Palmengarten: Bis zu 100 Trauungen im Sommer – und Hunderte Brautpaare


Stand: 05.09.2026, 12:00 Uhr

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Rosenblätter treiben auf dem Wasser, die Sonne sorgt für ein herrliches Lichtspiel. Magnus und Yue gaben sich gestern  im Haus Rosenbrunn im Palmengarten vor der Standesbeamtin Kim Queckbörner das Ja-Wort.

Rosenblätter treiben auf dem Wasser, die Sonne sorgt für ein herrliches Lichtspiel. Magnus und Yue gaben sich am Freitag im Haus Rosenbrunn im Palmengarten vor der Standesbeamtin Kim Queckbörner das Ja-Wort. © Michelle Spillner

Der Palmengarten ist Frankfurts beliebteste Location für standesamtliche Trauungen und Hochzeitsfotos. Samstags stehen Brautpaare für die besten Blickwinkel im Rosengarten sogar Schlange.

Frankfurt – Der Palmengarten ist nicht nur eine der beliebtesten Locations für standesamtliche Trauungen in Frankfurt, er ist auch mit 42 Hektar das größte und mit Abstand am meisten genutzte „Fotostudio“ für Hochzeitsfotografie weit und breit. Schöner und günstiger können Brautpaare eine Kulisse für Hochzeitsbilder kaum bekommen. Neun Euro kostet der Eintritt in den Palmengarten. Wenn nur das Brautpaar und der Fotograf zum Shooting gehen – und vielleicht noch jemand, der einen Reflektor hält –, dann ist man mit 27 beziehungsweise 36 Euro dabei und kann so lange fotografieren, wie man möchte. Es sei denn, man heiratet auch im Haus Rosenbrunn, dann haben die Gäste des Brautpaares inklusive Fotograf sogar freien Eintritt.

Fototermin vorm Palmenhaus. Diese Braut ist mit ihrem Mann nach einer standesamtlichen Trauung an einem anderen Ort für die Fotos mit einem Fotografen in den Palmengarten gekommen.

Fototermin vorm Palmenhaus. Diese Braut ist mit ihrem Mann nach einer standesamtlichen Trauung an einem anderen Ort für die Fotos mit einem Fotografen in den Palmengarten gekommen. © Michelle Spillner

Bis zu 100 Eheschließungen hat das Standesamt in diesem Sommer im Palmengarten durchgeführt. Geheiratet werden kann im Haus Rosenbrunn von Mai bis September immer freitags. Fünf Eheschließungen am Tag gibt es jeweils zur vollen Stunde. In dieser Zeit haben die Rasenmäher Pause. Für das kommende Jahr gibt es für diese Hochzeitslocation bereits Anfragen. Sie ist jeden Sommer ausgebucht.

Um 9 Uhr gestern Morgen empfängt Standesbeamtin Kim Queckbörner die erste Hochzeitsgesellschaft an dem wunderschönen Ort. Im Brunnen des Gebäudes treiben pinkfarbene Rosenblüten. Der Palmengarten ist stolz auf eine eigene Rose, die seinen Namen trägt. Das Brautpaar nimmt auf einer weißen Gartenbank mit dem Brunnen im Rücken Platz, links und rechts setzen sich die Trauzeugen, ein Olivenbäumchen hebt sich herrlich satt dunkelgrün von den weißen Streben der ausladenden Fensterflächen ab. Auf dem Tisch eine weiße Orchidee. An den Wänden Palmengarten-Aquarelle aus der Gründerzeit. Und selbst das Kleid der Standesbeamtin passt farblich zum schwimmenden Rosenschmuck.

Magnus und Yue verteilen ein Programmheft in Deutsch und Chinesisch, damit alle ihre Gäste der Zeremonie folgen können. Die Fotografin plant die Szenerie für die Bilder des einmaligen, unwiederbringlichen Moments, testet ihren Standpunkt hinter der Standesbeamtin aus und organisiert, dass nach dem Ja-Wort zuerst die mehr als 30 Gäste das Haus Rosenbrunn verlassen, und dann die Frischvermählten. So können sie durch das Spalier gehen. Der Foto-Kuss wird vor der Trauung zwei Mal geübt. Die Fotografin erklärt, wie es geht: Magnus dreht Yue einmal um die eigene Achse, die lässt sich weit nach hinten gebeugt in seinen Arm fallen, er hält sie und: Kuss! Vorher aber bitte noch heiraten.

Kim Queckbörner findet herzerwärmende Worte. Liebe bedeute nicht, dass man einander ansehe, sondern dass man gemeinsam in die gleiche Richtung blicke, zitiert sie Antoine de Saint-Exupéry. Der Bräutigam verrät die erste Frage, die er Yue gestellt habe: Wie man eine subatomare Ente nennt? Die Antwort: „Quark“. Und diese Antwort führt nun zur Frage aller Fragen, die mit zwei „Ja“ endet, bevor die Ringe angelegt werden und Kim Queckbörner den Frischvermählten das Gedicht „Das Versprechen“ von Christa Alden mit auf den Weg gibt. Der Plan der Fotografin geht auf. Draußen rattern Seifenblasenmaschinen – eine gute Alternative zu Konfetti und Reis, die im Palmengarten verständlicherweise nicht erlaubt sind.

Etwa zeitgleich hat das Paar geheiratet, das gerade mit einem Fotografen Richtung Palmenhaus spaziert. Die Trauung fand allerdings außerhalb, in einem anderen Standesamt statt. Die Schwiegermutter schiebt den Kinderwagen, in dem der Brautstrauß anstelle des Nachwuchses seinen Platz gefunden hat. Der Nachwuchs im feinen Zwirn läuft fröhlich durchs Gelände. Auch einen Spielplatz mit Wasserspielanlage gibt es. Viele Hochzeitsgäste und Brautpaare verbringen Stunden oder gar den ganzen Tag noch im Palmengarten, lassen die Kinder spielen, ziehen durch die Gewächshäuser und Pflanzenlandschaften, vorbei an Schwiegermuttersitzen und Titanwurz, einer Pflanze aus Sumatra, die den größten ungeteilten Blütenstand der Welt zu bieten hat.

Die Braut von außerhalb im schönsten Prinzessinnenkleid positioniert sich vorm Eingang des Palmenhauses, den Gatten neben sich. Der Fotograf, ein Profi, dirigiert Kopfhaltung und Augenaufschlag – Bilder für die Ewigkeit.

Ja-Wort an einem besonderen Ort. Carolin und Niels heirateten gestern im Palmengarten, weil sie die Natur lieben und das Lichterspiele im Haus Rosenbrunn so schön finden.

Auch Carolin und Niels heirateten am Freitag im Palmengarten, weil sie die Natur lieben. © Michelle Spillner

Den bis zu 100 Trauungen im Palmengarten steht ein Vielfaches an Brautpaaren gegenüber, die dort zwar nicht heiraten, aber ihre Fotos machen. Samstags geben sich die Bräute die Klinke in die Hand. Weißer Glitzer huscht zwischen Büschen und Bäumen entlang. Schleppen und Schleier wischen leise rauschend über Wege und ziehen jetzt das eine oder andere frühe Herbstblatt mit sich. An den schönsten Plätzen wie im Rosengarten steht man für die besten Blickwinkel auch gerne an. Manche Fotografen linsen schon mal nach links oder rechts zu Kollegen, um sich zu Fotomotiven „inspirieren“ zu lassen: am Oktagon-Brunnen, in dessen Wasser sich das Brautpaar spiegelt, bei gleißender Sonne im Schatten der Pinie, auf der Wiese mit großer Weite hintendran oder mitten im Gewächshaus zwischen Palmwedeln und grünen Ranken.

Ein Paar hat auf einer weißen Bank am Rosengarten Platz genommen und lächelt ins Objektiv. Es ist eine besondere Bank: Ein Schild verrät, dass sie zur Goldenen Hochzeit von Ingrid und Eckehard Wache gestiftet wurde. Für 1250 Euro kann man eine Bank stiften und mit einem Schildchen versehen und sich selbst oder anderen eine Freude machen. Möglich ist das über die Freunde des Palmengartens. Ob Ingrid und Eckehard auch im Haus am Rosenbrunn geheiratet haben?

Während die Location für viele einfach „nur“ wunderschön ist, wählten Niels und Carolin sie für ihre Heirat, weil sie große Naturfreunde sind. Oft haben sie den Palmengarten besucht, durch die Fenster in das Haus am Rosenbrunn gespickt, das wunderschöne Lichtspiel durch die Deckenverglasung und die weißen Sonnensegel gesehen und sich vorgenommen, darin zu heiraten. „Wir haben extra um den Zeitslot um 11 Uhr gebeten“, verrät der Bräutigam, weil dann das Licht am schönsten sei. Fünf Gäste haben sie dabei und keinen Fotografen. Schöne Fotos möchten sie natürlich auch. Eine Freundin, die Trauzeugin, macht sie. Und wenn es sein muss, dann greift der Bräutigam auch selbst zur Kamera: in dem Moment, in dem die Trauzeugin die Heiratsurkunde unterschreibt. Sie soll schließlich auch mal auf den Bildern sein.

Beim ersten Brautpaar des Tages, bei Magnus und Yen hätte es die besten Bilder übrigens ein paar Stunden vor dem Ja-Wort gegeben. Weil ihre Haustür sich nicht mehr öffnen ließ, mussten sie zur Trauung durch das Fenster über Tisch, Stuhl und Leiter aus der Wohnung klettern. Er habe seine Verlobte im weißen Hochzeitskleid quasi abgeseilt. Bei diesem Liebesbeweis war aber leider kein Fotograf dabei.