„Die queere Community hat Angst“ – und trotzdem wollen 47 Prozent der Ostdeutschen die AfD in der Regierung
Ostdeutsche eher für AfD in der Regierung – Westen skeptischer
Stand: 26.07.2026, 11:59 Uhr
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Umfragen vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt und MV deuten auf eine starke AfD. Ein Allparteienbündnis ohne sie fände in Ostdeutschland wenig Zuspruch.
Berlin – Im September 2026 wählen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern neue Landtage. Umfragen zufolge könnte die AfD in beiden Bundesländern stärkste Kraft werden, die absolute Mehrheit jedoch voraussichtlich verfehlen. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov untersuchte im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa, welche Regierungsformen die Bürger für dieses Szenario bevorzugen.

Umfrage vor Landtagswahlen: Ostdeutsche eher für AfD-Beteiligung als Allparteienbündnis
Die Ergebnisse der Befragung zeigen deutliche Ost-West-Unterschiede:
- Ostdeutschland: Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) befürwortet eine Beteiligung der AfD an der Landesregierung. Ein Allparteienbündnis ohne die AfD unterstützen 29 Prozent.
- Westdeutschland: Hier bevorzugen 36 Prozent ein Bündnis der übrigen Parteien, während 37 Prozent eine AfD-Regierungsbeteiligung befürworten.
Eine sofortige Neuwahl sehen in beiden Landesteilen nur wenige Befragte als Ausweg (11 Prozent im Osten, 12 Prozent im Westen).
Zur Methodik der YouGov-Umfrage
Auftraggeber & Institut: Durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Stichprobe: Befragt wurden insgesamt 3.143 Personen in Deutschland (1.573 Personen in Westdeutschland und 1.570 Personen in Ostdeutschland).
Repräsentativität: Die Ergebnisse sind laut YouGov für die jeweiligen Landesteile (Ost/West) repräsentativ.
Kontext: Die Umfrage beleuchtet die Einstellungen der Bevölkerung im Hinblick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September 2026.
AfD-Beteiligung bei der Regierung: Schwächung oder Stärkung der Demokratie?
Die Befragten bewerten die Folgen einer AfD-Regierungsbeteiligung für das politische System unterschiedlich: Bei einer Koalition mit AfD-Beteiligung erwarten im Osten 38 Prozent eine Stärkung der Demokratie, gut ein Drittel (34 Prozent) befürchtet eine Schwächung. Im Westen überwiegt die Skepsis: 47 Prozent erwarten eine Schwächung, 30 Prozent eine Stärkung.
Auch bei einer hypothetischen Alleinregierung der AfD bewerten 44 Prozent der Ostdeutschen diese Konstellation als Risiko für die Demokratie. 30 Prozent glauben, eine reine AfD-Regierung würde das System stärken. Im Westen befürchten 57 Prozent eine Schwächung, während 21 Prozent eine Stärkung erwarten.
Umfrage vor den Ost-Wahlen 2026: Das Modell der Expertenregierung
Gefragt wurde auch nach dem Modell einer „Expertenregierung“ mit wechselnden Mehrheiten einschließlich der AfD. Parteilose Fachleute würden die Ministerämter besetzen, während Gesetze im Parlament mit wechselnden Mehrheiten – potenziell auch mit AfD-Stimmen, aber ohne formelle Koalition – verhandelt würden.
Dieses Modell traf auf folgende Resonanz:
- Im Osten befürworten 44 Prozent der Befragten eine Expertenregierung, 29 Prozent lehnen sie ab.
- Im Westen sind 39 Prozent dafür und 34 Prozent dagegen.
Der Anteil der Unentschlossenen liegt in beiden Landesteilen bei jeweils 27 Prozent.
Expertenregierungen im europäischen Vergleich: Österreich, Italien, Griechenland
In Deutschland wäre eine Experten- oder Technokratenregierung auf Bundes- oder Landesebene ein Novum. Im europäischen Ausland wird dieses Modell vor allem bei parlamentarischen Pattsituationen oder akuten wirtschaftlichen Krisen als Übergangslösung eingesetzt:
- Österreich (2019): Nach dem Ende der ÖVP-FPÖ-Regierung führte Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein ein Beamten- und Expertenkabinett, das das Land sieben Monate lang bis zu den Neuwahlen verwaltete.
- Italien (2011 & 2021): 2011 setzte der parteilose Mario Monti als Premierminister Wirtschaftsreformen um. 2021 führte der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi eine Expertenregierung, um das Land durch die Corona-Pandemie zu steuern.
- Griechenland (2011): Der frühere EZB-Vizepräsident Lucas Papademos leitete während der Schuldenkrise ein Expertenkabinett, um Sparmaßnahmen umzusetzen.
Sollte die AfD stärkste Kraft werden und die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit ausschließen, droht in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ein parlamentarisches Patt. Ein breites Sammelbündnis aller anderen Parteien genießt laut Umfrage im Osten wenig Rückhalt.
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte Thomas Hoffmann, Vorstandsmitglied des Berliner Christopher Street Day, mit Blick auf die Umfragewerte der AfD seine Sorgen um die queere Gemeinschaft deutlich gemacht: „Die Positionen dieser Partei sind eindeutig und die queere Community hat Angst“, hatte er im Vorfeld des CSD der Nachrichtenagentur dpa gesagt. (Quellen: dpa, Euractiv, ORF, Manager Magazin) (frs)