Obertshausen ist in diesen Tagen ein heißes Pflaster
Stand: 15.08.2026, 17:00 Uhr
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Auch Obertshausen ist städtebaulich nicht auf die Hitze dieses Sommers ausgerichtet. Das sieht man an Straßen und Kinderspielplätzen. Die Grünen wollen immerhin am Busbahnhof Bänke unter Bäumen aufstellen lassen.
Obertshausen – In diesem Hitzesommer geht es auch um Kleinigkeiten. Am 24. September kommt die Stadtverordnetenversammlung erstmals nach ihrer Sommerpause zusammen. Die Grünen haben dafür eine Beschlussempfehlung eingebracht, am Busbahnhof für ausreichend Sitzmöglichkeiten im Schatten zu sorgen. Die Fraktion möchte unter den Bäumen Bänke aufstellen lassen. Dafür soll geprüft werden, ob Bauhofmitarbeiter bisher ungenutzte Bänke im Stadtgebiet umstellen können, damit keine Kosten entstehen.
Es würde nicht überraschen, wenn auch so ein lapidarer Wunsch zu einer Debatte führt. Irgendjemand findet immer ein Problem, das dann geprüft, beraten und wiedervorgelegt werden soll. Dann ist es Winter, die Temperaturen sind erträglich, vielleicht laufen auch die vier öffentlichen Trinkbrunnen. Kommunalpolitik passt nicht zum Klimawandel.

Ein Mangel an schattigen Warteplätzen offenbart in diesem Sommer die Defizite im deutschen Städtebau, auch in Obertshausen. Die Gumbertseestraße in Hausen ist akkurat saniert. Glatt der Asphalt, sauber verfugt die Gehwege. Nur: Wer will dort an einem Freitag wie gestern entlanglaufen? Bei 36 Grad im Schatten – wenn es dort gar keinen Schatten gibt? Falsch, fast keinen. Denn den werfen drei Bäumchen an der Kreuzung Brückenstraße. Sie erinnern an kleine Fahnenmasten, und der Schattenwurf reicht für Minivögel wie den Zeisig.
Der Hitzesommer 2026 offenbart auch das Ergebnis einer verfehlten deutschen Siedlungspolitik, durch die der ländliche Raum über Jahrzehnte entvölkert, gleichzeitig die Ballungsräume vollgestopft worden sind mit Menschen. Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) feiert sich dafür, ein Gewerbe nach dem anderen anzusiedeln. Bis 2030 soll das neue Kaiserlei-Quartier entstehen. Doch er wird dann auch erklären müssen, woher die Stadt künftig ihr Trinkwasser bekommen soll. Vom Hitzeeffekt aufgrund der vielen Autos abgesehen.
Zurück aufs Land? Das wäre ein gigantischer Aufwand
Günter Vornholz hat Verständnis für die These, dass die Erwärmung der Ballungsraumstädte nur durch eine Rückabwicklung der Besiedlungspolitik zugunsten des ländlichen Raumes gestoppt werden kann. „Aber das wird nicht passieren“, sagt der Professor für Immobilienökonomie (Lüdinghausen). Denn Arbeitsplätze, Bildung, Infrastruktur, Ärzte – das gibt’s auf dem Land nicht (mehr). Das alles wieder zu etablieren, werde niemand versuchen, weil es ein gigantischer Aufwand wäre.
Stattdessen werden vor allem die Ballungsraumstädte weiter verdichtet und versiegelt. Doch wie will man in solchen Betonwüsten Stadtgrün gegen die Hitze schaffen? Vornholz verweist auf die vielen unterirdischen Leitungen, etwa für Strom und Abwasser, und darauf, dass diese ein Problem für die Wurzeln der Bäume sind.
Bäume mit Schatten gibt es auf dem Spielplatz im Beethovenpark, nur stehen die am Rand. Die Sonne brennt deswegen erbarmungslos auf Klettergerüst, Rutsche und den Trimmdich-Parcours ums Eck. Dem Freiplatz in der Mitte droht die Versteppung. Eltern können in diesen Monaten ihre Kinder nur in der Dämmerung dort hinlassen. Oder nachts.

So kann eine Stadt nicht mehr funktionieren, denn wer weiß, wie heiß die nächsten Sommer ausfallen werden? In dem Buch „Zukunft Stadt: Die globale und lokale Bedeutung von SDG 11“ wollen Alexandra Hildebrandt, Matthias Krieger und der Herausgeber Peter Bachmann beschreiben, wie eine Stadt klimagerecht zu gestalten ist. SDG 11 steht für das elfte Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen und betrifft Städte und Gemeinden.
Die Hitzewellen fordern immer mehr Todesopfer
Die Publizistin Hildebrandt (einst Nachhaltigkeitsexpertin beim Deutschen Fußball-Bund) und Christine Lemaitre, Geschäftsführende Vorstandin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, listen einige Szenarien auf: Städte werden Kälteräume einrichten und Altenheime dauerhaft klimatisieren. Es braucht mehr Wohnraum im Erdgeschoss, weil es sich unter dem Dach nicht mehr aushalten lässt.
Außerdem: „Der Garten der Zukunft ist sehr grün, mit vielen Pflanzen und wenig Versiegelung. Der klassische Rasen hat keine Zukunft, denn es müsste verstärkt mit Bewässerungsanlagen gearbeitet werden, die in vielen Regionen absehbar verboten werden.“ Noch eine Prognose: Die Hitzewellen fordern immer mehr Todesopfer. Und: Der sinkende Grundwasserpegel gefährdet die Wasserversorgung, Konflikte um Wassernutzung sind programmiert.
Die Zukunft der Städte wird also kompliziert. Ein paar schattige Plätzchen am Obertshausener Busbahnhof dürften dabei das geringste Problem sein. (von Steffen Gerth)