FBI verhaftet OpenAI-Mitarbeiter – seine Ehefrau googelte die Bauanleitung per ChatGPT


OpenAI-Spionagefall: Verdächtiger nutzte KI-Chatbot seiner Frau – und verriet sich damit selbst

Stand: 14.10.2026, 13:23 Uhr

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Ein saudischer Ingenieur soll einen Konferenzraum von OpenAI verwanzt haben. Entdeckt wurde er ausgerechnet mit der eigenen KI-Technologie des Unternehmens.

Washington – Abdulrahman Alfozan arbeitete seit Juli 2025 im Produktteam von OpenAI, als ihn Überwachungskameras Ende September in der Nähe eines Konferenzraums filmten, zu dem er keinen Zutritt hatte. Dort, in der USB-Buchse eines Fernsehers und eingewickelt in Toilettenpapier, steckte ein daumengroßes Aufnahmegerät mit Mikrofon und Verschlüsselung.

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OpenAI hatte das Gerät bereits am 30. September entdeckt, wie das Handelsblatt berichtet. Das FBI nahm den 35-Jährigen rund eine Woche später, am 9. Oktober, fest. OpenAI feuerte ihn umgehend und informierte die Bundespolizei.

Ein saudischer Ingenieur soll einen Konferenzraum von OpenAI verwanzt haben.

KI jagt den eigenen Spion. © IMAGO/Zoonar.com/Sirinarth Mekvorawuth

In dem Raum, so das US-Justizministerium laut heise, wurde über „streng vertrauliche technische, geschäftliche und strategische Angelegenheiten“ gesprochen, darunter technischer Fortschritt, Prioritäten und Geschäftsbeziehungen des Unternehmens.

KI jagt den eigenen Spion

Der eigentliche Aufreger liegt in der Aufklärung: OpenAI setzte eigene KI-Modelle ein, um die Herkunft der Wanze zurückzuverfolgen und den Verantwortlichen zu identifizieren, wie das Unternehmen auf X mitteilte und Handelsblatt dokumentiert.

Ein Konzern, der seine eigenen Sprachmodelle zur internen Spionageabwehr nutzt, ist mehr als eine Randnotiz. Es zeigt, wie sehr OpenAI inzwischen auch als Sicherheitsapparat für sich selbst funktioniert. Belege dafür, dass dabei Kundendaten oder Modellgewichte durchsucht wurden, nennt keine der Quellen.

Festzuhalten bleibt nur das Ergebnis: Die Spur führte zum Verdächtigen, bevor klassische Ermittlungsarbeit überhaupt griff. Ermittler veröffentlichten sogar ein Foto, das zeigt, wie der Mann am 5. Oktober hinter den Fernseher schaut, in dessen USB-Eingang das Gerät steckte, aufgenommen von einer Kamera, die OpenAI dort selbst platziert hatte.

Ehefrau-Chatbot als Beweisstück

Pikant ist die digitale Vorgeschichte. Über den Chatbot-Account seiner Ehefrau sollen laut Justizministerium Anfragen gestellt worden sein, wie man ein Aufnahmegerät baut, anpasst, installiert, testet, versteckt und aus der Ferne steuert, berichtet heise. Im Chatverlauf fanden sich demnach Merkmale, die exakt zum im Konferenzraum entdeckten Gerät passten, darunter die individuelle MAC-Adresse.

Wer Spionage plant und dafür einen KI-Chatbot konsultiert, hinterlässt damit ein digitales Geständnis. Das US-Magazin Gizmodo identifizierte das Gerät zudem als handelsübliches Bastelboard namens Seeed Studio XIAO ESP32-S3 Sense, zu kaufen für unter 20 Dollar, keine Spionagetechnik aus einem Agententhriller. In einer Tasche des Verdächtigen fanden Ermittler zudem ein ähnliches Gerät, ohne dass klar wäre, ob es baugleich war.

Nationale Sicherheit als Rahmen

FBI-Direktor Kash Patel ordnete den Fall größer ein: Das Ziel sei gewesen, „sensible Kommunikation über die Superintelligenz-Technologie des Unternehmens“ abzufangen, sagte er laut TechCrunch. US-Geheimdienstkoordinator Jay Clayton betonte laut WirtschaftsWoche, der Fall zeige, wie wichtig der Wettlauf um KI-Führerschaft für die nationale Sicherheit der USA sei.

Clayton wurde von Präsident Donald Trump zuvor mit einer zentralen Rolle bei der KI-Aufsicht betraut. Diese Rahmung bleibt bislang unbelegt durch konkrete Beweise für ausländische Auftraggeber.

Ein KI-Forscher hatte zuvor ohne Belege behauptet, chinesische Spione hätten OpenAI und Anthropic unterwandert, was die politische Aufladung des Falls zusätzlich erklärt, aber nicht bestätigt. Alfozan drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft und 250.000 Dollar Strafe, umgerechnet rund 225.000 Euro.

Business Punk Check

Der belegte Kern ist überschaubar: eine Wanze, eine Festnahme, eine Kündigung, keine nachgewiesene Datenexfiltration. Alles darüber hinaus, von Superintelligenz-Spionage bis nationaler Sicherheitsbedrohung, stammt aus Einordnungen von FBI und Regierung, nicht aus forensischen Belegen.

Für OpenAI zahlt sich die Episode trotzdem aus: Die Botschaft, man habe den Spion mit eigenen KI-Modellen überführt, ist PR-tauglich und belegt zugleich eine reale Sicherheitslücke in den eigenen Büros. Offen bleibt, wer hinter dem Auftrag steckt und ob das Verfahren diese Frage überhaupt beantwortet. Quellen: WirtschaftsWoche, Heise, TechCrunch, Handelsblatt, T3N