine Massenschlägerei. Pherai konnte nicht fassen, was er erlebte: „Wirklich alle waren dabei, das alles war deutlich zu viel. Es war schon sehr merkwürdig, dass es zehn Minuten dauerte, bis die Polizei dann auf den Platz kam und eingriff.“ Und weiter: „Wenn ein Mitspieler von mir auf dem Boden liegt und attackiert wird, kann ich das nicht akzeptieren. Nicht in Holland, Deutschland oder irgendwo anders.“

Spieler aus Guatemala und Suriname streiten während eines Fußballspiels in Guatemala-Stadt auf dem Rasen.
Das Spiel zwischen Suriname und Guatemala eskalierte.
picture alliance / AP Photo/Moises Castillo | Moises Castillo

Offen, wie es nun weitergeht. Die Ermittlungen der FIFA laufen, Pherai verfolgt den Vorgang mit Argusaugen. „Ich bin gespannt, was passiert“, sagt der HSV‑Profi. „Ich glaube nicht, dass es, wenn wir jetzt das nächste Mal in El Salvador oder Guatemala spielen, deutlich anders sein wird.“

Vom HSV und seinen Fans aber erhält Pherai volle Rückendeckung. „Willkommen zurück, Manu Pherai“, ließ der Verein am Donnerstag über seine sozialen Medien wissen. „Wir stehen hinter dir. Egal, wo auf der Welt. Gemeinsam gegen Rassismus.“ Worte, die dem Nationalspieler helfen sollen, das schlimme Erlebnis besser verarbeiten zu können. Vergessen aber wird er es nie.

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