Offshore-Windparks könnten Regen verlagern – über der Nordsee mehr, in deutschen Küstenregionen weniger


Stand: 24.08.2026, 20:07 Uhr

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Modellrechnungen zeigen: Große Offshore-Windparks könnten Regen über der Nordsee verstärken und an deutschen Küsten verringern.

Geesthacht – Offshore-Windparks in der Nordsee könnten künftig beeinflussen, wie viel Regen an Deutschlands Küsten fällt. Werden Windräder künftig sehr großflächig ausgebaut, könnte sich auch der Niederschlag anders verteilen. Modellrechnungen zufolge fällt direkt über den Windparkflächen mehr Regen, während Regionen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen trockener werden könnten.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS

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Hinter den Berechnungen steht ein Forschungsteam des Helmholtz-Zentrums Hereon. Die Wissenschaftler simulierten Windparks in Nord- und Ostsee für unterschiedliche Ausbauzustände. Grundlage waren Wetterbedingungen der Jahre 2008 bis 2017.

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Offshore-Windparks in der Nordsee liefern klimafreundlichen Strom – laut einem Forschungsszenario könnten sie jedoch Luftströmungen verändern und dafür sorgen, dass an Teilen der deutschen Küste weniger Regen fällt. © IMAGO / Jochen Tack

Für bestehende Anlagen und die Planungen bis 2030 blieben die Veränderungen beim Niederschlag klein und überwiegend auf das Meer beschränkt. Erst ein wesentlich größerer Ausbau führte zu ausgeprägten regionalen Veränderungen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Communications Earth & Environment veröffentlicht.

Große Windparks bremsen den Wind deutlich

Das Szenario der Hereon-Studie gründet sich auf physikalischen Effekten großflächiger Windparks: Eine Windkraftanlage entzieht der Luft Bewegungsenergie. Hinter ihren Rotoren entsteht deshalb ein sogenannter Nachlauf mit geringerer Windgeschwindigkeit und stärkerer Verwirbelung.

Bei sehr großen Windparks summieren sich diese Effekte. In den Simulationen sank die Windgeschwindigkeit nahe der Meeresoberfläche stellenweise um zwei bis drei Meter pro Sekunde. Dadurch verändern sich auch Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch zwischen Meer und Atmosphäre.

Die Turbinen mischen außerdem verschiedene Luftschichten stärker durch. Feuchte Luft kann aufsteigen, abkühlen und Wolken bilden. Über den Windparkflächen nahm der Niederschlag im großen Ausbauszenario deshalb um bis zu zwölf bis 18 Prozent zu. Gleichzeitig gelangte weniger Feuchtigkeit weiter in Richtung Küste. Dort fiel entsprechend weniger Regen. Der Effekt hing allerdings stark von Windrichtung und Windgeschwindigkeit ab.

Bis zu acht Prozent weniger Niederschlag in deutschen Küstenregionen

In Deutschland könnten vor allem Schleswig-Holstein und Niedersachsen betroffen sein. In den nordwestlichen Teilen Schleswig-Holsteins sowie entlang der niedersächsischen Küste gingen die simulierten Niederschläge im Jahresmittel um rund fünf bis acht Prozent zurück. Auch die Niederlande erreichten ähnliche Werte.

 Karte zeigt den Planungsstand der Offshore-Windparks im Modellgebiet der Studie

Die Karte zeigt den Planungsstand der Offshore-Windparks im Modellgebiet der Studie. Rot markiert sind die 2023 bereits genutzten Flächen, blau die zusätzlich bis 2030 vorgesehenen Gebiete und grau die für das langfristige technische Ausbauszenario um 2050 berücksichtigten Flächen. Das Modellgebiet umfasst große Teile der Nord- und Ostsee sowie angrenzende Gewässer vor Großbritannien. © Grafik: Hereon/Naveed Akhtar

Noch stärker fiel der Effekt in Teilen Jütlands aus. Dort lagen die Rückgänge für Regen teilweise über 15 Prozent. Von der Nordsee transportieren vor allem südwestliche Winde feuchte Luft in Richtung Festland. Unter diesen Bedingungen nahm im Modell der Niederschlag über den Windparks um neun bis 20 Prozent zu.

In angrenzenden Küstengebieten sank er zeitgleich um etwa fünf bis acht Prozent. Im Herbst und Winter erreichten die modellierten Rückgänge stellenweise zehn bis 20 Prozent. Kam der Wind aus anderen Richtungen, waren die Auswirkungen wesentlich geringer.

Weniger Regen heißt nicht weniger Regentage

Eine interessante Tatsache fanden die Wissenschaftler in Bezug auf das dänische Jütland. Dort blieb trotz weniger Regenmenge die Anzahl der Regentage in den Berechnungen nahezu gleich. Es regnete nicht seltener, sondern an regnerischen Tagen fiel weniger Niederschlag. Über einem Windpark vor der Küste nahm die Zahl der Niederschlagsereignisse dagegen um drei Prozent zu, inklusive stärkerer Regenfälle.

Physikalisch passt das zum berechneten Feuchtigkeitstransport. Über den Windparks steigt feuchte Luft stärker auf. So entstehen dort mehr Wolken und Niederschlag. Hinter den Anlagen sinkt die Aufwärtsbewegung wieder. Die Luft enthält dort weniger Feuchtigkeit und transportiert diese trockenere Luft weiter zur Küste. Besonders ausgeprägt war dieser Mechanismus bei den in Nordwesteuropa häufigen Südwestwinden.

Das Szenario geht weit über heutige Ausbaupläne hinaus

Das Forschungsszenario beschreibt allerdings keinen erwarteten Zustand für das Jahr 2050. Das Forschungsteam legte dem Modell bewusst eine technische Obergrenze zugrunde. Dafür belegte es sämtliche derzeit ausgewiesenen Entwicklungsflächen mit Windkraftanlagen und setzte eine Leistungsdichte von acht Megawatt pro Quadratkilometer an.

Dieses Szenario übersteigt das Ziel der EU von 300 Gigawatt Offshore-Leistung durch Windparks in der Nord- und Ostsee bis 2050 deutlich. Auch weisen die Autoren selbst auf Unsicherheiten hin. Die Berechnungen stammen aus einem einzigen regionalen Klimamodell und beruhen auf einer bestimmten Verteilung und Dichte der Anlagen.

Weitere Modelle und realistischere Ausbauvarianten sollen deshalb klären, wie groß die Effekte tatsächlich ausfallen könnten. „Unsere Arbeit trägt dazu bei, den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Europa mit den Anforderungen des Klima-, Umwelt- und Küstenschutzes in Einklang bringen zu können“, hofft Erstautor Naveed Akhtar vom Helmholtz-Zentrum Hereon für die Ergebnisse seiner Arbeit.

Kurz zusammengefasst: