Oliver Kalkofe vor Auftritt in Hamm: „Früher war nicht alles besser“


Stand: 15.09.2026, 19:00 Uhr

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Satiriker Oliver Kalkofe liest am 17. September in der Werkstatthalle des Maxiparks aus seinem neuen Buch. Hamm kennt er bisher nur vom Durchfahren.

Hamm – Am Donnerstag, 17. September, öffnet Oliver Kalkofe sein Boomer-Herz und sein persönliches Fotoalbum. In der Werkstatthalle des Maxiparks nimmt der Bestsellerautor seine Gäste mit auf eine Zeitreise in die eigene Jugend. Er liest nicht nur aus seinem neuen Buch „Nie war Früher schöner als Jetzt“, sondern analysiert persönlich und witzig die Boomer-Zeiten.

Oliver Kalkofe will in Hamm sein Boomer-Herz und sein persönliches Fotoalbum öffnen.

Oliver Kalkofe will in Hamm sein Boomer-Herz und sein persönliches Fotoalbum öffnen. © Jan Kopetzky

Vor seinem Auftritt spricht der Satiriker mit WA-Reporterin Marion Gay über nostalgische Erinnerungen, politische Rückwärtsgewandtheit und seine Verbindung zu Westfalen.

Herr Kalkofe, Ihr Programm in der Werkstatthalle Maxipark heißt „Nie war Früher schöner als Jetzt“. Was vermissen Sie aus Ihrer Jugend heute besonders? Und worüber sind Sie froh, dass es vorbei ist?

Ich bin sehr froh, dass es heute keinen Sendeschluss mehr gibt, dass wir mehr als nur zwei Fernsehprogramme haben und dass ich heute frei entscheiden kann, was ich wo hören oder sehen möchte. Wir haben auf sehr vielen Gebieten wesentlich mehr Freiheit und Auswahl als damals. Gleichzeitig vermisse ich die Übersichtlichkeit von früher, dieses Gefühl das Leben und seine Möglichkeiten noch einigermaßen überblicken zu können. Es gab keinen echten Mangel, aber wir hatten nichts im Überfluss, das war auch beruhigend. Und etwas Langeweile zwischendurch half dabei, selbst kreativ zu werden.

Sie haben für Ihr Buch private Fotoalben geöffnet. Welches Bild hat sie am meisten überrascht und welche Geschichte steckt dahinter?

Ich war vor allem sehr überrascht, wie schlank und vital ich als kleines Kind noch war. Damals galt das bei manchen Ärzten aber als Problem, irgendwann hieß es ich sei zu dünn und ich bekam Aufbaupräparate, die haben super funktioniert, wie man heute noch sehen kann. Bewusst verzichtet habe ich aber auf die obligatorischen Kleinkind-auf-dem-Klo-Fotos. Die hat jeder, aber nur um sie niemals öffentlich zu zeigen.

Gibt es eine Erinnerung, die Sie bewusst nicht in das Buch oder das Programm aufgenommen haben? Warum nicht?

Es gibt noch jede Menge Erinnerungen, die einfach am Ende nicht mehr reingepasst haben. Alles was fehlt, wurde also nicht bewusst rausgenommen, sondern liegt noch auf dem To-Do-Stapel für einen möglichen zweiten Teil. Wenn man erst einmal anfängt, in das Meer der Erinnerungen einzutauchen, merkt man, wie unfassbar groß dieser kleine Tümpel in Wirklichkeit ist.

In Ihrem Programm schauen Sie satirisch auf die eigene Generation. Worüber können Sie bei den Boomern noch lachen und wo wird aus der Rückschau ernste Kritik?

Es ist falsch zu glauben, dass früher wirklich alles freier und toller war, denn das ist keinesfalls so gewesen. Es war aber trotzdem vieles schön und aus den nicht so guten Momenten haben wir versucht, das Beste zu machen. Wenn wir aber nostalgisch verklärt versuchen, das Rad der Zeit zurückzudrehen, während die Welt sich weiter nach vorne bewegt, wird es gefährlich. Ich finde es besser, wenn wir ehrlich auf unser Damals schauen und gemeinsam darüber lachen können, dann können wir Spaß an der Nostalgie haben, aber auch daraus lernen.

„Früher war alles besser“ ist längst auch ein politisches Versprechen. Warum verfängt dieser Slogan heute so stark?

Unser Bewusstsein meint es gut mit uns und löscht die meisten schlechten Erinnerungen, einen Großteil der Vergangenheit haben wir uns inzwischen mental schön gesofffen. Außerdem wissen wir, dass wir es ja irgendwie überstanden und überlebt haben, also fühlt es sich an wie ein kleines Zwischenstopp-Happy-End. Dazu kommt das Gefühl, dass das Leben früher überschaubarer und übersichtlicher war, wir fühlten uns nicht ständig von der Außenwelt überfordert. Viele suchen daher ihr Glück für die Zukunft in einer Rückkehr in die Vergangenheit, aber das ist leider noch nie gut ausgegangen.

Sie haben in Münster studiert. Was ist Ihnen aus der Zeit in Westfalen besonders in Erinnerung geblieben und waren Sie damals auch schon mal in Hamm?

Ich fand die Zeit in Münster fantastisch, für mich fühlte sich nach meiner Jugend in Peine plötzlich Münster an wie New York. Hamm kenne ich leider nur vom Durchfahren, ich freu mich deshalb schon sehr darauf, es endlich besser kennenzulernen.

Wenn Sie heute auf sich mit 20 zurückblicken: Was würden Sie dem jungen Oliver Kalkofe gern sagen?

Sehr viel, ich wäre gern noch einmal körperlich jung mit dem Wissen von heute. Ich würde versuchen, mich zu beruhigen und mir Selbstbewusstsein zu vermitteln, mir sagen dass die anderen gar nicht so smart sind, wie sie immer sagen, und dass ich keine Angst haben muss, meinem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen. Am Ende ist ja bisher alles gut ausgegangen.

Rest-Tickets gibt es online beim Maxipark und bei Eventim sowie voraussichtlich an der Abendkasse. Übrigens auch für die Garten-Comedy-Show von Katrin Iskam. Die Spiegelbestseller-Autorin gastiert am 2. November in der Maxipark-Werkstatthalle.